Erneuter Skandal Unterbezahlung und Rassismus-Vorwürfe bei Coinbase
Daniel Hoppmann

von Daniel Hoppmann

Am · Lesezeit: 6 Minuten

Coinbase-Logo auf einem Smartphone

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Ein Bericht der New York Times offenbart gravierende Unterschiede in der Bezahlung von weiblichen und schwarzen Mitarbeitern. Es ist das nächste Fettnäpfchen, in das Coinbase tritt. Diesmal kommt der Skandal aber zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt, steckt das Startup doch mitten in den Planungen zum Börsengang.

In einem jüngst veröffentlichten Artikel offenbart die New York Times Vorwürfe weiblicher und schwarzer Mitarbeiter, die sich über unfaire Arbeitsbedingungen bei Coinbase beklagen. Demnach würden Frauen und People of Color schlechter bezahlt als ihre männlichen, weißen Kollegen. Die Grundlage des Berichts liefern dabei Analysen der Wirtschaftswissenschaftlerin Alexandra Marr, die zuvor Analysen für Gerichtsprozesse lieferte, die Lohnverzerrungen zum Gegenstand hatten. Marr untersuchte Gehaltsdaten von 448 Angestellten von 2018. Neun Mitarbeiter, die ebenfalls in den Daten auftauchten, validierten diese anhand ihrer eigenen Zahlen und von Kollegen, die sie kannten.


Die Analyse bei Coinbase ergab, dass Frauen im Durchschnitt 13.000 US-Dollar (8 Prozent) weniger Gehalt erhielten als ihre männlichen Kollegen in vergleichbaren Tätigkeitsbereichen und Positionen. Teilweise gibt es Diskrepanzen von bis zu 20 Prozent. Die Analyse unterschied dabei grob in „Manager“, „Engineer“ und „Non-Engineer“. Die Berufsgruppen wurden in verschiedenen Hierachiestufen (Level 1 bis Level 6) miteinander verglichen. Dabei musste die untersuchte Abteilung bei Coinbase mindestens drei weibliche Mitarbeiter vorweisen. Den größten Unterschied gab es bei den Level-1-Managern, dort mussten sich weibliche Angestellte mit 20 Prozent weniger Gehalt zufrieden geben. Die Level-1-Non-Engineers wiesen die zweitgrößte Abweichung mit 18 Prozent auf. Den dritten Platz belegten die Level-3-Manager. Dort erhielten männliche Mitarbeiter jährlich etwas über 200.000 US-Dollar während weibliche Kolleginnen auf ein Jahresgehalt von knapp 170.000 US-Dollar kamen. Eine Ungleichheit von 16 Prozent.

In zwei der vierzehn Betätigungsfelder bei Coinbase gab es eine leichte Überbezahlung für weibliche Angestellte. So verdienten weibliche Level-1-Engineers rund 7 Prozent mehr als ihre männlichen Kollegen. Auch auf der Level-6-Manager-Ebene gab es eine zwei-prozentige weibliche Überbezahlung.

Schwarze Mitarbeiter schlechter bezahlt – Vorwürfe des systematischen Rassismus

Laut des Artikels seien auch dunkelhäutige Mitarbeiter von den ungleichen Lohnverteilung betroffen. 16 schwarze Festangestellte tauchten in den analysierten Gehaltsdaten auf. Sie bekamen 11.500 US-Dollar weniger. Das sind 7 Prozent weniger als alle anderen Mitarbeiter bekamen. Dabei werfen anonymisierte Berichte schwarzer Mitarbeiter dem Tech-Startup aus San Francisco auch systematischen Rassismus vor.

Wie die New York Times berichtet, habe ein Manager über einen schwarzen Angestellten vor anderen Kollegen Vermutungen aufgestellt, ob er mit Drogen deale oder eine Waffe bei sich trage. Ein anderer dunkelhäutige Beschäftigter beschreibt eine Szenerie aus einem Einstellungsgespräch, in dem der Manager ihm offen gesagt habe, dass er schwarze Angestellte für weniger fähig halte. Und wiederum eine andere Mitarbeiterin berichtete von herablassenden Behandlungen ihres Managers ihr und ihren schwarzen Kollegen gegenüber. So seien sie auch bei Beförderungen zugunsten weißer, weniger erfahrener Mitarbeiter übergangen worden.

In einer Erklärung sagte L.J. Brock, Coinbase’s Chief People Officer, dass das Unternehmen Ende 2018 begann, eine umfassende Überprüfung der Vergütung im gesamten Unternehmen durchzuführen.

Als Ergebnis dieses Prozesses haben wir ein neues Vergütungsprogramm eingeführt, das Coinbase auf eine Stufe mit einigen der weltweit angesehensten Technologieunternehmen stellt. Dieses Programm beinhaltete: die Implementierung eines robusten, branchenüblichen Niveausystems, die Einführung nicht verhandelbarer, einheitlicher Gehaltsziele für das Grundgehalt und die Gewährung von Gerechtigkeit für alle Rollen und Ebenen.

Eine Anfrage von BTC-ECHO bei Coinbase bezüglich der Rassismusvorwürfe und allgemeinen Gehaltsunterschiede zwischen männlichen und weiblichen Mitarbeitern blieb zu Redaktionsschluss unbeantwortet und wird nachgetragen, sobald sich Coinbase zu den Vorwürfen äußert.

Coinbase reagiert auf Gehaltsaffäre

Coinbase hat stattdessen in seinem Blog eine Pressemitteilung veröffentlicht. Darin bezieht sich L.J. Brock auf die Story in der New York Times und erklärt die bisherigen Erfolge, die infolge des neuen Vergütungsprogramms eingetreten seien. Demnach hätten seit 2019 70 Prozent der Mitarbeiter eine Gehaltserhöhung erhalten. Insgesamt habe man 9 Millionen US-Dollar in die Aufbesserung der Bezüge investiert. Mitarbeiter erhielten nun ein Grundgehalt, dass dem Volumen von Grundgehalt plus Bonus bei anderen Unternehmen aus Technologie und Finanzdienstleistungen entspreche. Welche Mitarbeiter genau von der Gehaltserhöhung profitieren, wollte Coinbase allerdings nicht detaillierter beschreiben.

Das Unternehmen erklärt, man zahle nun geschlechterunterschiedlich einheitliche Gehälter. Wie allerdings die Verteilung der Gehaltserhöhungen im Allgemeinen aussieht, bleibt unbeantwortet. Aus der Pressemitteilung wird lediglich ersichtlich, dass sich der Betrieb auf Anpassungen im Level-1- und Level-2-Sektor konzentriert habe. Demnach würden nun Mitarbeiter aus dem Bereich, nach Abstimmung mit dem Vorstand, am Gewinn des Unternehmens beteiligt.


Zu den Rassismusvorwürfen äußerte sich Coinbase hingegen kaum. Lediglich in einem Satz gingen sie eher passiv auf das Thema ein:

Coinbase hat sich verpflichtet, Voreingenommenheit in all unseren internen Prozessen rücksichtslos zu eliminieren.

Zusammenfassend lässt Coinbase allerdings noch viele Fragen offen. Als Beispiel wäre eine transparentere Darstellung der Profiteure der Gehaltserhöhungen zu nennen. Eventuell könnte eine erneute Untersuchung der Gehaltsstruktur neue Erkenntnisse bringen.

Bezüglich der Rassismusvorwürfe hüllt sich das Unternehmen weiterhin in Stillschweigen. Allgemein bezeichnet man die Ereignisse als Einzelfälle. Möglicherweise könnte sich Coinbase auch hinsichtlich der Black-Lives-Matter-Bewegung etwas umfangreicher mit solchen internen Vorfällen auseinandersetzten.

Coinbase verbietet politischen Diskurs

Die angebliche Affäre um Rassismus und ungleiche Lohnvergütung ist jedoch nicht der einzige Tritt ins Fettnäpfchen gewesen, den sich Coinbase erlaubte. Erst Ende September sorgte ein Blogeintrag des CEO Brian Armstrong für Aufsehen, als er seinen Mitarbeitern jeglichen politischen Diskurs verbot. Das begründete er folgendermaßen:

Ich möchte, dass Coinbase sich auf die Erreichung seiner Mission konzentriert, weil ich glaube, dass wir auf diese Weise den größten Einfluss auf die Welt haben können.

Wie diese Konzentration auf das Wesentliche aussieht, beschrieb der CEO ebenfalls in seinem Statement. So sollten seine Mitarbeiter Abstand nehmen von politischen und gesellschaftlichen Diskussionen. Gleiches galt für Aktivitäten, die nichts mit den Kernzielen der Firma zu tun hatten. Auch beteilige man sich bei Coinbase nur minimal an gemeinnützigen Projekten. Schließlich arbeite das Unternehmen gewinnorientiert.

Prominente Kritik an dem Statement gab es von Twitter-CEO Jack Dorsey. Seiner Meinung nach sei Bitcoin direkter Aktivismus gegen ein ausgrenzendes Finanzsystem, das so viele Teile der Gesellschaft negativ beeinflusse. Demnach sei es wichtig, die damit verbundenen gesellschaftlichen Probleme, mit denen die Kunden täglich konfrontiert sind, zumindest anzuerkennen und zu verbinden.

Fünf Prozent der Belegschaft verlassen Coinbase

Die Kritik an Armstrongs Äußerungen ließen den Coinbase CEO jedoch unbeeindruckt. Stattdessen offerierte er in einem zweiten Blogeintrag im Oktober allen Mitarbeitern, die „nicht mit den Unternehmenszielen einverstanden sind“, eine großzügige Abfindung. Daraufhin verließen 60 Mitarbeiter, rund 5 Prozent der Gesamtbelegschaft, das Unternehmen. Dazu sagte Brian Armstrong:

Obwohl es nie einfach ist, wenn Teammitglieder ein Unternehmen verlassen, denke ich, dass wir daraus als ein stärker ausgerichtetes Unternehmen hervorgehen werden. Von Zeit zu Zeit müssen wir unsere kulturellen Normen neu kommunizieren und neu definieren, während wir weiter skalieren.

Da noch nicht alle Verhandlungen beendet seien, geht man bei Coinbase von einem tendenziell höheren Verlust aus. Unterdessen kommt der neue Skandal, rund um rassistische und allgemeine Ungleichbehandlung für Coinbase mehr als ungelegen, kündigte das Unternehmen erst Mitte Dezember Pläne für den Börsengang an.



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