Venezuela: Mit Petro kommt die erste staatliche Kryptowährung, ICO startet am 20.2.

Phillip Horch

von Phillip Horch

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Phillip Horch

Phillip Horch ist Chef vom Dienst von BTC-ECHO und für die Strukturierung und Planung der redaktionellen Inhalte verantwortlich. Er ist Diplom-Journalist und hat einen Master-Abschluss in Literatur-Kunst-Medien.

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Quelle: petro, new virtual currency of venezuela via shutterstock

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Venezuela hat das White Paper für ihre geplante Kryptowährung Petro veröffentlicht. Eine Analyse des ersten staatlichen ICOs.

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 30. Juni 2019 05:06 Uhr von Mark Preuss

Wie wir berichteten, hat die Regierung im von Inflation geplagten Venezuela den Launch der landeseigenen Kryptowährung Petro geplant. Die Idee, die dahintersteckt, geht auf den 2013 verstorbenen Präsidenten Hugo Chavez zurück. Mit Petro – kurz PTR – soll eine rohstoffgebundene Kryptowährung entstehen, die sich unabhängig vom US-Dollar entwickeln soll:

„Dank der Stellung vom US-Dollar als international genutzte Währung der Banken und dem Ablösen des Goldstandards leidet die Weltökonomie durch die damit verbundene Unsicherheit und Instabilität der Währung. Das war gerade für die Ökonomien der Entwicklungs- und Schwellenländer schädlich.“

Auszug aus dem White Paper, freie Übersetzung

Um dem entgegenzutreten, möchte Venezuela nun mit dem Petro die Vision einer an den Wert des Öls gebundenen Währung realisieren. Damit hat das Land das Ziel, den ersten Coin zu emittieren, dessen Wert mit den Ölvorkommen des Landes gedeckt ist. Der Schritt ist wahrscheinlich die letzte Rettung für ein Land, das für das Jahr 2018 eine Inflationsrate von 13.000 % erwartet.

Mit dem Petro will die venezolanische Regierung also parallel zum Bolivar eine unabhängige, transparente und offene digitale Ökonomie schaffen. Die Ziele sind hochgesteckt: Durch die Bindung an den Ölpreis soll der Krypto-Petro fortan als Investment-Möglichkeit, Spareinlage und Möglichkeit zum zwischenstaatlichen Finanztransfer werden.


Indem der im Pre-Sale verkaufte Token auf der Ethereum-Blockchain läuft, wollen sie die Vorteile der Technologie nutzen. Weiterhin erhofft sich Venezuela laut White Paper, mit der kommenden Kryptowährung mehr Transparenz, aber auch schnellere Transaktionen, Effizienz und damit mehr Vertrauen zu schaffen.

Petro-White-Paper geht nicht in die Tiefe

Ein ICO sowie eine Kryptowährung, die Venezuela herausgibt, haben einige interessante Eigenschaften. Mit mehr als 30 Millionen Einwohnern existiert eine Menge an zukünftigen Abnehmern. Anders als andere Kryptowährungen kann man hier auf eine Akzeptanz von Regierungen hoffen, die in einem partnerschaftlichen Verhältnis zu Venezuela stehen.

Für das Krypto-Ökosystem ist es sicherlich ein Ritterschlag, dass ein Staat die Emission einer Kryptowährung auf Basis eines ERC20-Token-Sales plant und sich im White Paper positiv über die zugrundeliegenden Technologien und Anwendungen äußert. Anders als in anderen wohlwollenden Veröffentlichungen, à la „Blockchain ja – Bitcoin nein“, interessiert sich Venezuela für die Use-Cases des Petro und für Token Sales.

Die technologischen Details des Petro werden bis auf die Erwähnung einer möglichen Implementation eines Proof-of-Stake-Mechanismus und die Nutzung von Smart Contracts nicht weiter beschrieben. Ebenso bleibt das Entwicklerteam weiterhin unbekannt.

Schließlich wird nicht überzeugend geklärt, wie sich diese Form eines stabilen Coins von Digix oder Tether unterscheidet. Zwar betont man, dass Petro den Weg zur Nutzung anderer Anlagen als Gold oder US-Dollar bereitet, eine Garantie können sie jedoch nicht geben.

Venezuela und das Öl

Die Kopplung einer Kryptowährung an einen Rohstoff klingt im ersten Moment überzeugend. Gerade in einem Land, das seit 2013 mit 300 Milliarden Barrel an Erdölreserven das größte Vorkommen der Welt aufweist.

Was im White Paper allerdings nicht dargestellt ist, sind Variablen und Risiken, die mit dieser Abdeckung durch Öl im Zusammenhang stehen. Hier einige Beispiele: So ist Öl zwar ein stark genutzter Rohstoff, hat jedoch seit der Finanzkrise auch um 50 % an Wert verloren. Ebenso ist die Stabilität des Öl-Preises fragwürdig (noch im Jahr 2016 wurde konstatiert, dass Bitcoin stabiler als Gold sei). Auch ist die Lossagung vom US-Dollar durch die Kopplung nicht gänzlich gewährleistet, wird Öl doch nach wie vor in US-Dollar gehandelt. Darüber hinaus fallen auch Faktoren wie Förderkosten ins Gewicht, die in anderen Ländern geringer ausfallen. Daran ketten sich eine Reihe an sozioökonomischen Faktoren, die die erhoffte Stabilität des Petro nicht zwingend garantieren.

Fazit

Wie sich zeigt, wirft das White Paper weitreichende Fragen in technischer, aber auch gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Hinsicht auf. Nichtsdestotrotz hat der ICO für den Petro eine wichtige Signalwirkung. Ob das geplante Vorhaben letztlich funktioniert oder nicht: Zumindest durch den ICO wird Geld in die Wirtschaft Venezuelas fließen. Wie man darüber hinaus im Fall von Simbabwe erkennen kann, sind Kryptowährungen ein wichtiger Ankerpunkt für Krisenländer. Weitere Länder werden mit Sicherheit folgen. Damit werden Impulse für das gesamte Krypto-Ökosystem gesetzt, zeugt es doch von einer um sich greifenden Annahme von Blockchain & Co.

Der Vorverkauf für den Petro läuft vom 20. Februar bis zum 19. März auf der offiziellen Homepage, der Startpreis liegt bei 60 US-Dollar. Während des Initial Coin Offerings sollen frühe Investoren entlohnt werden: Wer früh zuschlägt, bekommt Rabatt.

BTC-ECHO


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