Bitcoin-Kurs laut „Analyse“ bald bei 300.000 US-Dollar

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Bitcoin-Kurs laut „Analyse“ bald bei 300.000 US-Dollar

Der Bitcoin-Kurs soll laut einer „neuen Metrik“ bald die 300.000-US-Dollar-Marke knacken. Sie basiert auf Daten der Vergangenheit und bezieht sich auf die Mining Difficulty. Ein Kommentar zu bullishen Kurs-Prognosen.

Der Bitcoin-Kurs liegt bald bei 300.000 US-Dollar! Zumindest wenn es nach einer Metrik des Traders „PlanB“ geht. Er veröffentlichte kürzlich einen Tweet, der in der Krypto-„News“-Szene gehörig ausgeschlachtet wird:

In seiner Analyse heißt es, dass starke Anstiege beim Bitcoin-Kurs in der Vergangenheit immer mit einer Kapitulation der BTC Miner einhergingen. Da der bunt gepunktete Chart dies nun suggeriert, sei das bald wieder der Fall. Die ebenso optimistische wie vage Einschätzung in einem weiteren Tweet des Traders: Der Bitcoin-Kurs liegt beim nächsten Allzeithoch zwischen 30.000 und 300.000 US-Dollar. Es mag zwar Zusammenhänge zwischen der Difficulty und dem Bitcoin-Kursverlauf geben. Doch Aussagen wie die von PlanB sind anmaßend und ungenau.

„Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich“

Das Problem mit Bitcoin-Kurs-Prognosen ist generell, dass wir lediglich Daten der Vergangenheit haben und versuchen können, daraus auf die Zukunft zu schließen. Das mag funktionieren. Denn wenn genug Menschen die gleichen Signale sehen und an diese glauben, bewahrheiten sich die Prognosen auch, Treffer werden versenkt.

Wie das obige Zitat (das fälschlicherweise Mark Twain zugeschrieben wird) andeutet: Man kann versuchen, sich einen Reim auf die Zukunft zu machen. Wer jedoch aus Daten der Vergangenheit die Zukunft bestimmen will, läuft Gefahr, über die eigene Kristallkugel zu stolpern. Anders gesagt: Nur weil der Bitcoin-Kurs in der Vergangenheit stark angestiegen ist, muss er das nicht wieder tun.

Du sollst Korrelation nicht mit Kausalität verwechseln


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Man kann hier auch sagen: Nur weil zwei Dinge nacheinander passieren, heißt das nicht, dass sie miteinander zusammenhängen. Das weite Feld der Bauernregeln mag das illustrieren:

Donnert’s im September noch, liegt der Schnee um Weihnacht hoch.

Es ist äußerst wahrscheinlich, dass es im September donnert. Auch ist es gut möglich, dass im Dezember Schnee fällt. Dass das eine Ereignis jedoch eintritt, weil das andere passiert ist, ist lediglich eine Scheinkorrelation. Mit anderen Worten: Die Ereignisse begründen sich nicht.

Ebenso verhält es sich bei Krypto-Prognosen. Es ist wahrscheinlich, dass der Bitcoin-Kurs wieder steigt. Es kann auch gut sein, dass das passiert, während, nachdem oder bevor die Miner kapitulieren und die Difficulty bei einem bestimmten Punkt im Chart liegt. Dass das eine das andere begründet, kann aber niemand nachweisen.

Viel wahrscheinlicher ist es, dass genügend Trader, Hodler und Kryptonatiker die aktuelle Difficulty als Signal erkennen und weitergeben. Die Folge: Wenn genügend Trader die Signale für wichtig befinden (und Korrelation mit Kausalität verwechseln) und einkaufen, steigt auch der Bitcoin-Kurs. Das liegt jedoch an einfachen Marktmechanismen wie Angebot und Nachfrage.

Übrigens liegen dem Fehlschluss zwischen Korrelation und Kausalität nicht nur Trader auf. Vielmehr ist es ein gängiges Vorgehen in der Geschichtsschreibung. Denn: Geschichten müssen sich gut erzählen lassen, so sind sie für Menschen besser verdaulich. Das Radio wurde zum Beispiel nicht erfunden, damit wir uns heute beschallen lassen können. Vielmehr war es eine zufällige Entdeckung, man arbeitete an neuen Kommunikationsformen für das Militär und stieß dann zufällig auf die Wellen, die uns seit Jahrzehnten Musik liefern. Dass in allen Details zu erzählen, ist jedoch recht umständlich. Darum: Das Radio wurde erfunden, damit wir uns heute die neusten Hits anhören können.

Der Bitcoin-Kurs – Verlässliche Daten sind schwer zu finden


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Die vorigen Bedenken ausgenommen muss man etwas Wichtiges im Hinterkopf behalten: Historische Daten zum Bitcoin-Kurs sind Mangelware. Bei einem 10-jährigen Bestehen einer Anlageklasse von Zyklen zu sprechen, ist bereits schwierig. Hinzu kommen Probleme mit Metriken wie der Marktkapitalisierung, Wash Trading und Verdachtsmomenten zu Preismanipulationen. So verschrien Regulierungsbehörden wie die SEC auch sein mögen: Ihre Bedenken bezüglich eines etwaigen Bitcoin ETF kommen nicht von ungefähr. Sie wollen einen Exchange Traded Fund für die Kryptowährung erst gewähren, wenn das Ökosystem sicherer ist.

Kurzum: Verlässliche Daten sind schwierig zu finden, zuverlässige Prognosen zu machen, noch viel schwieriger.

Steigt der Bitcoin-Kurs bald auf 3.000.000.000 US-Dollar?

Ein Satz, den man in der Krypto-Szene oft liest: Es bleibt abzuwarten. Was man tun kann: Den Markt beobachten, die Lage im Ökosystem beurteilen und neue Informationen nach bestem Wissen und Gewissen auswerten. Kursanalysen sind trotz obiger Bedenken nicht aus der Luft gegriffen, vielmehr stützen sie sich auf bekannte und vor allem verbreitete Metriken, die oft funktionieren. Es gilt das Motto: Je mehr Trader sich an die Analysen halten, umso wahrscheinlicher werden sie zutreffen. Dennoch kann niemand mit Sicherheit sagen, in welchem Segment sich der Bitcoin-Kurs in wenigen Minuten bewegen wird.

Mit zuverlässigen Prognosen ist es letztlich wie mit der Nadel im Heuhaufen: Sie zu finden (in diesem Fall die richtige) bedeutet eine Menge Arbeit.

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