Western Union vs. Facebook vs. Bitcoin: So wird sich der Markt in den nächsten fünf Jahren aufteilen

Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 5 Minuten

Sven Wagenknecht

Sven Wagenknecht ist Chefredakteur von BTC-ECHO. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn vor allem die langfristigen Implikationen auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

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Quelle: Shutterstock

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Das Narrativ ist so alt wie Bitcoin selbst: Kryptowährungen können insbesondere dort den Menschen helfen, wo kein ausreichender Zugang zu fairen und verlässlichen Finanzdienstleistungen geboten wird. Rund 1,7 Milliarden Menschen auf diesem Planeten fallen unter die Kategorie der so gennanten „unbanked“. Genau diese 1,7 Milliarden Menschen, für die sich die Bankenwelt bislang zu schade war, möchten nun Facebook und Ripple in die Finanzdienstleistungswelt integrieren. Warum das Menscheitsprojekt „Banking the Unbanked“ in den nächsten fünf Jahren eine neue Dimension annimmt und Facebook die Nase vorne hat.

Facebook hat bereits öffentlich verkündet, dass ihr Kryptowährungsprojekt vor allem auf Entwicklungsländer abzielt. Dort, wo es für Banken bislang nicht wirtschaftlich oder rechtlich zu unsicher war, Bankkonten einzurichten oder Kredite zu vergeben, kann Facebook innerhalb kürzester Zeit den vielleicht attraktivsten Wirtschaftszweig für sich einnehmen.

Auch wenn es sich um den ärmsten Teil der Weltbevölkerung handelt, ist die schiere Anzahl an potentiellen bankenlosen Kunden gigantisch und damit auch die potentiellen Gewinne für die Akteure, die sich in die Wertschöpfung einreihen können.

Die Remittance-Dienstleister MoneyGram und Western Union sind bereits angezählt

Dort, wo es an Bankeninfrastruktur für den ärmeren Teil der Bevölkerung fehlt, treten sogenannte Remittance-Dienstleister zu Tage. Zahlungsdienstleister wie Western Union oder MoneyGram bieten es Menschen ohne Bankkonto an, Geld um die ganze Welt zu versenden. Die Gebühren sind in Teilen so hoch, dass man ihren Service als Ausbeutung bezeichnen kann.


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In einer Welt, in der sich auch die Finanzwelt immer weiter digitalisiert und mittels Blockchain emanzipiert, ist dies ein unhaltbarer Zustand. Dass das Geschäftsmodell der Remittance-Dienstleister zeitnah vor dem Aus steht, ist absehbar. Die einzige Möglichkeit, um noch etwas überleben zu können, ist die Optimierung ihres Dienstleistungsangebot bzw. ihrer Konditionen.

Hier kommt nun ebenfalls die Blockchain-Technologie ins Spiel, insbesondere Ripple. Um perspektivisch die Transaktionskosten weiter senken zu können und die Abwicklungsgeschwindigkeit hochzuschrauben, um den Markt nicht an Facebook und andere Krypto-Lösungen zu verlieren, müssen sich Western Union & Co. zeitnah disruptieren.

Die Kooperation mit der Konkurrenz: Ripple als Verbündeter gegen Facebook?

So hat Ripple letzte Woche seine Partnerschaft mit MoneyGram bekanntgegeben. Demnach soll bei MoneyGram-Überweisungen künftig die xRapid-Technologie von Ripple zum Einsatz kommen – und damit auch die hauseigene Kryptowährung XRP. Medienberichten zufolge wird Ripple im Zuge der Partnerschaft bis zu 50 Millionen US-Dollar in MoneyGram investieren.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Mit xRapid sollen grenzüberschreitende Transaktionen 24/7 nicht nur schneller, sondern auch deutlich günstiger abgewickelt werden können. XRP dient dabei als Brückenwährung, die bei Bedarf auf Krypto-Börsen in die Zielwährung gewechselt wird, was wiederum eine größere Liquidität garantieren soll.

Das Ziel ist simpel: Kosten drastisch reduzieren und Effizienz erhöhen, um wettbewerbsfähiger zu bleiben. Mit einem Systemwechsel hat das allerdings gar nichts zu tun. Für den Endkunden ändert sich praktisch nichts, außer dass der Service besser wird. Die Krypto-Adaption findet hier nur im Hintergrund bei den Finanzdienstleistern zur Effizienzsteigerung statt, nicht aber beim Endkunden.

Warum es zu einem Dreiklang aus Western Union, Facebook und Bitcoin kommen wird

Im Gegensatz zu Western Union & Co. setzt Facebook mit Libra direkt beim Endkunden an. Hier ist es der Nutzer, der direkt mit der Kryptowährung über das Nachrichten-System Transaktionen tätigen kann. Facebook optimiert also nicht ein bestehendes altes System, sondern liefert ein vollkommen Neues. Der Vorteil einer eigenen Kryptowährung, die wiederum an verschiedene Fiatwährungen und Verbindlichkeiten gebunden ist, ist Vorteil und Nachteil zugleich.

Gerade in Entwicklungsländern kann der Stable Coin von Facebook deutlich mehr Stabilität bieten als die heimische Fiatwährung. Allerdings ist die Kryptowährung nicht als gesetzliches Zahlungsmittel legitimiert. Zudem muss zunächst eine kulturelle Annäherung an die Kryptowährung stattfinden. Die rechtlichen und kulturellen Komponenten werden dafür sorgen, dass die Kryptowährung Libra nicht von heute auf morgen das staatliche Währungssystem ersetzen wird, trotz der massiven Vorteile gegenüber dem Status quo in den meisten Entwicklungsländern.

Naheliegend ist hier für den Anfang eine Mischnutzung. Die Menschen in den Entwicklungsländern werden in den nächsten Jahren sowohl MoneyGram als auch Facebook nutzen. Allerdings dürften mit steigender Krypto-Adaption die Marktanteile Stück für Stück an Facebook gehen. Das potentielle Leistungsversprechen der Plattformökonomie im Finanzdienstleistungsbereich lässt Remittance-Dienstleister und Banken perspektivisch chancenlos wirken.

Doch ist damit Schluss? Schließlich steht die Krypto-Lösung von Facebook im absoluten Widerspruch zu Bitcoin und der versprochenen Finanzautonomie der Blockchain-Technologie.

Das Dreiecksverhältnis: Fiatwährungen, Stable Coins und echte Kryptowährungen

Als dritte im Bunde, zwischen dem staatlichen Fiatgeldsystem und dem zentralistischen Konzern-Krypto-Ansatz, fehlen noch „richtige“ Kryptowährungen. Konkret sind damit Bitcoin & Co. gemeint, die dezentral sowie eigenständig sind und ihr Wertversprechen nicht durch bestehende Fiatwährungen und Vermögenswerte bekommen. So groß die Vorteile einer Plattformökonomie-Kryptowährungslösung sind, sorgen sie für eine besorgniserregende Machtkonzentration bei den Playern aus dem Silicon Valley. Die anfänglichen Vorteile einer Nutzung von Facebooks Libra und wahrscheinlich anderer noch folgenden Kryptowährungen von Tech-Giganten können schnell zur Falle werden.

Durch den enormen Einfluss dieser Anti-Bitcoin-Lösungen kann sich eine Plutokratie manifestieren, die nicht nur die Nutzer, sondern auch die Staaten zu Gefangenen bzw. Dienern einer Konzern-Plattformökonomie degradieren. Auch basiert die Deckung eines Libra Coin auf einem alten System, einem System der Fiatwährungen. Für diejenigen, die sich eine größere Autonomie vom staatlichen Notenbanksystem wünschen, liefert Facebook keine wirkliche Antwort.

Welches Szenario ist für die nächsten fünf Jahre wahrscheinlich?

Es ist davon auszugehen, dass wir eine Vermischung verschiedener Finanzökonomien sehen werden. Traditionelle Finanzdienstleister werden von Tech-Konzernen und zentralistisch angelegten Krypto-Projekten wie Facebook Konkurrenz bekommen. Gleichzeitig nimmt aber auch die Adaption von Bitcoin und anderen dezentralen Kryptowährungsprojekten zu.

Mit steigender Nutzerfreundlichkeit und besseren Skalierungslösungen werden Bitcoin & Co. wiederum die zentralen Projekte in Frage stellen, so wie heute Facebook Western Union und MoneyGram in Frage stellt. Auch wenn man nicht in die Zukunft schauen kann, könnte sich die Facebook-Krypto-Ökonomie als Brückentechnologie zwischen alter zentraler Finanzwelt und Decentralized Finance, kurz Defi, entwickeln.

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