Parlamentswahlen in Quebec – Neues Leben für kanadische Miner?

David Barkhausen

von David Barkhausen

Am · Lesezeit: 4 Minuten

David Barkhausen

David Barkhausen hat als freier Journalist bereits für mehrere Tageszeitungen, Funk, Fernsehen und nebenbei seinen eigenen Blog geschrieben. Seit 2017 widmet sich der Master-Student der Politikwissenschaften der Universität Heidelberg dem Themenkomplex Blockchain. In diesem Zusammenhang fokussiert er sich vor allem auf die Bereiche Regulierung, Gesellschaft und Wirtschaftspolitik.

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Quelle: shutterstock

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An diesem Montag, dem 1. Oktober, wählen die Bürger der kanadischen Provinz Quebec ein neues Parlament. Prognosen zufolge könnte dabei die liberale Partei PLQ als stärkste Kraft abgelöst werden. Diese hatte zuletzt durch Beschränkungen des Strommarktes für Aufsehen gesorgt und dabei besonders Bitcoin-Minern das Leben schwer gemacht. Sollte die konkurrierende Coalition Avenir Québec (CAQ) das Ruder der Regierung übernehmen, könnte dies eine neue Chance für die kanadische Schürf-Industrie mit sich bringen. Das Schicksal der kanadischen Miner könnte sich an der Wahlurne entscheiden.
Update – 02.10.2018

Update – 02.10.2018

Mit überraschend starker Mehrheit von 37,4 Prozent und damit einem unerwarteten Rechtsruck konnte die CAQ die Wahl für sich entscheiden. Damit kommt der Partei die alleinige Regierungsverantwortung in der Provinz zu, welche wie alle kanadischen Gliedstaaten das britische Westminster-System in der Parlamentsordnung vorschreibt. Mit einem historisch niedrigen Wahlergebnis von knapp 25 Prozent übernimmt die bisher regierende PLQ als zweitstärkste Kraft die Rolle der Oppositionsführung.

Die Wahl von CAQ-Parteichef Francois Legault als neuer Premierminister ist damit sicher. Ob er die unternehmerfreundliche Haltung seines Wahlkampfes auch gegenüber Blockchain- und Mining-Unternehmen kenntlich machen wird, bleibt abzuwarten, gilt jedoch als wahrscheinlich.

Das Bitcoin-El-Dorado in Quebec ist tot – zu keinem anderen Schluss kam die kanadische Krypto-Szene in diesem Sommer. Der Auslöser: Die regierende Partei PLQ hatte aus Angst vor Überlastungen im Stromnetz – so die offizielle Haltung – energieintensiven Unternehmen buchstäblich den Stecker gezogen und der bis dato boomenden Bitcoin-Mining-Industrie einen Riegel vorgeschoben. Investoren und Unternehmen packten die Zelte.


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Mit der heutigen Wahl jedoch könnte sich das Blatt für die franco-kanadischen Schürfer jedoch wenden. Denn Prognosen zufolge könnte die PLQ in dieser Woche aus der Regierungsverantwortung abgelöst werden. Gute Chancen, das Ruder zu übernehmen, hat die investitionsfreundliche Mitte-Rechts-Partei CAQ. Prognosen zufolge liegen beide Kontrahenten gleich auf. In den Vorwahlen konnte die CAQ sogar einen kleinen Vorsprung verzeichnen.

Unternehmerfreundliche CAQ will PLQ ablösen

Im Gegensatz zu den Liberalen gilt die CAQ als krypto-freundliche Partei. Zwar ist derzeit noch keine offizielle Haltung gegenüber der Mining-Industrie bekannt, dennoch bestimmt eine unternehmerfreundliche Marschrichtung für die industriell schwächelnde Provinz das Wahlprogramm der CAQ.

So prognostiziert der Montrealer Journalist François Remy gegenüber Forbes:

„Die [liberale] Regierung wird die Wahlen verlieren. Die anderen Parteien wie die Parti Québécois und die CAQ scheinen offener gegenüber Blockchain[-Themen]. Sie wollen Unternehmen anlocken, sie unterstützen sowie die günstigen Strompreise und das kühle Klima als Wettbewerbsvorteil für die Wirtschaft von Quebec nutzen.“

Ortsansässige Blockchain-Firmen fühlen sich bestätigt. Sie wollen die Chance, nordamerikanischer Blockchain-Hub zu werden, nicht an sich vorbeiziehen sehen.

Die Hintergründe: Das versinkende Bitcoin-El-Dorado

Entsprechende Hoffnungen waren Ende des vergangenen Jahres 2017 laut geworden. Nachdem die chinesischen Behörden gegenüber der Schürfindustrie des Landes mit harten Bandagen vorgegangen war, beförderte dies einen Exodus der Miner ins Ausland. Unter den Zielen der Auswanderer: die franco-kanadische Provinz.

Ähnlich wie derzeit die skandinavischen Länder, lockte Quebec Miner mit günstigem Hydrostrom, kühlem Wetter, leerstehenden Industrieflächen und nicht zuletzt politischer Stabilität.

Letztere brach jedoch, zumindest im Buch der Schürfer, in diesem Sommer jäh ein. Nachdem dem ortsansässigen Energiedienstleister Hydro-Quebec bereit im Januar offenbar wurde, eventuell nicht alle Anschlussanfragen bedienen zu können, setzte auch die Politik neuen Kurs.

Im Juni verkündete Energieminister Pierre Moreau ein Moratorium für alle neuen Mining-Projekte. Die offizielle Begründung: eine mögliche Überlastung des Stromnetzes.

Eingriffe in den Strommarkt: Überlastung oder politisches Kalkül?

Spekulationen zufolge soll es sich dabei jedoch um politische Beweggründe handeln – denn die Zuwanderung der Miner dürfte mittelfristig vor allem die Marktpreise treiben – zum Leidwesen der Wähler.

Alle bereits ansässigen Miner wurden mit ihrem Strombedarf an die für die Elektrotarife zuständige Régie de l’énergie verwiesen. Seit jeher müssen Unternehmen die Zugänge zum Stromnetz ersteigern.

Krypto-Miner sehen darin vor allem Vetternwirtschaft und den scheiternden Versuch, den wirtschaftlichen Wandel in der Provinz zu lenken.

So bestehe sowohl in der Blockchain-Community als auch unter Hydro-Quebec-Insidern breite Übereinkunft in der Einschätzung, dass der Eingriff in den Strommarkt „einzig politischer Direktive der liberalen Regierung“ gefolgt sei, so Jonathan Hamel der Montrealer Académie Bitcoin gegenüber Forbes.

Dennoch ebbt das Interesse der Branche in die Region derzeit nicht gänzlich ab. Dokumenten des jüngsten Börsengangs zufolge, soll etwa der Branchenriese Bitmain weiter über eine Niederlassung in der Provinz nachdenken.

Denn die Hoffnungen auf Öffnung sind nicht ganz versunken. Mit einem Wahlsieg der CAQ könnten sie bereits in dieser Woche Gestalt annehmen.

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