Ein Blick in die Zukunft Wie bullish ist 2021? Bitcoins Halving-Zyklen geben Aufschluss
David Scheider

von David Scheider

Am · Lesezeit: 6 Minuten

Eine Welle bricht.

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Ist Bitcoins Kurswachstum einprogrammiert? Wer die vergangenen Halving-Zyklen betrachtet, muss feststellen, der Kurs der Kryptowährung Nummer eins wächst mit System. Setzt sich das fort, können wir noch in diesem Jahr mit Kursen jenseits der 100.000 US-Dollar rechnen.

Das Schöne an digitalem Geld ist seine Programmierbarkeit. Bitcoins Wertversprechen bemisst sich nicht etwa anhand seiner physikalischen Eigenschaften – wie etwa bei Gold der Fall – sondern folgt algorithmischen Prinzipien. Bitcoin ist Software und das hat klare Vorteile. Schließlich ließen sich so die Vorstellungen seines Schöpfers von einem guten Geld bis ins Detail ausdifferenzieren: Mach dir dein Geld, wie es dir gefällt.


Dass Satoshi Nakamoto Freund von hartem Geld ist, sollte aufmerksamen Lesern von BTC-ECHO bekannt sein. Und Hartgeld ist beinahe untertrieben: Mit den regelmäßigen Supply Halvings hat Satoshi das wohl knappste Gut der Menschheitsgeschichte geschaffen. Schließlich tendiert die Inflationsrate zukünftig gegen null und beträgt heute bereits nur etwa 1,8 Prozent p.a. Wie funktioniert das?

Etwa alle vier Jahre, genauer gesagt alle 210.000 Blöcke, halbiert sich der sogenannte Block Subsidy, also der Anteil neuer BTC, die Minern bei erfolgreichem Propagieren eines neuen Blocks als Entlohnung dienen. Während es in der ersten Halving-Periode von Januar 2009 bis November 2012 noch 50 BTC waren, beträgt das Angebotswachstum pro Block aktuell nur noch 6,25 BTC. Bitcoins Angebotsmenge folgt einem vorgegebenen Muster, das in die Tiefen des Quellcodes implementiert ist. Und das treibt den Kurs.

Starke Kursanstiege im Nachgang zu den Bitcoin-Halvings. Quelle: Tradingview.

Es braucht keinen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften, um zu verstehen, was mit einem Gut passiert, dessen zunehmend knapper werdende Angebotsmenge auf eine steigende Nachfrage trifft. Die einzige Variable, die sich in diesem Wechselspiel von Angebot und Nachfrage anpassen kann, ist der Preis.

Halving-Zyklus führt zu Boom and Bust

Mal angenommen, die Nachfrage nach Bitcoin bleibt im Nachgang eines Halving-Events unverändert. Dann trifft eine gleichbleibende Nachfrage auf eine sich halbierende Angebotsmenge. Selbst unter diesen, noch konservativen, Annahmen würde der Kurs steigen. Normalerweise würde ein steigender Kurs zu einer Erschöpfung der Nachfrageseite führen, da die Zahlungsbereitschaft der Investoren irgendwann an einem Plateau angelangt ist.

Nun ist Bitcoin aber ein Gut, das sich nicht so recht in die Modelle der Wirtschaftswissenschaften pressen lässt. Denn was sich in den zurückliegenden 3 Halving-Zyklen beobachten ließ, ist kein Rückgang, sondern sogar ein Anstieg des Anleger-Interesses an Bitcoin im Nachgang zu Halvings.

Aus Investorensicht steigt der Nutzen von BTC proportional mit seinem Preis und damit auch die Zahlungsbreitschaft. Damit verhält sich Bitcoin ganz und gar gegensätzlich zu den meisten anderen Gütern, auf jeden Fall aber diametral zu anderen Assets wie Aktien. Denn das inhärente Risiko von Aktien steigt mit seinem Preis und die Wahrscheinlichkeit von Kurskorrekturen wächst. Das ist bei Bitcoin anders. Je höher der Kurs, desto robuster das Asset. Damit verhält sich Bitcoin ähnlich wie ein sogenanntes Veblen-Gut, dessen wahrgenommener Nutzen positiv mit dem Preis korreliert. Bei Veblen-Gütern ist die Nachfragekurve invers zu “normalen” Gütern. Das heißt, Nutzer fragen mehr nach, je höher der Preis ist. Typische Beispiele für Veblen-Güter sind etwa Luxusuhren.

Was Halvings also im Kern auslösen, ist ein Nachfrageboom induziert durch einen negativen Angebotsschock – eine gegenläufige Tendenz mit enormer Sprengkraft.

Denn genau wie Bitcoins Boom-Zyklen folgt auch die Überreizung, also der anschließende Bust, einem Muster. Und den kann man im Chart sehen. Denn wie erkennbar ist, hatte der Bitcoin-Zyklus von 2013 bis 2017 genau 1.477 Tage gedauert. Oder anders ausgedrückt: 4 Jahre und 17 Tage, genau ein Halving-Zyklus.

Ein voller Halving-Zyklus von 2013 bis 2017 mit Tops und Bottoms dauert genau vier Jahre. Quelle: Tradingview.

In der Zwischenzeit hat Bitcoin ordentlich Boden gutgemacht. Zwischen den beiden Allzeithochs lagen sage und schreibe 1.600 Prozent Kursgewinn.


Difficulty Adjustment als Korrektiv

Bitcoin ist allen voran ein Konglomerat aus Technologien, die es vorher bereits gab. SHA-256, Proof-of-Work, Public Key Cryptography: Nichts davon hat Satoshi erfunden, er war nur der Erste, der all diese Technologien zusammengefügt und daraus ein digitales Geld gebaut hat. Doch eine Ausnahme gibt es. 

Damit die algorithmische Geldpolitik eingehalten werden kann, braucht es einen Mechanismus, der übereifrigen Minern verbietet, die Geldpolitik zu “überholen”. Die Rede ist, man ahnt es, vom Difficulty Adjustment. Ohne das Difficulty Adjustment würde BTC nicht funktionieren. Sorgt es doch dafür, dass die relative Schwierigkeit der Blockfindung alle 2.016 Blöcke so angepasst wird, dass im Schnitt jede 10 Minuten ein Block gefunden wird. Ging es zu schnell, korrigiert sie nach oben – und umgekehrt.

Die Idee ist genial. Denn mit steigender Nachfrage steigt auch der Kurs und die Angebotsseite versucht, die möglichen Margen abzuschöpfen; sprich, Mining Rigs laufen auf Hochtouren. Aber, anstatt dass mehr BTC als anvisiert ins System kommen, korrigiert die Difficulty nach oben und die Angebotsmenge bleibt da wo sie sein soll. So erhöht sich die Hash Rate und damit auch die Robustheit des Netzwerks, ohne dass die Geldpolitik Schaden nimmt.

Der programmierte Kurspump

“Renditen der Vergangenheit sind kein Indikator für die zukünftige Wertentwicklung”, lautet das Mantra der Anlageberater. Natürlich ist die Zukunft ungewiss. Dass der Bitcoin-Kurs von den Halving-Zyklen aber wesentlich geprägt ist, lässt sich kaum abstreiten. Extrapoliert man die Erfahrungen aus der Vergangenheit in die Zukunft wird es für Bitcoin unbestreitbar bullish.

Genau das haben die Datenanalysten von Ecoinometrics getan. Das liefert uns ein ungefähres Bild, was man noch erwarten darf. Verhält sich BTC so wie im ersten Zyklus, käme Bitcoin auf ein Allzeithoch von, Achtung anschnallen, 800.000 US-Dollar. 

Wächst Bitcoin so, wie im vergangenen Zyklus bis Dezember 2017, ergibt sich ein Kurs-Plateau von “nur” knapp 300.000 US-Dollar. Spannend ist aber, dass Bitcoin aktuell über Plan liegt und deutlich bullisher wächst als 2017, wie in der folgenden Grafik zu sehen ist. Ein Zyklus-Top von 300.000 US-Dollar noch in diesem Jahr ist unter dem Gesichtspunkt eine konservative Schätzung.

Aktuelles Kurswachstum extrapoliert auf vergangene Halvings. Quelle: https://twitter.com/HalvingTracker

Bis Redaktionsschluss sind seit dem Halving bereits über 350 Tage ins Land gezogen. Wir dürften also alsbald Klarheit bekommen. Denn im Schnitt dauert es etwa 550 Tage, bis Bitcoin nach dem Halving ein Cycle Top aufstellt. Das wäre Anfang November dieses Jahres der Fall.

Natürlich sind das nur hypothetische Überlegungen. Trotzdem ist es nicht unplausibel, dass Bitcoin so weitermacht wie bisher. Die fundamentalen Daten sprechen eine eindeutige Sprache und auch Modelle wie etwa PlanBs Stock to Flow sagen Kursniveaus jenseits der 300.000 US-Dollar in 2021 voraus.

Bisher konnte man nach Bitcoins Halving Zyklen die Uhr stellen. Wieso sollte sich das in Zukunft ändern?

Disclaimer

Dieser Artikel erschien zuvor in der April-Ausgabe unseres monatlich erscheinenden Magazins Kryptokompass.


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