Die größten Hürden Warum Worldcoin scheitern könnte

Gigantische Ambitionen, viele offene Fragen: Das sind die vier größten Risiken für den Erfolg von Worldcoin.

Giacomo Maihofer
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Worldcoin

Beitragsbild: Picture Alliance

| Ein junger Mann lässt sich für Worldcoin die Iris scannen

Monatelanger Hype, ein fulminanter Launch: Die ganze Kryptowelt redet über Worldcoin, das ambitionierte Projekt von Alex Blania und dem ChatGPT-Gründer, Sam Altman. Seit Montag, dem 24. Juli 2023, handelt der Token auf Märkten wie Binancemit einem Plus von über 50 Prozent. Und alle streiten sich: Ist das eine revolutionäre Utopie oder Sci-Fi-Horror à la Bladerunner? Angesichts der gigantischen Ambitionen des Projekts stellt sich auch eine andere Frage: Ist so etwas wie Worldcoin überhaupt realisierbar?

Die Vision: wild, faszinierend, beängstigend. Eine App für alles. Bezahlen mit Krypto – ohne Gebühren. Ein digitaler Identitätsausweis – ohne persönliche Angaben. Und sogar: ein bedingungsloses Grundeinkommen. Der Haken: Nutzer müssen ihre Iris scannen lassen. Stationen dafür mit sogenannten “Orbs” sind weltweit verteilt, auch in Berlin. Aus dem Scan wird ein Hash generiert, der als Ausweis dient: Proof of Personhood. Die biometrischen Daten werden auf Wunsch wieder gelöscht.

Oft wird Worldcoin als Antwort auf die Herausforderungen der KI-Revolution geframet: Wenn überzeugende und intelligente Bots das Internet fluten, braucht es einen Ausweis der Menschlichkeit. Das bedingungslose Grundeinkommen soll den durch KI neu geschaffenen Wohlstand fair verteilen. Gegenüber Coindesk verspricht Sam Altman: “Mehr individuelle Autonomie und Handlungsfähigkeit. Mehr Zeit. Mehr Ressourcen, um Dinge zu tun.” Und eine “ganz andere und viel aufregendere Welt.”

Gewaltige Ambitionen, viele offene Fragen – und schwere Hürden. Das sind einige der größten Risiken für Worldcoin.

1. Nicht genug Nutzer

Der Erfolg von Worldcoin steht und fällt – mit den Nutzern. Die Iris von Milliarden von Menschen scannen: Wie soll das gehen? Der Orb muss überallhin transportiert werden, auch in entlegene Regionen. Die Angst vor dem Iris-Scan dürfte bei den meisten Menschen groß sein. Wie will man sie überwinden? Wie macht man die Beziehung zwischen Künstlicher Intelligenz, einem bedingungslosen Grundeinkommen und Kryptowährungen für jeden verständlich? Außerdem: Die World ID muss von großen Internetdiensten unterstützt werden, ansonsten gibt es kaum einen Anreiz, die App zu nutzen – neben dem Token.

2. Die Tokeneconomics versagen

Ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle? Acht Milliarden Menschen gibt es – und nur zehn Milliarden Worldcoins. Davon sollen 75 Prozent an die Gemeinschaft verteilt werden. Jede Woche einer pro Person. Schon jetzt erreicht man damit eine vollständig verwässerte Marktkapitalisierung von 25 Milliarden US-Dollar, fast so viel wie Ripple. Man müsste die Umlaufmenge von Worldcoin drastisch erhöhen, um so ein System auf Dauer zu gewährleisten. Das würde den Wert der Tokens gleichzeitig senken.

3. Hacks und Vertrauensverluste

Bereits vor Launch gab es einen MIT-Bericht, der das Vertrauen in Worldcoin erschütterte. Angeblich soll man mit fragwürdigen Methoden in Schwellenländern Nutzer rekrutiert haben. Heute sei “alles anders”, versichern die Gründer gegenüber Coindesk. Trotzdem bleibt ein angeknackstes Image. Auch eine Kompromittierung des Orbs, der die Iris-Scans sammelt, könnte diesem schaden. Davor warnt beispielsweise Vitalik Buterin, der Gründer von Ethereum: “Der Orb ist ein Hardware-Gerät. Wir haben keine Möglichkeit zu überprüfen, ob er korrekt konstruiert wurde und keine Hintertüren hat.” Cosine, Gründer der DeFi-Plattform SlowMist, meint: “Selbst wenn ich [als Hacker] nur den Hash habe, kann ich Ihr Porträt möglicherweise nachbilden.”

4. Regulierung

Die Vision von Worldcoin würde die Welt komplett verändern. Menschen verdienen nicht nur durch den Schweiß ihrer Arbeit, sondern auch die Früchte Künstlicher Intelligenz. Ein bedingungsloses Grundeinkommen, eine neue Form des Identitätsausweises: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Staaten hier regulatorisch aktiv werden, berühren beide Ideen doch Hoheitsbereiche der Politik. Schon jetzt ist das in ersten Zügen zu sehen, beispielsweise in Großbritannien. Dort lanciert man eine Untersuchung in den Umgang mit Daten beim Projekt. Bei wachsendem Erfolg dürfte der politische Gegenwind gigantisch sein. Worldcoin könnte es so ergehen wie einst Libra, der Kryptowährung von Facebook, die von der Politik tot reguliert wurde – wegen zu großer Bedenken.

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