KryptoKultur: Blockchain-Kunst – Von blutigen Adressen und Kamelen aus Haschisch

KryptoKultur: Blockchain-Kunst – Von blutigen Adressen und Kamelen aus Haschisch

Die Blockchain-Technologie zieht immer mehr Menschen in ihren Bann: Vom spekulativen Investor bis zum ideologisch angetriebenen Krypto-Anarchist – Die Vielseitigkeit der Blockchain spiegelt sich in der Diversität ihrer Anhänger wider. Unter diesen finden sich auch immer mehr Kulturschaffende. Die Serie KryptoKultur gewährt Einblick in das Werk von Künstlern verschiedener Disziplinen, die sich der neuen Technologie zugewendet haben. Teil 1 ist der bildenden Blockchain-Kunst gewidmet.



„Ich fühle mich wie eine Münze“

Kevin Aboschs Werk geht unter die Haut. Buchstäblich. Der irische Künstler musste für sein Projekt „I AM A COIN“ nämlich im wahrsten Sinne des Wortes bluten. Abosch unterzog sich einem Aderlass, um mit dem Blut die Public Address seines eigenen IAMA-Token zu stempeln. So entstanden 100 blutige Kopien der Adresse, die den materiellen Teil von I AM A COIN ausmachen. Das virtuelle Pendant dazu bilden die 10.000.000 IAMA-Token.

Die Frage nach dem Wesen (und dem Wert) von Kunst wird von zahlreichen zeitgenössischen Künstlern immer wieder aufgegriffen. Auch Aboschs Werk ist in diesem Kontext zu betrachten. Dabei dehnt Abosch die Frage nach der Wertschätzung von Kunst auf den Menschen aus. Für ihn kommen Menschen als „frisch geprägte Münzen“ auf die Welt, deren Wert im Laufe des Lebens von der Gesellschaft festgelegt wird. Du bist wertlos!“ wäre ein Beispiel für einen Satz, in dem sich das grundlegende (Be-)Wertungsdenken einer Gesellschaft niederschlägt.

Das teuerste Krypto-Kunstwerk der Welt

Durch die Verwendung seines Blutes hebt Abosch die Grenze zwischen Künstler und Kunstwerk, zwischen Mensch und Währung auf. Durch die „Virtuellen Werke“ in Form der IAMA-Token wird analog dazu die Grenze zwischen Betrachter und Kunstwerk verwischt. So soll den Besitzern der Token nicht nur Zugang zu physischen Werken des Künstlers ermöglicht werden; sie werden gleichsam selbst Teil des Kunstwerkes:

„Die Person, die ihn [den IAMA-Token] besitzt, nimmt an der Erfahrung teil“.

Aboschs Kunstverständniss ist dabei ein konzeptuelles:

„Wenn man Kunst auf das Wesentlichste reduziert, geht es um Ideen.“

Weltruhm erlangte Abosch indes durch seine Portraitfotografien von Persönlichkeiten wie Johnny Depp, Yoko Ono und Ai Wei Wei. Im Silicon Valley haben sich zahlreiche CEOs von ihm portraitieren lassen. Seine Fotografie „Potato #345“ verkaufte er für über eine Million US-Dollar. Das teuerste Foto der Welt zeigt – eine Kartoffel.

Einen weiteren Rekord stellte Abosch in der Kryptoszene auf: Bei dem Verkauf der „Forever Rose“ am Valentinstag dieses Jahres erzielte Abosch einen Rekordpreis von einer Million US-Dollar. Der Clou: Die Fotografie einer Rose wurde mittels Tokenisierung abgewickelt und hat auf diesem Weg zehn Investoren aus der Blockchain-Szene gefunden. Das macht die „Forever Rose“ übrigens zum derzeit wertvollsten Krypto-Kunstwerk der Welt.

Für mehr künstlerische Selbstbestimmung: Bitchcoin

Angesichts dieser Verkaufspreise muss sich Abosch vermutlich wenig Sorgen um sein finanzielles Auskommen machen. Er ist eine der wenigen Ausnahmen, die das Klischee vom „armen Künstler“ zulässt. Der Kunstmarkt entscheidet darüber, ob ein Künstler „to the moon“ schießt oder ob sein Schaffen zu ewiger Brotlosigkeit verdammt ist. Darüber hinaus zeichnet den Kunstmarkt eine Volatilität aus, von der auch Krypto-Interessierte ein Lied singen können.

Kunst als Anlageform ist nichts Neues. Das Prinzip HODL greift auch hier. Wenn ein Kunstwerk eine enorme Preissteigerung erlebt, hat der Künstler jedoch häufig nichts davon. Anders als erfolgreiche Musiker, die für Hits Tantiemen erhalten (sofern sie keine Knebelverträge abgeschlossen haben), müssen bildende Künstler oft hilflos dabei zusehen, wie ihre Werke zu einem Vielfachen des ursprünglichen Verkaufspreises den Besitzer wechseln.

Der New Yorker Künstlerin Sarah Meyohas war dieser Umstand ein Dorn im Auge. Sie erschuf deshalb mit „Bitchcoin“ eine eigene Kryptowährung. Der Token sollte es Kunstsammlern ermöglichen, nicht in Werke, sondern in die Künstlerin selbst zu investieren. Gedeckt wurde der Bitchcoin von Fotografien Meyohas: Dabei war ein Bitchcoin äquivalent zu 25 Quadratzoll (rund 161 cm²) einer Fotografie von Meyohas. Diese Fotografien wurden zuvor als ungerahmte Drucke in einem Banktresor verstaut, um die Deckung der digitalen Währung zu sichern. Der Bitchcoin-Launch fand am 15. Februar 2015 statt, als fixer Ausgabepreis wurden 100 US-Dollar pro Token veranschlagt. Danach sollten Angebot und Nachfrage über den Preis bestimmen.

Es ist leider unklar, was aus dem Projekt geworden ist. Obwohl die Website für den Token weiterhin existiert, scheint Bitchcoin nirgends gelistet zu sein. Vermutlich hat sich die Künstlerin anderen Projekten zugewandt. Trotzdem: Meyohas Konzept der Tokenisierung von Kunstwerken könnte Künstlern und Künstlerinnen einen Weg zu einer größeren künstlerischen (und ökonomischen) Selbstbestimmung ebnen.

Mit Kreditkarten und Haschisch für die Blockchain-Idee

Während Meyohas die Blockchain benutzen wollte, um Kunst und Künstler zu fördern, dreht „cryptograffiti“ den Spieß um: Sein Werk ist der Verbreitung der Blockchain-Bewegung gewidmet. Für seine Blockchain-Kunst verwendet er Materialien aus Industriezweigen, die von der Blockchain-Technologie grundlegend revolutioniert werden. Das Bankwesen ist dabei am prominentesten vertreten. So bestehen etwa viele von cryptograffits Skulpturen aus alten Kreditkarten, Geldsäcken oder Münzrollen – ein Sinnbild für die erwartbare Disruption der Branche durch die Blockchain.

Doch auch die Schattenseite der Kryptowelt findet ihren Platz in cryptograffitis Schaffen: Mit „Silk Road“ zollt er dem gleichnamigen Drogenumschlagplatz im Darkweb Tribut. Die Silk Road hat Bitcoin den zweifelhaften Ruf als Währung der Verkäufer von Drogen und Schlimmerem beschert. Ein Image, das Kryptowährungen bis heute anhaftet. Silk Road zeigt konsequenterweise ein Kamel aus Haschisch-Öl und Cannabis-Pollen vor einem Hintergrund aus „Zigaretten“-Drehpapier. Kunstkonsum mal anders.

Rätselspaß für Krypto-Nerds

Einen klaren Kopf braucht indes, wer vorhat, eines der Kryptorätsel des Künstlers Zden Hlinka zu lösen. Kurz gesagt geht es bei den Rätseln darum, aus einem Bild den Private Key für eine bestimmte Kryptowährung abzuleiten. Die entsprechende Public Address ist dem Bild meist ohne Weiteres zu entnehmen. Dadurch wissen die Rätselfreunde auch von Anfang an, wie hoch die Belohnung für ihr erfolgreiches Kopfzerbrechen ausfallen wird.

Sein jüngstes Rätsel konzipierte Hlinka für die blockchainbasierte Plattform „Codex“, die sich auf Kunst- und Sammelgegenstände spezialisiert hat. Um diesem Fokus auf die Kunst Rechnung zu tragen, nahm sich Hlinka einen der genialsten Künstler aller Zeiten zum Vorbild: Leonardo DaVinci. Das Rätselbild wurde am 25. Mai veröffentlicht und zeigt schematisch den Raum aus DaVincis Abendmal. Den Bildmittelpunkt stellt hier jedoch nicht Jesus dar, sondern ein zwölfseitiger Würfel, der von der Decke zu hängen scheint. Darüber hinaus befinden sich an den Seiten Hinweise in lateinischer Sprache, die dem Betrachter den Weg zu des Rätsels Lösung weisen. Im vergangenen Monat wurde das Kryptorätsel übrigens entschlüsselt und die Belohnung in Höhe von rund 3 Ether wechselte ihren Besitzer. Bevor Rätselfreunde nun enttäuscht die Köpfe bzw. Taschenrechner hängen lassen, sei zum Schluss noch auf einen kleinen Hoffnungsschimmer verwiesen: Auf seiner Steemit-Seite nennt der Künstler sein Rätsel nämlich „Codex Puzzle #1 – CODEXOKRYPHODRON“. Es besteht also durchaus die Hoffnung, dass man bald an Codex Puzzle #2 herumknobeln darf.

BTC-ECHO

Über Christopher Klee

Christopher KleeChristopher Klee hat Literatur- und Medienwissenschaften sowie Informatik an der Universität Konstanz studiert. Seit 2017 beschäftigt sich Christopher mit den technischen und politischen Auswirkungen der Krypto-Ökonomie.

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