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Zweifelhafte Petition Zweifelhafte Methoden: Greenpeace und Ripple gegen Bitcoin

Ripple-Gründer Chris Larsen ist kein Freund von Bitcoin. Eine von ihm mit initiierte Petition von Greenpeace USA möchte nun bewirken, dass der BTC-Konsensmechanismus von Proof-of-Work zu Proof-of-Stake wechselt. Wie mit fadenscheinigen Argumenten Stimmung gegen das fundamentale Wertversprechen von Bitcoin gemacht wird und warum die Petition ein Weckruf für die Krypto-Industrie sein sollte.

Sven Wagenknecht
 |  Lesezeit: 6 Minuten
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Greenpeace-Aktivistin

Beitragsbild: Shutterstock

Mit der Kampagne “Change the Code, not the Climate” hat die Umweltorganisation Greenpeace USA eine Petition gestartet, die dafür sorgen soll, dass Bitcoin seinen Konsensmechanismus von Proof of Work (PoW) zu Proof of Stake (PoS) wechselt. Man möchte mit der Petition die Stakeholder im Finanz- und Krypto-Ökosystem erreichen, dass sie sich für Proof of Stake einsetzen. Schließlich, so Greenpeace, sei das energieintensive Bitcoin Mining (PoW) mit für den Klimawandel verantwortlich. Angesichts der Erderwärmung wäre es entsprechend nicht mehr zu rechtfertigen, weiter BTC-Mining-Operationen zu betreiben.

Zumal es laut Greenpeace nur ein Stück Code sei, den man mal eben ändern könnte, wenn sich die 30 wichtigsten Akteure aus Mining, Börsen und Bitcoin Core Development dazu entschließen würden. Dass dies in er Praxis nicht so einfach wäre, lässt man lieber weg. Denn letztlich müssten auch die Full Nodes bereit sein, das neue Protokoll zu betreiben. Und davon gibt es nicht 30, sondern eher um die 15.000, die auf der ganzen Welt verteilt sind.

Greenpeace und Newsletter-Marketing

Das Greenpeace-Motto “Change the Code, not the Climate” ist vor allem ein geniales Marketing-Tool. So fällt der Blick verständlicherweise auf das Feld, in dem man seine E-Mail eintragen soll, um die Petition zu unterstützen. Darunter steht dann aber auch im Kleingedruckten geschrieben, dass man weiterhin E-Mails von Greenpeace USA und der Environmental Working Group erhält.

Es scheint, als hätte man sich das klassische Newsletter-Marketing zu eigen gemacht, um mithilfe eines populären Themas, das polarisiert, neue zahlende Greenpeace-Unterstützer zu generieren. Auch wenn an Newsletter-Marketing nichts verwerflich ist, sollte einem dies noch einmal vor Augen führen, dass Greenpeace auch Aufmerksamkeit auf die Themen lenkt, mit denen sich am meisten Geld verdienen lässt, um den teuren NGO-Apparat am Leben zu erhalten.

Ripple-Gründer zahlt fünf Millionen US-Dollar

Doch selbst, wenn nicht so viele neue Mitglieder wie erhofft dadurch Greenpeace beitreten, hat sich die Petition bereits gelohnt. So hat Ripple-Gründer Chris Larsen bereits fünf Millionen US-Dollar für die Kampagne gezahlt, wie das Wall Street Journal berichtete. Leicht verdientes Geld für Greenpeace USA.

Dass Ripple-Gründer Larsen logischerweise einen Interessenskonflikt besitzt und alles unternimmt, um gegen Bitcoin zu schießen, scheint man bei Greenpeace USA lieber auszublenden. Wer weiß, vielleicht hatte Larsen auch direkt die passenden Inhalte respektive Argumentationsleitfäden für die Petition mitgeliefert. Wie dem auch sei, ein Beigeschmack bleibt.

Vier “Fakten”, warum PoW bei Bitcoin Unsinn ist

Um Unterstützer für die Petition zu gewinnen, listet Greenpeace vier Fakten zu Bitcoin auf. Diese sollen beweisen, wie schädlich die Kryptowährung unter dem jetzigen Konsensmechanismus ist.

1. Bitcoin verbraucht so viel Strom wie Schweden

Wenn das erste Argument mit einem Vergleich des Stromverbrauchs von Bitcoin gegenüber einzelnen Nationen anfängt, dann ist dies bereits ein relativ sicheres Zeichen dafür, dass man keine wirklichen Argumente besitzt. Netflix schauen, Elektrogeräte im Standby-Modus, Weihnachtsbeleuchtung: alles verbraucht viel Strom und das meiste davon auch mehr als Bitcoin. Das Einzige, worauf dieser Vergleich abzielt, ist die Aussage: Bitcoin ist es nicht wert, dass dafür Strom aufgewendet wird.

2. BTC allein könnte unseren Planeten um über 2 Grad aufheizen

Ganz einfach: Nein. Die Studie von Nature Climate Change, auf die man sich bezieht, stammt aus dem Jahr 2018 und wurde längst mehrfach aufgrund mangelnder Plausibilität und Fehlern widerlegt. Gemessen am weltweiten CO₂-Ausstoß trägt Bitcoin gegenwärtig gerade einmal 0,08 Prozent bei.

3. Bitcoin verbraucht fossile Energieträger

Weltweit gibt es keine Nation noch eine einzelne Industrie mit einer besseren Bilanz als Bitcoin, was regenerative Energien anbelangt. Bitcoin kann sogar helfen, den CO₂-Ausstoß bei fossilen Energieträgern zu reduzieren, indem beispielsweise Mining-Anlagen überschüssiges Gas beim Fracking nutzen, damit dieses nicht verbrannt werden muss. Zumal viele Bitcoin-Mining-Gesellschaften neue regenerative Energiequellen erschließen, von denen alle profitieren. Auch zur Steuerung von Energienetzen können Bitcoin-Mining-Anlagen einen wichtigen Teil beitragen, um Spitzen im System abzubauen. Dass es vereinzelt schwarze Schafe unter Bitcoin Minern gibt, die auf Kohlestrom setzen, ist ein Problem. Allerdings dürfte sich deren Anteil weiter reduzieren. Schließlich sind Investoren inzwischen dazu gezwungen, immer stärker auf ESG-Kriterien zu achten.

4. Eine Änderung im Code würde den Stromverbrauch von Bitcoin um 99,9 Prozent senken

Die Aussage suggeriert, als sei der hohe Stromverbrauch ein Fehler oder unbeabsichtigt. Doch genau das Gegenteil ist der Fall, Bitcoin ist derart dezentral und sicher, weil es viel Strom verbraucht. Im Gegensatz zu Smart-Contract-Protokollen, bei denen Proof of Stake auch in den meisten Fällen Sinn ergibt, ist dies bei Bitcoin eben nicht der Fall. Bitcoin muss nicht skalieren oder besonders anpassungsfähig sein. Eine Umstellung auf Proof of Stake würde die beiden Säulen von Bitcoin, nämlich Dezentralität und Sicherheit, deutlich abschwächen und damit das Wertversprechen von Bitcoin unterminieren.

Greenpeace offenbart einen Schwachpunkt in der Krypto-Branche

Die auf der Petitions-Homepage dargestellten Argumente sollen nicht informieren, sondern die Verwunderung der potenziellen Neumitglieder wecken. Mit ein paar einfachen Floskeln und dem gezielten Weglassen von Einordnungen versucht man eine sehr simple und aggressive Kampagne zu fahren, die dem Geldgeber, ergo Ripple CEO Larsen, gefällt.

Sehr wohl zeigt sich bei derartigen Anti-Bitcoin-Kampagnen ein Schwachpunkt der dezentralen Ökonomie: Es fehlt an einer schlagkräftigen Bitcoin-Lobby. Anstatt wie in andere Branchen üblich, investieren große Krypto-Dienstleister wie Crypto.com, Coinbase, FTX etc. lieber hunderte Millionen in das Sponsoring von Sportereignissen, anstatt eine kompetente Public-Affairs-Abteilung aufzubauen. Die aktuelle Regulierungswelle sollte ein Weckruf sein, die politische Kommunikation nicht zu ignorieren. Ein Werbespot beim Super Bowl in den USA weniger und man hätte ein mehrköpfiges Team von Profi-Lobbyisten für lange Zeit durchfinanziert.

Wer mehr über die politische Arbeit von Bitcoin-Gegnern erfahren möchte, bekommt spannende Hintergründe in unserem aktuellen BTC-ECHO-Magazin geliefert.

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