Stille Wende 

Ethereum schlägt Bitcoin: Beginnt jetzt die stille Wende?

Neuer Schwung für Ethereum. Glamsterdam-Upgrade und neue ETF-Zuflüsse sende positive Signale und Ethereum zeigt erstmals seit längerer Zeit relative Stärke gegenüber Bitcoin. Reicht das für die Trendwende?

Jan-Malte Minnerup
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Eine Ethereum-Münze vor einem nach oben gerichteten Kurschart

Beitragsbild: Shutterstock

| Ethereum mit Outperformance gegenüber Bitcoin.

Lange war es ruhig um die Ethereum Foundation. Das könnte sich jetzt aber ändern. Über die letzten Jahre verlor Ether an relativer Stärke gegenüber Bitcoin und ein zunehmender Teil der Aktivität verlagerte sich auf Layer-2-Netzwerke. Zuletzt vermehrten sich aber die Hinweise, dass es unter der Oberfläche zu brodeln beginnt. Das institutionelle Interesse kehrt zurück und die Zuflüsse in die Spot-ETFs haben seit ein paar Wochen wieder stärker zugenommen. Außerdem erreichte der ETH/BTC-Chart kürzlich ein Drei-Monats-Hoch, was eine Outperformance gegenüber Bitcoin bedeutet. Darüber hinaus soll das für die zweite Jahreshälfte geplante Glamsterdam-Upgrade die Kapazität der Ethereum-L1 auf einmal deutlich erhöhen. Ist jetzt der Weg frei für eine Aufwertung des Ethereum-Kurses?

Ethereum-ETFs schlagen Bitcoin

In den letzten drei Juliwochen verzeichneten die US-Spot-ETFs auf Ethereum jeweils höhere Nettozuflüsse als die Bitcoin-Produkte. Eine vergleichbare Serie der Outperformance, bei der die Ether-Fonds zugleich in jeder Woche neues Kapital anzogen, hatte es zuletzt im August 2025 gegeben. Damals stand der Kurs noch bei über 4.000 US-Dollar. In der Zwischenzeit gab es zwar immer wieder Phasen der relativen Outperformance, bei diesen flossen jedoch aus beiden Assets Gelder ab. Die aktuelle Entwicklung ist daher deutlich positiver zu bewerten.

Ethereum mit vier-Mal mehr ETF-Inflows als Bitcoin innerhalb von drei Wochen I Eigene Darstellung

Allein in der Woche vom 13. bis 17. Juli flossen 105,5 Millionen US-Dollar in die Ethereum-ETFs. Nach drei Monaten ist es der erste dreistellige Wochenzufluss und die darauffolgende Woche verlief mit 103,8 Millionen US-Dollar an Nettozuflüssen nicht weniger erfolgreich. Bitcoin konnte dagegen im gleichen Zeitraum lediglich etwas über 75 Millionen beziehungsweise knapp 34 Millionen US-Dollar einsammeln. Noch deutlicher wird die Outperformance, wenn man die letzte Juliwoche mit in die Betrachtung aufnimmt. Hier verloren die Bitcoin-Produkte 61,5 Millionen US-Dollar und es blieben lediglich knapp 48 Millionen US-Dollar Nettozuflüsse über die drei Wochen hinweg übrig. Die Ether-ETFs verzeichneten hingegen auch in der dritten Woche Zuflüsse von 10 Millionen US-Dollar und konnten so innerhalb von drei Wochen mehr als viermal so viele Gelder einsammeln wie Bitcoin.

ETH/BTC verlässt zumindest kurzfristig den Keller

Die Verschiebung bei den ETF-Inflows spiegelt sich teilweise auch am Markt wieder. Ende Juli stieg das ETH/BTC-Verhältnis kurzzeitig über die Marke von 0,03 Bitcoin je Ether und erreicht damit den höchsten Stand seit drei Monaten. Der folgende schnelle Rücksetzer zurück in die Region von 0,0294 zeigt die Fragilität dieser Bewegung. Auf Monatssicht kann Ethereum gegenüber Bitcoin dennoch ein Plus von etwa zehn Prozent vorweisen.

ETH dreht gegenüber Bitcoin und mit steht auf Drei-Monats-Hoch I Tradingview

Für eine langfristige Trendwende ist das bisher aber noch zu wenig. Als Bitcoin und Ethereum im November 2021 ihre damaligen Rekordstände erreichten, lag das ETH/BTC-Verhältnis bei einem Kurs von ungefähr 0,08. Seitdem ist der Kurs in einem mehrjährigen Abwärtstrend gefangen mit einem Erholungsversuch im September 2025 zurück auf die Region von 0,043 BTC je ETH. Wenige Monate zuvor im April 2025 war der bisherige Tiefpunkt von ungefähr 0,018 BTC je ETH erreicht worden. Der neuerliche Anstieg könnte bei einem Bruch der letzten Erholungsbewegung somit erstmals seit fünf Jahren wieder einen kurzfristigen Aufwärtstrend auslösen.

Staking erreicht die Wall Street

Hinter der jüngst zurückgewonnenen relativen Stärke von Ethereum könnte mehr stecken als eine kurzfristige Rotation zwischen zwei Krypto-Assets. Auch die Struktur der verfügbaren Ether-Produkte hat sich verändert. Die erste Generation der US-Spot-ETFs bildete lediglich die Kursentwicklung von Ethereum ab. Seit diesem Jahr gelangen aber zunehmend Finanzprodukte mit Staking-Funktionen an den traditionellen Kapitalmarkt. Der größte Vermögensverwalter der Welt BlackRock hat am 18. Februar mit ETHB einen eigenen Staking-ETF gestartet.

Das Produkt soll neben der Kursentwicklung auch die Belohnungen aus dem Staking abbilden. Die ausgewiesene Staking-Reward-Rate der vergangenen 30 Tage lag bei 1,7 Prozent und scheint bei den institutionellen Anlegern gut anzukommen. Zum Handelsstart war der ETHB-Fonds mit 100 Millionen US-Dollar ausgestattet worden. Bis Ende Juli wuchs das Nettovermögen auf 582 Millionen US-Dollar, was einem Anstieg von mehr als 480 Prozent in gut sechs Monaten entspricht. Neben weiteren Mittelzuflüssen trug allerdings auch die Kursentwicklung von Ether dazu bei. Die neuen Finanzprodukte helfen Ethereum jedenfalls, sich stärker von Bitcoin abzugrenzen.

Glamsterdam bringt die Skalierung zurück auf die L1

Gleichzeitig soll mit Glamsterdam in der zweiten Jahreshälfte 2026 einer der größten technischen Schritte seit dem Merge vollzogen werden. In den letzten Jahren waren immer mehr Chain-Aktivitäten auf Layer-2-Netzwerke wie Arbitrum oder Base gewechselt. Dem will die zweitgrößte Kryptowährung der Welt jetzt eine größere Kapazität des eigenen Mainnets entgegensetzen. Das Upgrade soll die Voraussetzungen schaffen, um das derzeitige Gaslimit von 60 Millionen Gas je Block auf künftig 200 Millionen anzuheben.

Neben der höheren L1-Kapazität arbeitet Ethereum parallel daran, mehr Blob-Daten für Rollups bei Layer-2-Aktivitäten bereitzustellen. Zudem sollen die Kosten für dauerhaft gespeicherte Daten neu berechnet werden. Schließlich galten bestimmte Vorgänge gemessen an ihrem Speicherbedarf aktuell als vergleichsweise günstig. Glamsterdam soll die Gebühren stärker an die tatsächlich erzeugten Datenmengen ausrichten und das jährliche Wachstum des Ethereum-Zustandes auf ein für normale Hardware tragbares Niveau begrenzen, damit auch kleinere Node-Betreiber diesen dauerhaft speichern können.

Ein besseres Netzwerk macht ETH nicht automatisch wertvoller

Für Ethereum als Plattform wäre das ein großer Fortschritt. Durch das Update könnten zukünftig mehr Anwendungen und Nutzer direkt auf dem Mainnet aktiv werden, ohne dass sofort Gebühren wie in den Boomjahren 2021 bis 2023 entstehen. Für den wirtschaftlichen Wert von ETH ist eine höhere Netzwerkkapazität aber nicht automatisch positiv. Eine höhere Verfügbarkeit an Blockspace bei gleichbleibender Nachfrage würde sinkende Transaktionsgebühren und einen geringeren Burn zur Folge haben. Damit die wirtschaftliche Aktivität des Netzwerkes durch das Update gestärkt wird, braucht es eine höhere Nutzung und mehr Aktivität im Ethereum-Mainnet. Die vergangenen Wochen liefern dennoch erstmals seit Längerem positive Anzeichen für eine relative Erholung gegenüber Bitcoin.

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