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Digitale Zentralbankwährung Was bedeutet der E-Yuan für die Chinesen?

Während der Olympi­schen Winterspiele hatte die internationale Bevölkerung erstmalig Zugang zum E-Yuan. Nun erprobt die Regierung weiter.

Marlene Müller
 |  Lesezeit: 0 Minuten
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Die Flagge Chinas, davor der E-Yuan auf einem Handy.

Beitragsbild: Shutterstock

| Mittels einer App sollen künftig alle Chines:innen mit dem digitalen Yuan bezahlen können.

Aktuell leben in China 1,4 Milliarden Menschen, die ihr tägliches Brot entweder mit Bargeld, per Bankkarte oder mit ihrem Smartphone bezahlen. Dabei nutzt etwa die Hälfte der Chines:innen Letzteres als gängiges Zahlungsmittel, um via QR-Codes alles vom Taxi bis zum Besuch auf dem Markt zu bezahlen.

In über 90 Prozent der Fälle heißt das Unternehmen hinter diesem “Mobile Banking”-Angebot entweder Tencent oder Ant Group. Deren Apps WeChat Pay und Alipay funktionieren ähnlich wie PayPal: gebührenarmes, sekundenschnelles Bezahlen per mobilem Endgerät.

Zunehmend kommt in China ein dritter Player hinzu. Dabei handelt es sich um niemand Geringerem als die Regierung selbst. Denn diese rollt gemeinsam mit der chinesischen Zentralbank (PBOC) nicht nur eine alternative Zahlungs-App, sondern zugleich ein staatlich abgesichertes Zahlungsmittel aus: den digitalen Yuan, auch E-Yuan oder e-CNY genannt. Dabei handelt es sich schlussendlich um Bargeld in Token-Form.

Olympia 2022 mit e-CNY

Nach fast acht Jahren Forschung wurde der e-CNY bei den Olympischen Winterspielen 2022 das erste Mal für ausländische Nutzer:innen freigegeben. Die Athlet:innen und ihre Teams konnten dafür an eigens aufgebauten Automaten Bargeld gegen e-CNY-Cash-Karten tauschen.

Um diese Hardware-Wallet einsetzen zu können, muss man lediglich die private Telefonnummer registrieren. Um die Vorteile der Software-Wallet nutzen zu können, muss zusätzlich eine entsprechende App der Zentralbank auf dem Smartphone installiert werden. Hat man beides erfüllt, kann man an der digital-monetären Revolution teilnehmen.

Insgesamt würden täglich Transaktionen im Wert von etwa 265.000 Euro durchgeführt, so ein Sprecher der PBOC. Wie groß der Anteil der einheimischen und internationalen Nutzer:innen ist, kann (oder möchte) die PBOC nicht verraten. Dabei könnte gerade diese Zahl für viele spannend sein. Denn das Angebot wurde nicht von allen Nationen mit Begeisterung aufgenommen – im Gegenteil. Drei US-Senatoren sahen im e-CNY gar eine Gefahr für ihre Athlet:innen.

In einem offenen Brief an den Vorsitzenden des Olympischen Komitees riefen sie zum Verwendungsverbot des digitalen Yuans auf. Der Grund: Die chinesische Regierung würde über die App Daten der Nutzer:innen sammeln. Den Athlet:innen wurden Wegwerftelefone empfohlen, um so einem “Versuch der Überwachung durch den chinesischen Staat” zu entgehen. Peking reagierte nicht auf die Vorwürfe.

Im Westen verachtet, im Osten gefeiert

Die chinesische Bevölkerung selbst scheint den e-CNY nicht als Bedrohung wahrzunehmen.

In China ist es Teil des Deals. Die Politik hat die unangefochtene Kontrolle und garantiert dafür wirtschaftliches Wachstum. Damit sind die Menschen hier zufrieden, weil es ihnen so besser geht als zuvor.

Jonas Meier (Name von der Redaktion geändert)

Jonas Meier lebt schon seit vielen Jahren in China. Er habe in den letzten eineinhalb Jahren kein Bargeld mehr in der Hand gehabt, so Meier. Und weiter: “Hier bezahlt man mit dem Mobiltelefon. Dabei werden die Daten schon so lange von staatsfreundlichen Unternehmen gesammelt, dass sich darüber keiner mehr aufregt – es ist normal.”

Wie Richard Turrin, Autor von “Cashless: China’s Digital Currency Revolution” ergänzt, biete der digitale Yuan mit seiner Hardware-Wallet zukünftig auch Menschen ohne Bankkonto den Zugang zum Finanzwesen, denn mit dem Mobiltelefon zu bezahlen, sei an vielen Orten bereits die einzige Zahlungsmöglichkeit. Unter anderem deswegen schätzt Turrin die Adoptionsgeschwindigkeit der digitalen Währung als “sehr schnell” ein.

Die Download-Zahlen aus dem Januar bestätigen das: Über weite Teile war die Wallet die meistgeladene App in iOS- und Android-Stores. Insgesamt zählt sie bereits 261 Millionen Accounts. Das ist etwa ein Fünftel der chinesischen Bevölkerung. Und das, obwohl der e-CNY aktuell noch in der Testphase ist.

Rabatte für die Bevölkerung, Druck auf die Unternehmen

PBOC fuhr im Februar aggressive Bewerbungskampagnen für App und Währung, um die Zahl der Nutzer zu erhöhen. Die Aufnahmen zeigen Menschen, die mittels der App in Lebensmittelgeschäften oder im Nahverkehr bis zu 20 Prozent Rabatt auf ihren Einkauf bekommen. Zudem erzählen manche von Geldgeschenken bei Registrierung.

Als BTC-ECHO Meier auf diese Vorteile anspricht, sucht er danach in der chinesischen Suchmaschine Baidu vergebens. Er kann weder auf Chinesisch noch auf Englisch entsprechende Rabattaktionen finden. Die meisten Resultate beziehen sich ausschließlich auf den olympischen Kontext. Turrin hat dafür eine Begründung: Weil die Anbieter:innen bislang sehr selektiert sind, gibt es keine breite Anwendbarkeit und somit nicht viele Informationen.

Zugleich ist fragwürdig, inwiefern die Unternehmen freiwillig an den Vorteilsaktionen teilnehmen. Im November des vergangenen Jahres wurde bekannt, dass die PBOC Druck auf Unternehmen wie McDonald’s aufbaute, den e-CNY in ihren Filialen in China zu akzeptieren.

Der hohe Preis der Rabatte

Der digitale Yuan soll das Bargeld ergänzen. Schon im Whitepaper hieß es, dass man sich nicht für eine vollkommene Digitalisierung des Geldes ausspreche. Dabei könne man wegen “unzureichender Geschwindigkeit von mindestens 300.000 Transaktionen pro Sekunde nicht auf eine Blockchain setzen”, wie Turrin sagt. Deswegen verwendet die chinesische Regierung eine “kryptografisch verschlüsselte Datenbank”. Diese wird von der Ant Group bereitgestellt.

QR-Code zum Bezahlen in China
Bildquelle: Shutterstock | In China gehört es zum Alltag, mit dem Smartphone via WeChat Pay oder Alipay zu bezahlen. Fast überall gibt es die Möglichkeit, QR-Codes zu scannen und so in Echtzeit zu überweisen.

Doch die Kontrolle der Datenbank “Ocean Base” liegt in der Hand der PBOC und somit der chinesischen Regierung. Die Begründung ist für Dr. M. Sung, Professor für Innovation an der Universität Fudan, eindeutig: Die Zentralbank sei dafür verantwortlich, dass es die richtige Geldmenge gäbe, und könne nachsteuern, falls dem nicht so sei. “Gibt es zu viel, steuert das Land auf eine Inflation zu, gibt es zu wenig, auf eine Deflation.”

Beides könne die PBOC verhindern. Zudem könne mittels des digitalen Zentralbankgeldes aufgrund der Nachvollziehbarkeit gegen illegale Aktivitäten wie Geldwäsche und Korruption vorgegangen werden. Um diese Geldmengensteuerung in Zukunft sicherzustellen, gab die PBOC Anfang Januar bekannt, dass Tencent und die Ant Group als Unterstützer des digitalen Yuans agieren würden. Angeblich könnte man auch über diese Apps den e-CNY sowohl versenden als auch empfangen.

Was heißt das für den Rest der Welt?

Mit dem E-Yuan zeigt China der Welt eine mögliche Ausgestaltung einer digitalen Zentralbankwährung auf. Dabei können die Bedingungen, die Technologie und das Design von anderen Zentralbanken bewertet und in den eigenen Forschungsprojekten berücksichtigt werden.

Mit dem e-CNY macht die chinesische Regierung jedoch auch klar, dass sie Kurs auf ein einfach zu kontrollierendes Zahlungsmittel nimmt. Sollte sie dieses der internationalen Gemeinschaft zur Verfügung stellen, könnte das besonders für den Handel und den Stellenwert des US-Dollars Konsequenzen haben.

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