Frederik Gregaard ist CEO der Cardano Foundation und verantwortet die strategische Entwicklung des Netzwerks sowie die Zusammenarbeit mit Unternehmen und Institutionen. Auf der Paris Blockchain Week hat BTC-ECHO mit ihm exklusiv über den aktuellen Zustand des Krypto-Marktes gesprochen. Welchen Nutzen die Blockchain-Technologie im Finanzsystem von morgen hat und welche Rolle Cardano darin einnehmen wird, erklärt er im Interview.
BTC-ECHO: 2026 war bisher kein gutes Jahr für den Krypto-Markt. Wie bewertest du die aktuelle Lage, auch vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen?
Frederik Gregaard: Ich bin extrem bullisch. Auch wenn aktuell viel Volatilität im Markt ist, zeigt das für mich, dass sich der Markt weiterentwickelt und seinen Platz erst noch findet.
Ein wichtiger Punkt ist die Transparenz. Die Cardano Foundation veröffentlicht alle ihre Bestände direkt auf der Blockchain, inklusive der Bestätigung durch Wirtschaftsprüfer. Jeder kann in Echtzeit nachvollziehen, welche Positionen gehalten werden. Dazu gehören Bitcoin, aber auch ADA und andere Kryptowährungen.
Grundsätzlich war es aus meiner Sicht bisher ein gutes Jahr, auch wenn der Markt schwankt. Besonders deutlich wurde zuletzt ein struktureller Vorteil von Krypto. Wenn traditionelle Märkte geschlossen sind, bleibt der Krypto-Markt geöffnet. Anleger reagieren dann auf Nachrichten dort, wo gehandelt werden kann.
Das führt zu einem deutlichen Anstieg des Handelsvolumens und zeigt, dass Blockchain als Finanzmarktinfrastruktur funktioniert. Für mich ist das insgesamt ein sehr positives Signal.
BTC-ECHO: Wie hat sich der Krypto-Markt in den letzten Jahren verändert?
Der Markt hat sich stark verändert, aber nicht nur zum Positiven. Aus meiner Sicht ist ein Teil der ursprünglichen Ideen verloren gegangen. Früher ging es stärker um die grundlegenden Werte von Blockchain und darum, das Finanzsystem zu verbessern.
Heute steht oft die kurzfristige Gewinnorientierung im Vordergrund. Viele Projekte und Investoren konzentrieren sich mehr auf schnelle Renditen als auf langfristige Entwicklung.
Ich würde mir wünschen, dass wir wieder stärker zu den ursprünglichen Prinzipien zurückkehren. Technologie sollte im Mittelpunkt stehen und einen echten Mehrwert für Menschen schaffen, anstatt dass Menschen sich nur an der Technologie orientieren, um kurzfristig Geld zu verdienen.
BTC-ECHO: Aber wie schafft man es, diese Menschen von der Technologie zu überzeugen – und nicht nur vom kurzfristigen Profit?
Wir müssen weg von dieser reinen HODL-Mentalität und anfangen, Kryptowährungen aktiv zu nutzen. Nur so entsteht echter Druck auf bestehende Zahlungssysteme.
Ein konkretes Beispiel sieht man in der Schweiz, wo bereits 140 Supermärkte Zahlungen mit ADA und Bitcoin ermöglichen. Für Händler ist das attraktiv, weil Transaktionen rund 60 Prozent günstiger sind als bei Visa oder Mastercard. Deshalb haben sie ein echtes Interesse daran, dass Kunden mit Krypto bezahlen.
Zudem geht es auch um ein Umdenken bei den Nutzern. Statt Preise nur in Euro oder Dollar zu sehen, könnte man beginnen, in Kryptowährungen zu denken. Wer regelmäßig kauft und ausgibt, entwickelt automatisch eine andere Perspektive auf den Markt.
Wenn man kontinuierlich investiert und Krypto nutzt, spielt der Einstiegspreis eine geringere Rolle. Das verändert nicht nur das eigene Verhalten, sondern kann langfristig auch die Wahrnehmung des gesamten Finanzsystems verschieben.
BTC-ECHO: Und bist du dir sicher, dass dieses Szenario eintreten wird?
Ja, aber das wird Zeit brauchen. Es ist kein kurzfristiger Prozess, sondern eher ein Marathon. Aktuell sehen wir bereits erste konkrete Entwicklungen in diese Richtung.
Es gibt heute schon Beispiele, in denen große Wirtschaftsprüfer Transaktionen direkt auf der Blockchain analysieren und prüfen, statt nur Stichproben in klassischen Buchhaltungssystemen zu machen. Das zeigt, dass sich grundlegende Prozesse im Finanzsystem verändern.
Ein zentraler Treiber dafür ist die Notwendigkeit von Sicherheit und Vertrauen. Angriffe durch automatisierte Systeme und KI werden immer günstiger und einfacher. Dadurch werden Marken und Unternehmen angreifbarer.
Blockchain bietet hier eine Lösung, weil Daten öffentlich überprüfbar und in Echtzeit verifizierbar sind. Dadurch entsteht eine neue Form von Vertrauen, die nicht mehr nur auf einzelnen Institutionen basiert, sondern auf transparenter Infrastruktur.
BTC-ECHO: Welche Rolle wird Cardano in diesem Finanzsystem der Zukunft spielen?
Ich glaube, Cardano wird eine der Technologien sein, die das neue Finanzsystem tragen werden. Ich sehe vor allem drei Bereiche, die besonders spannend sind. Der erste ist wie zuvor erwähnt rund um KI-Agenten und deren Einsatz. Cardano kann in diesem Kontext als Zahlungsinfrastruktur dienen, aber auch als Sicherheits- und Identitätsschicht. Es geht schließlich darum, Daten verifizierbar zu machen und sicherzustellen, dass Systeme nicht nur Inhalte generieren, sondern eine klare Identität und Verantwortung haben. Das schafft gleichzeitig eine komplett neue Generation, was AML- und KYC-Standards angeht.
Der zweite Bereich ist die Finanzmarktinfrastruktur. Blockchain kann hier helfen, Systeme deutlich effizienter, transparenter und rund um die Uhr verfügbar zu machen. Aktuell gibt es viele verschiedene Börsen und Verwahrstellen, die parallel arbeiten. Eine einheitlichere Infrastruktur könnte Prozesse vereinfachen und den Zugang für Nutzer deutlich verbessern.
Der dritte Bereich sind stark regulierte Industrien wie die Bauwirtschaft. Gerade bei Materialien wie Beton mit hohem CO₂-Ausstoß und strengen Vorschriften kann Blockchain helfen, Prozesse transparenter zu machen. Dabei geht es um Nachverfolgbarkeit und die Einhaltung von Standards, etwa beim nachhaltigen Bauen.
BTC-ECHO: Wird eine Welt, in der alles auf der Blockchain läuft, besser sein?
Ich glaube, sie wird zunächst schlechter sein, deutlich schlechter. Wir leben heute in einer Art angenehmer Verdrängung. Viele nutzen Technologien, ohne sich Gedanken über die Konsequenzen zu machen.
Blockchain wird das verändern, weil sie Daten transparent und überprüfbar macht. Dinge, die heute im Hintergrund passieren, könnten plötzlich sichtbar werden. Das betrifft auch den eigenen digitalen Fußabdruck. Wenn man zum Beispiel sieht, welche Auswirkungen bestimmte Handlungen haben, etwa durch Energieverbrauch oder andere Faktoren, kann das unangenehm sein. Diese Transparenz zwingt uns dazu, uns mit Themen auseinanderzusetzen, die wir bisher oft ignorieren.
Das wird am Anfang schwierig sein, weil man nicht nur das eigene Verhalten, sondern auch globale Entwicklungen klarer erkennen kann. Gleichzeitig verändert genau das langfristig die Art, wie Entscheidungen getroffen werden und wie Gesellschaft organisiert ist.
Ich glaube, dass dieser Prozess zunächst unbequem ist, aber am Ende zu einem besseren Verständnis führt und Menschen näher zusammenbringen kann. Es wird kein einfacher Weg, aber langfristig kann daraus etwas Positives entstehen.
Vielen Dank für das Gespräch.

