Studie: Alibaba reicht dieses Jahr 10 mal mehr Blockchain-Patente ein als IBM

Anton Livshits

von Anton Livshits

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Anton Livshits

Anton Livshits absolviert ein Masterstudium der Kulturwissenschaften an der Universität Leipzig. Seine Beschäftigung mit Krypto-Themen ist das Resultat eines grundlegenden Interesses am Wechselspiel von technischer Innovation und gesellschaftlichem Wandel.

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Für Skeptiker mag der Glaube an eine umfassende Ausbreitung der Blockhain-Technologie auch im Jahr 2020 bloßes Wunschdenken sein. Eine Studie zu Blockchain-Patenten untermauert das Narrativ über den Siegeszug von Distributed Ledger unterdessen mit stichhaltigen Belegen: Man könne mit Zuversicht feststellen, dass Blockchain überall zu finden ist und „schnell an Fahrt gewinnt.“

Anträge auf Blockchain–Patente haben im Jahr 2020 neue Mengenrekorde gesetzt. So will es eine Studie der Consultig-Firma Kisspatents.  An der Speerspitze der Entwicklung stehen die IT-Großkonzerne IBM und Alibaba.


Die Analysten von Kisspatents teilten ihre Ergebnisse vor kurzem mit der Öffentlichkeit. Obwohl Unternehmen 2019 im Vergleich zum Vorjahr die dreifache Menge an Blockchain–Patenten eingereicht hatten, verdoppelte sich diese Zahl allein in der ersten Jahreshälfte von 2020. Alibaba reichte dabei zehnmal so viele Patente ein wie IBM. Bei der Gesamtzahl der angemeldeten Patente bleibt IBM fürs erste dennoch auf Platz eins. Behält Alibaba bei der Patentanmeldung aber das aktuelle Tempo bei, könnte es sich noch bis zum Jahresende an die Spitze setzen.   

FinTech-Anwendungen überwiegen

Für ihre Studie wertete das Kisspatents-Team nur veröffentlichte Patentanträge aus, die in den USA eingereicht wurden. Die Patente decken eine Bandbreite an Anwendungsfällen ab.

Die Hälfte aller Blockchain–Patente zielt so auf den FinTech-Sektor. Der Fokus liegt hier auf den Ökosystemen von Kryptowährungen und Bitcoin-Börsen. Dahinter stehen Patente für die Abwicklung von Geschäftsprozessen über Distributed Ledger. Diese Kategorie umfasst ein Zehntel aller eingereichten Anträge. Von Relevanz sind weiterhin Anwendungsfälle im traditionellen Bankgeschäft und dem Gesundheitswesen.

Die mit Abstand meisten Blockchain–Patente stammen aus den USA. Den zweiten Platz nehmen die Cayman-Inseln ein. Eine Alibaba-Tochter, die mit der Verwaltung ihrer DLT-Patente betraut ist, hat dort ihren Firmensitz. Verwunderlich an den Kisspatents-Daten ist hingegen die vergleichsweise geringe Menge an chinesischen Patentanträgen. Dies deckt sich nicht mit anderen Studien zu dem Thema.

Kisspatents selbst weist auf methodische Schwierigkeiten hin, die bei der Erforschung von Blockchain–Patenten auftreten. Suchanfragen brächten danach oftmals Anträge hervor, in denen zwar von „Blockchain“  und „DLT“ die Rede sei, ohne dass es sich dabei um ein tatsächlich Blockchain–Patent handelte. Um diese Mängel auszugleichen, griff Kisspatents auf die komplexere Methode des Natural Language Processings zurück. Die Studienergebnisse scheinen bislang allerdings nicht von unabhängigen Wissenschaftlern bestätigt worden zu sein. Ein gesundes Maß an Skepsis ist im Umgang mit den Daten folglich angebracht.

Blockchain-Patente und das Krypto-Ethos

Interessant ist laut der Studie ebenfalls, dass ein Großteil der Patentanträge nicht etwa von spezialisierten Blockchain–Unternehmen stammt, sondern von Konzernen aus der Fortune500-Liste. Dr. D’vorah Graeser, CEO von Kisspatents, nahm dies zum Anlass um auf unterschiedliche Haltungen zum Thema des geistigen Eigentums in der Branche hinzuweisen.

Große Unternehmen würden laut Graeser „alles in ihren Händen Stehende tun, um ihre Innovationen zu schützen und zu monetarisieren.“ Dies schneidet sich mit der Perspektive des Ethereum-Gründers  Vitalik Buterin und weiter Teile der Krypto-Community. Im Geiste der Dezentralität lehnt diese Besitzansprüche auf Blockchain-Neuerungen oftmals ab.

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