Quantencomputer gelten als das größte potenzielle Risiko für Bitcoin. Ob und wann entsprechende Angriffe Realität werden, ist jedoch völlig offen. In der Bitcoin-Community löste zuletzt der Entwicklervorschlag BIP-361 eine Kontroverse aus, weil er laut Kritikern auf die faktische Enteignung alter BTC-Adressen hinauslaufen würde. Doch während hochtechnische Szenarien die Debatte dominieren, gibt es schon heute reale Bedrohungen. Ein Blick auf drei Gefahren für Bitcoin, die 2026 unterschätzt werden – und wie sich Hodler dagegen wappnen.
Die Macht der großen Bitcoin Mining Pools
Mining Pools bündeln die Rechenleistung vieler einzelner Miner, um die stark schwankenden Einnahmen aus dem Block Reward zu glätten. Im Gegensatz zu börsennotierten Firmen wie MARA oder Riot betreiben sie dafür keine eigene Infrastruktur, sondern koordinieren die Blockproduktion und entscheiden damit faktisch darüber, welche Transaktionen in die Blockchain gelangen. Daraus resultiert eine oftmals unterschätzte Machtfülle, welche sich im Bärenmarkt zusätzlich verschärfen könnte.
Bereits nach dem vierten Halving im April 2024 war der Hashprice deutlich gefallen, doch Difficulty und Kosten blieben hoch. Weil der BTC-Kurs nun seit mehreren Wochen rund 40 Prozent unter seinem Allzeithoch steht, liegen die “Produktionskosten” eines Bitcoins für viele Miner sogar über dem Marktpreis. Betreiber mit älterer Hardware oder höheren Stromkosten schalten daher Geräte ab, wodurch sich die Branche zunehmend auf wenige große und besonders effiziente Akteure konzentriert. Dazu kommt noch die neue Konkurrenz durch margenstärkere KI-Datenzentren.
Sollten sich Pool-Anbieter wie Foundry und Antpool nun zusammenschließen und die Mehrheit der Hashrate kontrollieren, könnten sie Transaktionen gezielt ausblenden oder verzögern. Bestimmte Zahlungen ließen sich systematisch zensieren. Ebenso denkbar wäre das Umschreiben kürzlich bestätigter Blöcke, um eigene Interessen durchzusetzen. Und selbst ohne offenen Angriff könnten die großen Pools durch direkte Deals mit Nutzern oder Unternehmen Einfluss darauf nehmen, welche Transaktionen bevorzugt werden – keine allzu schöne Zukunftsperspektive.
Ganz wehrlos ist das Bitcoin-Netzwerk allerdings nicht. Miner können den Pool wechseln, wenn sie sich benachteiligt fühlen, und wirtschaftliche Anreize sprechen daher gegen einen offenkundigen Missbrauch. Zudem schützen BTC-Sparer ihre Coins, indem sie unabhängige Nodes betreiben. Bei einer 51-Prozent-Attacke würden diese den ersten Block der “bösartigen” Blockchain dann für ungültig erklären. Das Risiko bleibt bestehen, verliert aber an Schärfe, wenn die Teilnehmer des Netzwerks aktiv gegensteuern.
Paper Bitcoin und die schleichende Finanzialisierung eines Anti-Fiat-Projektes
Wer sich für Gold interessiert, dürfte mit diesem Vorwurf bereits vertraut sein: Immer wieder klagen Edelmetallanhänger, dass der Preis künstlich unterdrückt werde, weil es zu viel Papiergold in der Welt gebe. Was sie meinen, sind Finanzprodukte wie Spot ETFs, Zertifikate oder Futures, die den Rohstoff nur noch auf dem Papier abbilden. Tatsächlich existieren weltweit rund 200.000 Tonnen physisches Gold, aber das Handelsvolumen an den Terminmärkten macht ein Vielfaches davon aus. Ob all diese Ansprüche wirklich gedeckt sind, lässt sich kaum überprüfen. Selbst staatliche Reserven wie das US-amerikanische Gold in Fort Knox bleiben letztlich reine Vertrauenssache.
Mit dem Aufstieg von Bitcoin flammt diese Debatte erneut auf. Auch beim digitalen Gold wächst der Markt für Finanzprodukte rasant, von Spot ETFs bis hin zu komplexen Derivaten. Anleger erwerben Anteile und Finanzinstitute sollen im Hintergrund die entsprechenden Coins halten. Kritiker befürchten daher, dass sich mit der Zeit mehr Ansprüche auf Bitcoin herausbilden könnten, als tatsächlich existieren. Schon in der Vergangenheit haben Börsen wie FTX oder Mt. Gox bestätigt, dass Kundengelder nicht immer vollständig gedeckt sind. Solche Konstruktionen funktionieren so lange, bis viele Nutzer gleichzeitig ihre Bitcoin auszahlen wollen und enden dann im Kollaps.
Jedoch gibt es einen elementaren Unterschied bei der Überprüfbarkeit. Goldbestände lassen sich nur sehr schwer kontrollieren, wohingegen Bitcoin-Bestände transparent über die Blockchain einsehbar sind. Große Marktteilnehmer stehen also unter konstanter Beobachtung, denn ihre Adressen lassen sich von jedermann nachvollziehen. Sollte ein Anbieter also ungedeckte Bitcoin-Ansprüche ausgeben, würde das früher oder später auffallen.
Kurzfristige Verwerfungen infolge eines solchen Vertrauensschocks sind damit durchaus möglich und könnten insbesondere für betroffene Anleger schmerzhaft werden. Eine dauerhafte Preisunterdrückung wäre aber deutlich schwieriger als bei Gold oder Silber, obwohl sich das Risiko im Zuge der wachsenden Finanzialisierung ganz abstreiten lässt.
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Was, wenn niemand mit Bitcoin bezahlt?
“Ein elektronisches Peer-to-Peer-Cash-System” lautet der Titel des von Satoshi Nakamoto verfassten Bitcoin-Whitepapers – und nicht etwa “Ein elektronischer Wertspeicher für Sparer”. Die Situation im April 2026 sieht anders aus. Bitcoin wird vor allem gehortet, nicht ausgegeben. Zwar existiert mit dem Lightning-Netzwerk eine funktionierende Zahlungslösung, doch im Alltag dominieren weiterhin Fiatwährungen und allmählich auch Dollarstablecoins, welche viel häufiger für Transaktionen eingesetzt werden als BTC.
Wenn Bitcoin kaum als Zahlungsmittel genutzt wird, hängt sein Wert primär an Anlegererwartungen und Kapitalzuflüssen. Das widerspricht der ursprünglichen Vision eines unabhängigen Geldsystems, das im Alltag der Menschen zirkuliert. Block-CEO Jack Dorsey warnte daher bereits, dass Bitcoin an Relevanz verlieren könnte, wenn es am Ende ein bloßer Wertspeicher bleibt. Ohne echte Nutzung drohe es zu einem Asset zu werden, das man einfach kauft und liegen lässt, während das bestehende Finanzsystem unangetastet fortexistiert.
Allerdings folgt diese Entwicklung einer ökonomischen Logik. Wer davon ausgeht, dass Bitcoin langfristig an Kaufkraft gewinnt, hat wenig Anreiz, seine Coins auszugeben. Dieses Verhalten ist aus der Geldgeschichte als Gresham’s Law bekannt: “Schlechtes Geld verdrängt gutes Geld”. Zudem argumentieren Optimisten wie Vijay Boyapati, dass sich Bitcoin schlichtweg erst als Wertspeicher etablieren muss, bevor es sich schrittweise zum Zahlungsmittel und später zur Recheneinheit entwickelt. Man sollte das Pferd also nicht von hinten aufzäumen.
Selbst wenn Bitcoin dauerhaft in erster Linie ein Sparvehikel bleibt, wäre das kein Scheitern im engeren Sinne. Gold erfüllt eine ähnliche Funktion und erreicht dennoch eine Marktkapitalisierung von 34 Billionen US-Dollar. Überträgt man diese Größenordnung auf Bitcoin, ergibt sich ein Preis von 1,7 Millionen US-Dollar pro Coin. Die geringe Nutzung im Alltag ist damit eher eine offene Entwicklungsfrage und entscheidet insbesondere darüber, ob und wie weit Bitcoin über die Rolle als digitales Gold hinauswachsen kann.
