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Twitter: „Satoshis Spenden“ ist das neue „Like“

Quelle: Shutterstock.com

Twitter: „Satoshis Spenden“ ist das neue „Like“

Das Lightning Network wird praktikabler. Eine neue App namens Tippin erlaubt das Spenden auf Knopfdruck via Twitter. Ein wichtiger Schritt in Richtung Alltagstauglichkeit ist damit unternommen.

Jeder kennt es: Man steigt in ein Taxi, es ist bereits spät in der Nacht und es entwickelt sich in dem geschützten Raum des Autos ein seltsam merkwürdiges Gespräch. Nirgends ist diese Situation besser eingefangen, als in dem Film Night on Earth von Jim Jarmusch. Der Taxifahrer wird zum Inbegriff des altertümlichen Twitterers (= Zwitscherer), man taucht ein in eine andere Filterblase und steigt mit neuen Erkenntnissen aus. Die Taxifahrt wird zum gedanklichen Abenteuer. Was aber hat eine Taxifahrt mit Twitter und Bitcoin zu tun?

Problem? Lösung!

Eine der Grundideen hinter Bitcoin bestand darin, die Zahlung auch kleinerer Beträge zu ermöglichen, Bitcoin also als alltägliches Zahlungsmittel zu etablieren. In der ursprünglichen Version zeigten sich aber bald Schwierigkeiten mit diesem Ideal. Zahlungen dauerten zwischen zehn Minuten und einer Stunde und mit steigender Nutzerzahl stiegen die Gebühren. Das Lightning Network versucht dieses Problem zu lösen. Der inzwischen weltbekannte Londoner Taxifahrer Dave Jenkins nutzt dieses Netzwerk bereits. Ein Kunde von ihm bezahlte damit innerhalb von zwei Sekunden und das bei Gebühren von weniger als einem Eurocent.

Die App Tippin

Dass der CEO von Twitter, Jack Dorsey, großes Interesse an Bitcoin hat, wurde zuletzt in Bezug auf die Nummer-Eins-App im Google Play Store in der Kategorie Finanzen namens Cash App bekannt. Die Entwickler der App Tippin haben nun eine Google-Chrome-Erweiterung lanciert. Damit lassen sich, via Twitter, Bitcoin über das Lightning Network versenden. Neben den herkömmlichen Buttons für „Like“ und „Retweet“ erscheint dann ein kleines Lightning-Symbol. Man müsse lediglich mit Google Chrome ins Internet gehen, die Erweiterung installieren und sich bei Twitter anmelden und schon kann es losgehen. Der Entwickler von Tippin, Sergio Abril, dazu:

Meiner Meinung nach wird das Entrichten von Trinkgeldern ungeheure Bedeutung bekommen, jetzt da das Lightning Network ins Rollen kommt. Zum ersten Mal können wir kleine Beträge fast zum Nulltarif versenden, was zudem unglaublich schnell vonstatten geht.

Abril will Tippin auch für andere soziale Netzwerke gangbar machen. Eines der größeren Probleme sei indes die Bindung an einen Vormund, sprich der Nutzer von Tippin hat nicht die vollständige Kontrolle über sein Guthaben. Das liege vor allem an dem damit verbundenen einfacheren Handling der App. Doch auch daran wolle Abril arbeiten, jetzt da die ganze Sache „so langsam größere Wellen schlägt.“

Natürlich befindet sich das Lightning Network nach wie vor in der Betaversion, also bleibt uns auch noch etwas Zeit, bis es in der finalen Version erscheint.

Ansichten eines Taxifahrers

Dave Jenkins, der eingangs erwähnte Taxifahrer, lobpreist ebenfalls das Potential des Lightning Networks. 70 Prozent seiner Kunden bezahlen bargeldlos mit EC- oder Kreditkarte. Dabei entstehen Gebühren in Höhe von 4,25 Prozent, das Lightning Network sei also ein „Riesenfortschritt“. Interessanterweise ist Jenkins gar nicht sonderlich interessiert an Technik. „Ich habe einen Computer, aber ich weiß nicht wirklich, wie der funktioniert“, so Jenkins. Bei Bitcoin und der Dringlichkeit für Alternativen zu Fiat-Geldern macht er jedoch eine Ausnahme. Die sogenannten BIPs, das sind Optimierungsvorschläge für das Bitcoin-System, betet er auswendig vor, als wären sie nationale Manifeste. Er meint die Geldpolitik von Bitcoin sei besser als die der Fiat-Gelder. Jenkins stellt die Fähigkeit der Regierungen in Frage, Geld aus dem Nichts zu erschaffen.

[Fiat-Gelder] sind einfach das, worauf man sich verständigt hat. Ich sehe mir das Pfund oder den Euro an und keine der Währungen leuchtet mir ein. Bitcoin hingegen macht Sinn,

meint er.

Die Moral

Eine Taxifahrt könnte sich also in vielerlei Hinsicht lohnen. Vielleicht steigt man in London bei Dave Jenkins ein und bekommt etwas über Bitcoin gezwitschert, was man danach über Google Chrome auf Twitter posten kann, um anschließend die Fahrt über Trinkgeld in Bitcoin bezahlt zu bekommen. Wenn das mal nicht gut klingt.

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