Bitcoin-Maximalismus: Zwischen Ratio und Engstirnigkeit

David Scheider

von David Scheider

Am · Lesezeit: 7 Minuten

David Scheider

Kryptowährungen sind Davids Leidenschaft. Deshalb studiert er jetzt Digital Currency an der Universität Nicosia – und schreibt nebenher für BTC-ECHO. Von Bitcoin hält David einiges, vom allgemeine Hype um die Blockchain-Technologie eher weniger.

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Bitcoin

Quelle: Shutterstock

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Bitcoin-Maximalismus ist die Lehre von der „einen wahren Kryptowährung“. Häufig als ignorant verschrien, stehen die Maximalisten für ihre Überzeugung ein, dass – wenn überhaupt – BTC eine Chance hat, sich als Währungsalternative zum inflationsgetriebenen Fiat-Geldsystem zu etablieren. Was ist dran an den Thesen von Jimmy Song, Pierre Rochard, Michael Goldstein, Saifedean Ammous & Co.?

Beruht Bitcoin-Maximalismus tatsächlich auf einer intoleranter Negation der Wertversprechen aller Altcoins oder ist die Haltung Ergebnis sorgfältig gewählter Abwägungen? Wir werfen einen Blick auf das Phänomen Bitcoin-Maximalisten und rollen das Wertversprechen der Kryptowährung Nr. 1 von Grund auf aus.

Absolute Argumentationsmuster wie die von Bitcoin-Maximalisten stoßen wissenschaftstheoretisch auf einige Hürden. Angenommen auch nur ein einziger Coin oder ein einziges Blockchain-Projekt hat langfristig Bestand, das Kartenhaus der Maximalisten würde zusammenstürzen. Denn Bitcoin-Maximalisten versuchen den Beweis zu führen, dass einzig Bitcoin ein sinnvoller – und vor allem funktionierender – Einsatz der Blockchain-Technologie ist. Man unternimmt also den philosophischen Versuch, eine Non-Existenz zu beweisen. Die Argumentationstheorie erlaubt dies zwar. Man öffnet mit dem sogenannten „Proof a Negative“ Gegenbeispielen gleichwohl Tür und Tor. Anders gesagt: Die Beweislast, dass Bitcoin tatsächlich der einzige sinnvolle Einsatz der Blockchain-Technologie ist und 100 Prozent aller Altcoins Mist sind, liegt bei den Maximalisten. Ein Gegenbeispiel reicht und das Argumentationsmuster ist obsolet.

Wie also stehen die Chancen, dass die maximalistische Seite Recht behält? Werfen wir einen Blick unter die Haube: Was Bitcoin leisten kann und was nicht.

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Bitcoin ist die Trennung von Staat und Geld

Um zu verstehen, wieso man Bitcoin braucht, muss man verstehen, welches Problem die Kryptowährung löst. Im Kern ist Bitcoins Wertversprechen die Trennung von Staat und Geld. Nicht mehr und nicht weniger. Doch dazu braucht es einige Eigenschaften. Ein Geldmittel, dass unabhängig von einer zentralen Instanz wie Zentralbanken oder Regierungen existieren kann, muss dezentral sein. Denn wenn die Geschichte des Geldes eines gezeigt hat, dann, dass Individuen der verführerischen Kraft, die die Kontrolle über Geld ausübt, nicht widerstehen können. Zentralbanken mögen noch so unabhängig sein. Wer das Monopol über die Geldschöpfung innehat, wird Geld drucken. Das war immer so und wird auch so bleiben.

Damit die Geldproduktion also nicht in den Händen Einzelner liegt, muss Geld dezentral sein. Nach Lage der Dinge ist Bitcoin die dezentralste Kryptowährung überhaupt. Keiner der Altcoins kann es in puncto Dezentralisierung mit der Kryptowährung Nr. 1 aufnehmen: Es existieren zur Stunde knapp 10.000 aktive Full Nodes, die Hash Rate beträgt 64 TH/s und im Mining ist keine besorgniserregende Zentralisierung erkennbar. Bitcoin ist dezentral.

Dezentralität ist indes kein Zweck an sich sondern Mittel zum Zweck. Neben der Trennung von Staat und Geld leistet die dezentrale Netzwerkstruktur einige Features, die gutes Geld haben muss. So verhindert sie etwa, dass es einen Single Point of Failure gibt, sprich dass es aufgrund des Fehlverhaltens einer einzigen Instanz zu Komplikationen kommen kann. Jeder Teilnehmer im Netzwerk kann sich zu 100 Prozent darauf verlassen, dass seine Transaktion beim Empfänger ankommt.

Man könnte hier einwenden, dass das bei einer Vielzahl der Altcoins ähnlich ist. Das mag sein. Doch ist es gerade die Verifikation der Netzwerkregeln, die Bitcoin seine Dezentralität geben. Während etwa die Ethereum Blockchain knapp drei Terrabyte groß ist, können Bitcoiner bereits mit etwa 300-GB-Festplatten zu einem souveränen Teilnehmer des Netzwerks werden. Dies ist sodann auch das Hauptargument gegen eine Erhöhung des Block Size Limits. Denn jede Vergrößerung der Blöcke gefährdet die Dezentralität des Netzwerks und sorgt für ein Machtungleichgewicht zu Gunsten der Miner.

Wir halten fest: Dezentralität ist relevant und non-trivial.

Eine algorithmische Geldpolitik

Geld ist nur so gut wie seine Inflationspolitik. Aus einer ökonomischen Perspektive dürfte dies der entscheidende Faktor für die Qualität von Geld sein. Bitcoins Geldpolitik lässt sich schnell zusammenfassen: Die Begrenzung von 21 Millionen Coins maximal existiert und lässt sich von jedem, der eine Full Node betreibt (!) nachprüfen. Alle anderen müssen sich darauf verlassen, dass jeder, der eine Full Node betreibt, die Wahrheit sagt – was bei 10.000 Nodes recht wahrscheinlich ist. Der Punkt ist folgender: Es muss nicht jeder Teilnehmer eine Full Node betreiben, es sollte aber jeder Teilnehmer zu jedem Zeitpunkt eine Full Node betreiben können.

Ferner ist Bitcoin disinflationär gestaltet. Das heißt, dass sich die Menge an BTC, die neu ins Netzwerk kommen, alle vier Jahre signifikant verringert. Der implizite Supply Shock ist weder gut noch schlecht, wichtig ist nur, dass jeder weiß, wann und wie er eintritt.

XRP etwa leistet das nicht. 60 Prozent des Ripple-Coins (ca. 100 Milliarden XRP) ist nach wie vor in Unternehmenshand; wann das FinTech die XRP auf den Markt wirft, weiß niemand. Mit geregeltem Supply hat das nichts mehr zu tun.

Dezentrale, digitale Knappheit ist die wirkliche Innovation. Bitcoin ist das erste monetäre Mittel, das nachweislich knapp ist (Ethereum hat im Vergleich überhaupt keine Cap). Dass Maximalisten diesen Umstand immer wieder hervorheben, ist richtig und wichtig.

Bitcoin hat keine Weisungsbefugten

Ein anderer wichtiger Aspekt ist Bitcoins Unabhängigkeit. Während es bei so gut wie allen relevanten Altcoins entweder starke Führungspersönlichkeiten oder gar Unternehmen gibt, die die Geschicke der Währungen steuern, ist Bitcoin ganz und gar unabhängig.

Eines der größten Dinge, die Satoshi tat, war zu verschwinden,

schreibt etwa Jimmy Song. Bitcoin kann, im Gegensatz zu zentralisierten Projekten wie Libra, keinen CEO in eine Kongressanhörung schicken, einfach weil es eine solchen CEO für Bitcoin nicht gibt. Klar, es gibt Core Developer, die sich der technischen Weiterentwicklung des Projekts verschrieben haben. Ob deren Änderungsvorschläge jedoch implementiert werden, entscheiden einzig die Nutzer, die ihre Full Nodes (!) entsprechend updaten müssen.

Der Widerstand gegen SegWit2x war der beste Beweis für eine hinlängliche Dezentralität des Netzwerks. Schließlich scheiterte das Update, das unter anderem eine Erhöhung der Blockgröße auf 2 MB vorsah, am resoluten Widerstand der Bitcoiner.

Und was ist mit der Anonymität?

Privacy Coins wie Monero gelten als Bitcoins aussichtsreichste Konkurrenten. Schließlich führt die pseudonyme Struktur der Blockchain immer wieder zu Einschränkungen in der User Experience. So richtig problematisch wird es dann, wenn bestimmte Coins als tainted (etwa „beschmutzt“) markiert werden können. Etwa dann, wenn sie aus illegalen Geschäften stammen. Dann, so die Argumentation, ist BTCs Fungibilität bedroht.

Die Debatte verdeutlicht einen Aspekt, den Bitcoin-Maximalisten immer wieder an der Altcoin-Fraktion kritisieren: Es reicht nicht, ein einziges Feature zu optimieren, um Bitcoin in ernsthafte Bedrängnis zu bringen. Zehn Jahre nach dem White Paper sind Bitcoins Netzwerkeffekte derart fortgeschritten, dass die Optimierung auf einzelne Aspekte, die man zu Bitcoins Nachteil auslegen kann, schlicht nicht reichen. Bitcoin optimiert auf das, was relevant ist: eine dezentrale, fälschungssichere, knappe Währung zu sein, die keinen Single Point of Failure besitzt.

Übrigens: Privacy ist durchaus ein relevanter Aspekt für gutes Geld. Allerdings steht bei ihrer Implementierung einiges auf dem Spiel. So könnten Bugs eine unerwünschte Inflation begünstigen, die eben aufgrund der Verschleierung für lange Zeit unentdeckt bleibt. Das würde Bitcoins fundamentales Wertversprechen als nachweisbar knappe Währung gefährden.

Fazit

Bitcoin-Maximalismus ist der Fokus aufs Wesentliche. Maximalisten haben verstanden, worum es geht: die Trennung von Geld und Staat. Logisch, dafür muss man gut begründen können, wieso das nötig ist.

Die Probleme, die Bitcoin lösen will, löst die Währung nach Lage der Dinge tatsächlich besser als seine Konkurrenten. Die steigende Bitcoin-Dominanz – BTC macht zur Stunde 65 Prozent der Gesamtmarktkapitalisierung aus – spricht hier Bände. Dass am Ende des Tages einzig Bitcoin ein sinnvoller Einsatz der Blockchain-Technologie ist, ist aufgrund der Argumentationsstruktur allerdings eine schwer haltbare Einstellung.

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