Uni Basel-Profs im Interview: „Fiatgeld ist auch eine Blase“

Phillip Horch

von Phillip Horch

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Phillip Horch

Phillip Horch ist Chef vom Dienst von BTC-ECHO und für die Strukturierung und Planung der redaktionellen Inhalte verantwortlich. Er ist Diplom-Journalist und hat einen Master-Abschluss in Literatur-Kunst-Medien.

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Quelle: Fabian Schär & Aleksander Berentsen

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Professor Dr. Aleksander Berentsen und Dr. Fabian Schär leiten das Center for Innovative Finance im schweizerischen Basel. Unser Autor traf sich mit den beiden Wissenschaftlern an ihrer Uni, um sie zu ihrem Forschungsthema zu interviewen. In Teil 2 erfahrt ihr, dass auch Fiatgeld eine Blase ist, warum Charlie Munger Bitcoin nicht mag und wann die beiden Wissenschaftler zum ersten Mal von Bitcoin gehört haben.

Charlie Munger bezeichnete Bitcoin in einem Interview als „unsozial, dumm und unmoralisch“. Was bewegt einen Vorsitzenden eines multinationalen Konglomerats zu einer solchen Aussage?

AB: Was soll man dazu schon noch sagen? Ich glaube nicht, dass Menschen wie Munger in der Lage sind, sowas zu beurteilen – sie haben es sich nicht angeschaut. Sie denken wahrscheinlich, dass jedes Asset, das man nicht erklären kann, eine Bubble ist.

Was sie nicht verstehen, ist, dass jedes Asset eine Bubble-Komponente hat. Natürlich ist Bitcoin eine Blase. Aber Fiatgeld ist auch eine Blase. Das ist nichts Ungewöhnliches. Als Geldtheoretiker weiß ich das schon lange.


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Grundsätzlich kann man ein Asset in zwei Wertkomponente aufteilen. Es hat einen Fundamentalwert und eine Bubble-Komponente. Wenn man sich damit beschäftigt, sieht man schnell, dass es bei den meisten Assets eine Bubble-Komponente gibt. Das bedeutet, dass der Preis höher ist als der fundamentale Wert. Genau kann man das natürlich nie sagen, aber nehmen wir zum Beispiel Gold. Ich würde sagen, Gold ist zu 90-95 Prozent eine Bubble. Man kann es nur bedingt in der Industrie verwenden – das sind die restlichen 5-10 Prozent an fundamentalem Wert. Bei Fiatgeld ist alles Bubble. Das ist bestätigt. Es gibt den Spruch: Die Dollarnote besteht zu 75 % aus Karton und zu 25 % aus Papier. Das ist der Fundamentalwert. Der Rest ist Bubble.

FS: Vielen Leuten ist es gar nicht bewusst, dass das bei allen Fiatwährungen gleich ist.

„Das ist im Moment einfach die Anfangsphase“

AB: Ich kann schon verstehen, was Munger sagt. Oder auch Warren Buffet. Er investiert nur in etwas, was er versteht. Coca Cola zum Beispiel versteht er. Er weiß, was sie produzieren und was sie verkaufen. Da kann man abschätzen, wie es sich in der Zukunft verhält – das ist insgesamt schon ein vernünftiger Ansatz. Wir haben es hier mit technischen Innovationen zu tun. Das ist im Moment einfach die Anfangsphase – wir spekulieren alle, was daraus wird. Es gibt viele ältere Menschen, die ähnlich denken. Das ist auch eine Generationssache.

FS: Vielleicht sind sie auch nicht willentlich, sich damit auseinanderzusetzen. Das Problem ist, dass man sich wirklich lange damit beschäftigen muss, bis man es tatsächlich versteht. Am Anfang war ich auch extrem skeptisch: Wie funktioniert das? Was steckt dahinter? Das braucht eine Weile. Viele Menschen in solchen Positionen haben einfach nicht die Zeit, um sich mit der Thematik auseinanderzusetzen. Dann kommen eben solche Statements raus.

Bargeld geht dem Ende zu

Wie sind die Zukunftsaussichten für Bargeld?

AB: Also zunächst einmal: Bargeld hat wunderbare Eigenschaften. Ich bin ein großer Anhänger von Bargeld. Trotzdem glaube ich, dass es dem Ende zugeht. Wie lange das dauert – ob es jetzt 10 oder 20 Jahre sind – das weiß ich nicht. Das liegt vor allem an den Möglichkeiten der Anwendung: Für Online-Zahlungen ist Bargeld offensichtlich ungeeignet. Wenn man dann die politische Konstellation anschaut – zum Beispiel Steuerhinterziehung –  gerät Bargeld auch immer weiter unter Druck. In Italien darf man z. B. nur noch 999 Euro [pro Transaktion, Anm. d. Red.] in bar ausgeben. Die Leute machen das trotzdem. Der politische Druck ist jedenfalls da. Da muss man sich nach Alternativen umschauen, die bargeldähnlich sind – wie Krypto eben.

Können Sie sich noch an Ihren ersten Kontakt mit Bitcoin erinnern?

AB: Das war 2012. Ich habe eine E-Mail von einem Kollegen bekommen. Er wusste, dass ich mich in der Forschung mit Geld beschäftigte und meinte, ich solle mir das mal ansehen. Ich habe ihm zurückgeschrieben und gesagt: „Das ist schon interessant. Aber aufgrund von Netzwerkeffekten glaube ich nicht daran, dass sich das durchsetzt.“

Das Problem ist ja immer: Wie fängt sowas an? Es lohnt sich für mich nicht zu investieren, wenn ich nicht weiß, ob andere das auch machen. Wenn ich dann der Einzige bin, der Bitcoin hält – was ist er dann wert? Dann habe ich leider die E-Mail abgeschickt statt zu investieren.

FS: Ich hörte das erste Mal davon von einem guten Freund von mir, der in der Krypto-Anarchisten-Szene unterwegs war. Ich habe auch gar nicht dran geglaubt. Erst später habe ich mich intensiver damit beschäftigt. Und ich dachte mir: Hätte ich mich mal früher damit auseinandergesetzt. (Beide lachen).

Die Universität Basel bietet in jedem Frühjahrsemester die Vorlesung “Bitcoin, Blockchain und Kryptoassets” an. Zudem haben Aleksander Berentsen und Fabian Schär mit ihrem Buch Bitcoin, Blockchain und Kryptoassets eine akademischen Blickwinkel auf die Blockchain-Technologie und Bitcoin – eine perfekte Ergänzung zu unserer komplett überarbeiteten Version der Bitcoin-Bibel

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