Zentralbank, USA und Kanada erwägen digitales Zentralbankengeld
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USA und Kanada erwägen digitales Zentralbankengeld

Die Zentralbanken Kanadas und der USA planen die Einführung eigener digitaler Währungen. Sie reagieren damit auf ein wachsendes Interesse an digitalen Währungen und wollen den Aufsprung bei dieser Entwicklung nicht verpassen. Dabei verfolgen beide Nationen unterschiedliche Interessen.

Kryptowährungen sind den Banken ein Dorn im Auge, da sie die Finanz-Autorität der Banken untergraben und immer mehr Verbraucher erreichen. Daher wollen die Banken auf den Zug aufspringen, bevor sie eine globale Trendwende verpassen.

Die Bank of Canada und die Federal Reserve Bank of Dallas planen daher jeweils die Einführung eigener digitaler Währungen. Die US-amerikanische und kanadische Zentralbank sehen in den digitalen Währungen großes Potential gegenüber traditionellen Fiatwährungen. Jetzt wollen sie auch ein Stück vom Krypto-Kuchen.

Federal Reserve Bank um Souveränität bemüht

Die Pläne der amerikanischen Zentralbank sind durch die Sorge bedingt, dass der US-Dollar seinen dominanten Status als Reservewährung der Welt verlieren könnte.


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Robert Kaplan, Präsident der Federal Reserve Bank, teilte mit:

Wir haben uns bei der Fed nicht entschieden, eine digitale Währung zu verfolgen oder voranzutreiben, aber es ist etwas, das wir aktiv betrachten und diskutieren.

Kaplan befürchtet, dass die USA höhere Zinskosten erleiden könnten, wenn andere Regierungen alternative Währungen entwickeln. Er sehe daher den Status des US-Dollars in Gefahr, falls attraktivere Währungen entwickelt würden.

Staatsschulden der USA wachsen

Viele ausländische Zentralbanken, Geschäftsbanken und Investoren halten Vermögenswerte in US-Dollar. Die Durchsetzung einer alternativen Währung könnte eine geringere Nachfrage nach US-Assets wie Staatsanleihen bedingen. Dies wiederum würde die Zinsen für die Staatsschulden noch weiter ankurbeln. Bereits jetzt nähern sich die Staatsschulden der USA einem Wert von 23 Billionen US-Dollar.

Insofern warnten der Fed-Vorsitzende Jerome Powell und einige US-Gesetzgeber Anfang des Jahres bereits vor einer Gefährdung des US-Dollars durch Facebooks Libra. Die Sorge war, dass Libra sofort so viel Anklang fände, dass dadurch der US-Dollar zurückgedrängt und das US-Finanzsystem destabilisiert würde.

Doch Facebooks Libra hat einige Rückschläge erlitten. Diverse Unternehmen, die der Kryptowährung ihre Unterstützung zugesagt haben, einschließlich PayPal, MasterCard und Visa haben sich aus dem Facebook-Projekt zurückgezogen.

Kaplan verfolge zwar das schwindende Interesse an Facebooks Libra, jedoch sei es nur eine Frage der Zeit, bis eine Währung mit einer vergleichbaren Reichweite umgesetzt würde: „jemand wird herausfinden, wie man das macht.“

Politische Spannungen führen zum Vertrauensverlust in US-Dollar

Als Präsident der Fed stehe Kaplan permanent im Austausch mit ausländischen Behörden und registriere verschiedene Bemühungen um alternative Währungen:

Die Menschen auf der ganzen Welt arbeiten hart daran, Alternativen zum US-Dollar zu finden, denn je mehr sie in diese Währung investieren, desto anfälliger sind sie für Sanktionen und Zölle.

Das internationale Vertrauen in die Stabilität des US-Dollars bröckelt auch aufgrund andauernder politischer Spannungen. Der US-Handelskrieg mit China hat die Weltwirtschaft belastet und Handelsabkommen mit Mexiko, Kanada und der EU werden neu verhandelt.

Darüber hinaus hat das US-Finanzministerium auch Sanktionen gegen bestimmte Regime verhängt, darunter Iran und Venezuela. Dies alles führt zu einem zunehmenden Vertrauensverlust in den US-Dollar und könnte einzelne Länder dazu bewegen, in alternative Währungen anzulegen.

Bank of Canada an Daten interessiert

Die Bank of Canada erwägt indes ebenfalls die Einführung einer digitalen Währung. Die Zentralbank erhofft sich dadurch mehr Anteile am wachsenden Krypto-Markt und Kontrolle über Informationen der Verbraucher.

Eine interne Präsentation („Central Bank Money. The Next Generation“), die für den Gouverneur der Bank of Canada Stephen Poloz von dessen Berater Stephen Murchison vorbereitet wurde, gibt einen Einblick in die Pläne der Bank.

„Wir müssen innovativ sein, um im Spiel zu bleiben“, heißt es in der Präsentation. Eine digitale Währung biete die Vorteile von Vermögenswerten, die durch die Zentralbank abgesichert seien sowie „den gesamten Komfort und die Sicherheit von elektronischen Zahlungen.“

Sorge der Zentralbank: Bargeld könnte überflüssig werden

Es stehen zwei Optionen für eine digitale Währung im Raum: tokenbasierte und kontenbasierte. Die Pläne der Bank tragen der Befürchtung Rechnung, dass Banknoten zukünftig als Zahlungsmittel überflüssig werden. Dies stelle das gesamte Bankensystem vor Herausforderungen. Denn „es könnte die Zeit kommen, in der Händler und Banken es zu teuer finden, Banknoten zu akzeptieren“, heißt in der Präsentation weiter.

Zentralbanken müssen sich im digitalen Zeitalter behaupten und ihre Stellung sichern. Funktionen, die bislang von Banken abgedeckt werden, könnten durch die ansteigende Nutzung von Kryptowährungen gefährdet sein. Eine Studie der kanadischen Zentralbank vom Juli 2018 ergab, dass bereits fünf Prozent der Kanadier Bitcoin besitzen. Im Vorjahr waren es nur 2,9 Prozent.

Zentralbanken reagieren auf Destabilisierungsgefahr

Die Bestrebungen der USA und Kanadas fußen also auf ähnlichen Befürchtungen: die Destabilisierung des globalen Finanzsystems durch Kryptowährungen. Geht es der Fed jedoch vor allem um die Festigung der Währungsautoriät, macht die kanadische Zentralbank auch ein Interesse an der Datenerfassung von Verbrauchern deutlich. Dabei handele es sich um „persönliche Daten, die nicht an den Zahlungsempfänger weitergegeben werden, sondern an Polizei- oder Steuerbehörden weitergegeben werden könnten“, heißt es in der Präsentation.

Die Zentralbank von Kanada arbeitet bereits mit anderen Zentralbanken an der Entwicklung digitaler Währungen zusammen. Im Mai hat die Bank bekanntgegeben, dass sie in Partnerschaft mit Singapur den weltweit ersten Transfer einer digitalen Währung von einer Zentralbank zur anderen durchgeführt hat.

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