Von Bitcoin und Blasen – Teil 2: Ist Bitcoin eine Blase?

Quelle: Bitcoin in a soap bubble against the backdrop of stock quotes. Dangers and risks of investing in bitcoin. speculation via shutterstock

Von Bitcoin und Blasen – Teil 2: Ist Bitcoin eine Blase?

Von Bitcoin und Blasen – in unserem Dreiteiler erkunden wir, was Spekulationsblasen ausmacht, ob wir uns momentan in einer Blase befinden und wie die Zukunft aussehen könnte. Heute: Ist Bitcoin eine Blase?

Wie wir in Teil 1 unter anderem gelernt haben, ist die Spekulationsblase eine Marktsituation, in der die Preise von Gütern über ihrem inneren Wert liegen. Wie bei der Tulpenmanie oder der DotCom-Bubble lassen sich Menschen von der Gier nach dem schnellen Geld treiben. Während einige Wenige als Gewinner dastehen, verlieren Viele, die in ihrer Verblendung blind investierten. Doch befinden wir uns auch aktuell in einer solchen Situation? Ist Bitcoin eine Blase? Hier stellt sich zunächst nach dem inneren Wert, dem Fundamentalwert von Bitcoin.

Die Frage nach inneren Werten – des Pudels Kern

Des Pudels Kern – Dass wir erkennen, was die Kryptowelt im Innersten zusammenhält.

Strenggenommen, da sind sich viele Forscher einig, hat Bitcoin keinen fundamentalen Wert. Man kann ihn weder essen, noch jemanden damit bewerfen – was soll er schon wert sein? Theoretisch könnte man hier die Betrachtung schon abbrechen. Bitcoin = Blase. Doch erinnern wir uns an die Grundidee hinter Bitcoin.

Bitcoin, so die Vision von Satoshi Nakamoto, soll ein digitales peer-to-peer-Bezahlsystem darstellen. Ohne Mittelsmänner, ohne Institutionen und damit: Ohne Banken. Ohne Zinsen, ohne Vertrauen in etwas außerhalb der Technologie legen zu müssen. Und das ist, im weitesten Sinne, der fundamentale Wert von Kryptowährungen, beziehungsweise: Der Technologie, also der Blockchain und all ihrer Kinder.

Immer wieder Simbabwe – Geld ist Vertrauenssache

Die Victoriafälle in Simbabwe: Hier war die Inflation so hoch, dass man die landeseigene Währung abschaffte

Simbabwe, mein Lieblingsbeispiel: Die Inflationsrate stieg im afrikanischen Land irgendwann so stark an, dass das Geld am Abend nur noch einen Bruchteil dessen wert war, was es am Morgen gekostet hatte. Der Staat schaffte die landeseigene Währung ab, die Blase war geplatzt. In der Folge verwendete der Staat Fremdwährungen, doch auch diese stießen bald an ihre Grenzen. Entweder berechneten die Banken viel zu hohe Gebühren oder es war schlicht und einfach kein Geld da, das aus dem Automaten kommen konnte. Und hier kam Bitcoin ins Spiel – die Menschen vertrauten der Technologie viel mehr als den Institutionen.

Sollte Bitcoin also eine Blase sein, kann die Kryptowährung wie in Simbabwe den größten aller Blasen den Rang strittig machen: Dem von Zentralbanken herausgegebenen Fiat-Geld. Denn: Fiat-Geld ist auch „nur“ eine Blase. Der US-Dollar besteht zu 75 Prozent aus Pappe und zu 25 Prozent aus Papier. Der tatsächliche fundamentale Wert ist letztlich Vertrauen. Fiat-Währungen sind genau so viel Wert wie das Papier, auf dem sie gedruckt sind.

Welche Blase platzt zuerst?

Und hier kommt es letztlich doch auch darauf an, welche Blase nun zuerst platzt. Man muss gut abwägen. Wird sich das Misstrauen gegenüber Institutionen durchsetzen? Kann es dazu kommen, dass das Vertrauen in die Technologie auf der anderen Seite groß genug ist, um die andere Blase zum Platzen zu bringen?

Noch eine wichtige Frage drängt sich auf: Wie misst man den Wert von Vertrauen? Für manche ist es unbezahlbar, für andere vollkommen überbewertet. Die Marktsituation, das ist zumindest unstrittig, hat starken Blasencharakter. Der Spekulationsanteil ist sehr hoch, während der Gebrauch von Kryptowährungen momentan noch kaum vorhanden ist – dafür ist der Markt wohl einfach noch zu jung. Viele riechen das schnelle Geld, investieren blind und haben kaum eine Ahnung von der Technologie, die dahintersteckt. Halten wir also fest: Der Markt hat ganz klaren Blasencharakter, streng genommen ist Bitcoin genau so wie Fiat-Währungen eine Blase. (Und beide sind schon oft geplatzt!) Doch soll uns das tatsächlich stören?

Da kommt noch Einiges

Wann trennt sie sich, die Spreu vom Weizen?

Fest steht: Im Krypto-Universum werden noch mehrere Blasen platzen – die Spreu wird sich vom Weizen trennen. Denn unsere Situation ist eine ganz ähnliche wie zu Beginn der Dotcom-Blase. Da gibt es diese neue bahnbrechende Technologie auf der einen Seite. Auf der anderen Seite gibt es Trittbrettfahrer, die so viel Kapital wie möglich aus der Blase ziehen wollen, bevor sie platzt. Momentan kursieren auf icobench.com 1676 angekündigte ICOs – davon stehen 1258 im Bereich „Kryptowährungen“ – brauchen wir noch mehr Kryptowährungen? Im Gegenteil.

Was wir brauchen, sind weniger Kryptowährungen, dafür solche, die funktionieren. Ob Bitcoin und das Lightning Network es schaffen, die Skalierungsprobleme in den Griff zu bekommen oder ob sich Ethereum mit den Smart Contracts letztlich etablieren wird – das weiß heute kein Mensch. Vielleicht schafft es auch tatsächlich einer der ICOs, sich durchzusetzen. Oder wird es der unterschätzte Außenseiter Monero? Das steht ebenso in den Sternen wie die Frage, ob sich IOTA und sein Tangle im Internet der Dinge durchsetzen wird. Vielleicht kommt auch hier ein Konkurrent um die Ecke geschossen und macht sich breit.

Eins ist sicher: Die Krypto- und vor allem die ICO-Blase wird noch öfter platzen. Doch die Blockchain-Technologie wird sich durchsetzen, in welcher Form auch immer. Ob sich Bitcoin als Währung durchsetzen wird, ist ungewiss. Als klassisches Anlageform im Sinne eines Assets oder als digitales Gold hat es viel mehr Chancen. Doch dazu mehr im dritten Teil.

BTC-ECHO

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