BaFin warnt Verbraucher vor ICO-Risiken

Gregor Hallmann

von Gregor Hallmann

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Gregor Hallmann

Gregor Hallmann ist seit 20 Jahren Wirtschaftsjournalist. Als Redakteur einer Nachrichtenagentur verfolgte der studierte Politologe um die Jahrtausendwende hautnah den Internet-Boom und das folgende Platzen der Dotcom-Blase. Seitdem schreibt er als freier Journalist kritisch über Wirtschaft, Finanzen und Geldanlage – und hat dabei auch Kryptowährungen und Blockchain im Blick.

Quelle: Frankfurt, Germany - May 10th, 2017; The sign of the "Bafin", the german financial supervision. The sign is located in front of the headquarter in Frankfurt. via Shutterstock

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Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) warnt, dass der Erwerb von Coins oder Tokens im Rahmen von ICOs für Anleger erhebliche Risiken birgt. ICOs nennt die Finanzmarktaufsicht in einer am 9. November veröffentlichten Verbraucherwarnung „höchst spekulative Investments“, bei denen sich Anleger darauf einstellen müssten, dass ein Totalverlust ihrer Investition möglich sei. Damit ist der Tonfall der Mitteilung gesetzt.

Das BaFin-Dokument verweist auf die „systembedingte“ Anfälligkeit von ICOs für „Betrug, Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung“. Vor „häufig großen Preisschwankungen“ der bei ICOs erworbenen Tokens wird ebenso gewarnt wie vor dem Risiko, sie auf „nicht liquiden oder gar nicht vorhandenen Zweitmärkten“ nicht wieder veräußern zu können.


Wenig Gutes denken die Aufseher wohl über ICO-Anbieter. Über ICOs finanzierte Vorhaben befänden sich „typischerweise“ in einem „sehr frühen, meist experimentellen Stadium“, die Geschäftsmodelle seien entsprechend „unerprobt“. Die Funktionsweisen von Tokens seien aus Sicht der Anleger schwer überprüfbar, die Programmiercodes könnten sich als angreifbar erweisen, und der Schutz personenbezogener Daten sei bei ICOs „nach deutschen Maßstäben nicht gewährleistet“.

Verbraucher sollten laut BaFin sicherstellen, dass sie ein ICO-Projekt – beziehungsweise das damit verbundene Investment – vollständig verstanden haben und dessen Eigenschaften ihrem Risikoappetit entsprechen. Zudem sollten Anleger „dem Emittenten so viele Fragen stellen wie nötig und dessen Angaben aus unabhängigen Quellen verifizieren“. Besonders der letzte Ratschlag dürfte in der Praxis schwer umzusetzen sein.

USA straffen die Zügel

Interessant ist, dass die BaFin „unzureichende, unverständliche oder gar irreführende“ Angaben in den ICOs begleitenden Whitepapern und Vertragsbedingungen bemängelt. Verbraucher seien bei der Überprüfung von Identität, Seriosität und Bonität eines Token-Anbieters „auf sich allein gestellt“, nicht zuletzt wegen „fehlender gesetzlicher Vorgaben und Transparenzvorschriften“, ganz anders als bei „regulierten Prospekten“.

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Man könnte daraus schließen, dass die BaFin dem Laissez-faire im ICO-Bereich ein Ende setzen will. Damit lägen die deutschen Aufseher im Trend. Die US-Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) hatte schon im Sommer klargestellt, dass virtuelle Münzen und Token Wertpapiere sein können.

Damit unterlägen sie den Wertpapiergesetzen der Vereinigten Staaten, was größere Offenlegungspflichten und mehr Schutzmaßnahmen für Investoren als bei unregulierten ICOs bedeutet. Auch in der bislang krypto-freundlichen Schweiz scheint der Wind schärfer zu wehen: Die Schweizer Börsenaufsicht kündigte an, ICOs genauer prüfen zu wollen.

China geht den harten Weg

Es wird in Deutschland kaum soweit kommen wie in China oder Südkorea, wo ICOs komplett verboten wurden. Auch mit Verhältnissen wie in Singapur ist nicht zu rechnen: Dort drehten führende Banken einigen Unternehmen den Geldhahn zu, die zuvor als ICO-Organisatoren aufgetreten waren. Abwürgen will den ICO-Sektor in Deutschland niemand.

Doch auch in Deutschland wird das regulatorische Umfeld für ICO geklärt werden. Experten zufolge sollten bestimmte Arten von Token dem hiesigen Wertpapierrecht unterfallen. Ein Beispiel wäre der anstehende ICO von Bitwala: Der Dienstleister für digitalen Zahlungsverkehr auf der Blockchain will dem Vernehmen nach keine der bisher bei ICOs verbreiteten Utility Token ausgeben. Stattdessen können die Investoren Equity Token erwerben, die eine Kapitalbeteiligung am Unternehmen in Aussicht stellen.

Bleiben „unregulierte“ ICOs möglich?

Noch scheinen aber auch in Deutschland Token Sales möglich, die nicht unter das Wertpapierrecht fallen. So werden bei dem im Oktober begonnene ICO des Berliner Shopping-Start-ups Wysker ERC-20-Utility-Token ausgegeben. Probleme mit der BaFin erwartet Wysker nicht, weil keine Anteile, sondern Gutscheine per ICO verkauft werden.

Noch hat die deutsche Finanzaufsicht nicht über die rechtlichen Rahmenbedingungen für deutsche ICOs entschieden, Krypto-Anleger müssen sich in Geduld üben. Die Aufseher haben aber mehr Informationen zu ICOs in der am 15. November erscheinende Ausgabe ihres BaFinJournals angekündigt. Vielleicht wird es eine spannende Lektüre.

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