Corda ist eine Blockchain-Plattform, die friktionslose Transfers ermöglicht. Das Projekt richtet sich vor allem an Business-Kunden, die in komplexen Geschäften Transaktionen durchführen.

Friktion in Transaktionen zwischen Unternehmen

Corda identifiziert die Friktion, die bei Transaktionen zwischen verschiedenen Unternehmen auftritt, als schwerwiegendes Problem, dass den Handel und die Durchführung von Geschäftsprozessen hemmt. Oft treten Inkonsistenzen beim Datenaustausch auf, die manuell behoben werden müssen und zu zusätzlichem Aufwand und Zeitverzögerungen führen.

Die Ursache für diese Probleme liegt laut Corda in der Tatsache, dass der Informationsaustausch über Intermediäre stattfindet. Deshalb möchte das Projekt für eine einheitliche Infrastruktur sorgen, die es Unternehmen ermöglicht, in Form eines Peer-to-Peer Verkehrs direkt miteinander zu kommunizieren, ohne auf viele Umwege über Intermediäre zurückgreifen zu müssen. Es soll sichergestellt werden, dass beide Unternehmen in einer Transaktion die selbe Datensicht haben. Dieses elementare Prinzip nennt das Projekt:

„Ich weiß, dass du siehst, was ich sehe“

Wie aber kann man dieses Prinzip technisch abbilden?

Um zu garantieren, dass alle an einer Transaktion beteiligten Unternehmen exakt die selben Daten zu sehen bekommen, baut Corda auf verschiedenen Distributed Ledger Technologien mit Smart-Contracts auf.

Wichtig ist, dass das Projekt sich auf Unternehmen konzentriert und keinen Konsens-Algorithmus nutzt, der auf Mining basiert. Ebenso gibt es keine Kryptowährung, die fest zur Plattform gehört.

Des Weiteren soll der Transfer direkt erfolgen, also von Business zu Business. Die Transaktionen müssen nicht zwingend global veröffentlicht werden.

Privatsphäre: Besondere Anforderungen im Enterprise-Kontext

Anders als bei Bitcoin-Transaktionen, die pseudonym stattfinden, ist es im Kontext von Geschäftsprozessen oft wichtig, die Privatsphäre zu wahren. Im Bitcoin-Netzwerk ist jede Transaktion von jedem Teilnehmer einsehbar. Zwar ist nicht immer unmittelbar ersichtlich, wer hinter den kryptischen Bitcoin-Adressen steckt. Ließe sich dies aber einmal herausfinden, wären alle Informationen über eine mit dieser Adresse verbundenen Person offensichtlich.

Da bei Geschäften zwischen verschiedenen Unternehmen besonders sensible Daten ausgetauscht werden, besteht dort eine erhöhte Anforderung zum Schutz der Privatsphäre. Ein Grund dafür, dass Corda – wie oben beschrieben – Transaktionen nicht im gesamten Netzwerk verbreitet, sondern sie nur zwischen involvierten Parteien austauscht:

Der Corda Vault

Transaktionen werden zum Schutz der Privatsphäre im sogenannten Corda Vault, den man als Tresor verstehen kann, gespeichert. Es wird angenommen, dass im Vault gespeicherte Informationen korrekt sind – sie müssen also nicht durch eine spezielle Autorität validiert werden, wenn sie erst einmal darin gespeichert sind.

Der Konsens im Corda-Netzwerk

Interessant ist die Frage, wie Corda garantiert, dass durchgeführte Transaktionen korrekt und valide sind – wenn die Informationen doch nicht global veröffentlicht werden und sich von jedem Netzwerk-Teilnehmer überprüfen lassen.

Die Aufgabe der Validierung löst Corda per „Consensus as a Service“ Prinzip. In einer Transaktion zwischen Partei A und B existiert dazu eine Art Konsens-Partei, die die Korrektheit der Transaktion garantiert. Dieses sogenannte „Notary Cluster“ kann eine Gruppe von Servern sein, die die Einmaligkeit der Transaktion prüft. Schließlich soll verhindert werden, dass es zur Mehrfach-Ausführung von Transaktionen kommt (ähnlich zum Double-Spending Problem von Bitcoin).

Ein wesentlicher Unterschied bspw. zu Bitcoin oder Ethereum ist, dass bei Corda ein eher generalistischer Konses-Algorithmus eingesetzt wird. Das „Notary Cluster“ ist eine generische Partei – wie genau der Konsens garantiert wird, ist nicht fest definiert. Somit können Netzwerk-Teilnehmer selbst wählen, auf welchem Prinzip dieser Mechanismus basiert und ihn jederzeit ändern.

Die Interoperabilität von Corda

Corda erlaubt es Smart-Contracts, miteinander zu interagieren. Damit ist es möglich, dass bei einer Transaktion zwischen Unternehmen A und B mehrere Folgeprozesse ausgelöst werden. Die Atomizität der Transaktionen garantiert, dass Transaktionen vollständig ausgeführt werden. Wenn eine Transaktion also aus der Bezahlung von A an B und der Lieferung einer Ware von B an A besteht, muss garantiert werden, dass beide Prozesse stattfinden. Findet nur die Zahlung statt, aber die Lieferung nicht, so ist die Transaktion ungültig.

Es ist möglich, auf sogenannte Orakel zurückzugreifen. Das sind Parteien, die bestimmte Informationen bereitstellen, die sich verifizieren lassen. Beispielsweise kann ein solches Orakel Informationen über Leitzinsen liefern, damit Smart-Contracts diese für Geschäftsprozesse berücksichtigen können.

Die Anwendung und Use-Cases von Corda

Im Whitepaper des Projekts werden sechs übergreifende Use-Cases der Technologie angeführt. Diese lassen sich klassifizieren unter:

  • Finance
  • Supply-Chain
  • Trade-Finance
  • Insurance
  • HealthCare
  • Government

Quellen: Corda Solution Guide