Ross Ulbricht bald frei? Trump erwägt angeblich Begnadigung von Silk-Road-Gründer
Daniel Hoppmann

von Daniel Hoppmann

Am · Lesezeit: 3 Minuten

Donald Trump steht vor einem Mikrofon und deutet mit dem Zeigefinger in die Ferne.

Quelle: Shutterstock

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Präsident Donald Trump erwägt die Begnadigung von Ross Ulbricht. Der Gründer der Darknet-Handelsplattform Silk Road büßt seit 2015 zwei lebenslange Haftstrafen ohne Aussicht auf Bewährung ab.

Der scheidende US-Präsident Donald J. Trump kann sich einen Straferlass beim Silk-Road-Gründer Ross Ulbricht vorstellen. Das berichtete die amerikanische Nachrichtenseite „The Daily Beast“ und beruft sich dabei auf anonyme Quellen. Demnach sollen Mitarbeiter der Rechtsberatung des Weißen Hauses (White House Councel’s Office) Dokumente zum Fall Ulbrichts nochmals überprüft haben. Darüber hinaus soll auch Trump über die Vorgänge und Bitten der Unterstützer des Silk-Road-Gründers in Kenntnis gesetzt worden sein. Zwei Quellen berichten, dass der Präsident zuzeiten im privaten Umfeld Mitgefühl gegenüber der Situation Ulbrichts gezeigt habe und nun erwäge den 36-jährigen für die nächsten Strafmilderungen und Gnadengesuche noch vor der Amtseinführung Joe Bidens am 20. Januar 2021 zu berücksichtigen.


Ross Ulbricht hatte 2011 Silk Road (Seidenstraße) gegründet. Die Darknet-Handelsplattform erlangte vor allem als Drogenumschlagsplatz Bekanntheit. User konnten auf dem Marktplatz vollanonymisiert shoppen, wobei die Plattform nur Bitcoin als einziges Zahlungsmittel akzeptierte. 2015 wurde „Dread Pirate Roberts“, so das Darknet-Alias Ulbrichts, schließlich von verschiedenen Bundesbehörden der USA verhaftet und zu zweimal lebenslänglich und 40 Jahren Haft verurteilt. Den dubiosen Ruf, den Bitcoin durch die Silk Road erworben hat, hängt der Kryptowährung immer noch nach – wenn auch längst nicht mehr so stark wie noch vor wenigen Jahren.

Support auch aus Trumps engstem Umfeld

Ob Donald Trump nun wirklich plant, Ross Ulbricht Amnestie zu gewähren, ist weiterhin unklar. Bis auf die Berichte aus Regierungskreisen gibt es bisher keine offiziellen Informationen über eine Strafmilderung oder -erlass. Derweilen wächst die Unterstützung für den Silk-Road-Gründer weiter. Laut „The Daily Beast“ soll es auch im politischen und sozialen Umfeld des Präsidenten einflussreiche Fürsprecher geben. Eine Anfrage der US-Nachrichtenseite an das Weiße Haus blieb jedoch unbeantwortet. Auch in der Musikbranche gibt es Support für Ulbricht. Die britische Rapperin M.I.A. tweetete beispielsweise im November:


Ein weiteres Indiz für eine Begnadigung liefert der Fall Alice Johnson. Ein US-amerikanisches Gericht verurteilte die afroamerikanische Anwältin 1996 wegen der Beteiligung am organisierte Kokain-Handel zu lebenslanger Haft. Vor knapp zweieinhalb Jahren begnadigte Donald Trump Johnson auf Initiative des Reality-Stars Kim Kardashian nach 22 Jahren Gefängnis. Die Causa Ross Ulbricht weist einige Parallelen zu Johnsons Fall auf. Wegen Drogenhandels im Gefängnis, Unterstützung durch Berühmtheiten, hohe Haftstrafen. Ein Faktor könnte dem Ganzen jedoch einen Strich durch die Rechnung machen.

Trump erklärter Gegner des Bitcoin

Seit seinem Tweet von vor einem Jahr gilt Trump als erklärter Gegner von Bitcoin. Es sei kein Geld, viel zu volatil und erleichtere kriminelle Handlungen. John Bolton, ehemaliger nationaler Sicherheitsberater der USA, berichtet in seinem Buch „The Room where it happened“ von härteren Aussagen, die der Präsident über Bitcoin getätigt habe. So soll Trump 2018 zu seinem Finanzminister Steve Mnuchin gesagt haben: „Jagen Sie Bitcoin!“

Unter diesem Gesichtspunkt könnte die Begnadigung des „Dread Pirate Roberts“ etwas unwahrscheinlicher werden. Der Umstand, dass der Bitcoin, den Trump als Gefahr für den US-Dollar sieht, als einziges Zahlungsmittel auf Silk Road für eben jene kriminellen Handlungen verwendet wurde, macht es schwierig zu Glauben, dass Trump die nationalen Interessen einer Begnadigung Ross Ulbrichts unterordnet. Andererseits hat die Welt den noch amtierenden Präsidenten als sehr volatil kennengelernt. Viel Zeit zum Überlegen bleibt Trump jedoch nicht mehr, zieht sein Nachfolger Joe Biden doch am 20. Januar 2021 offiziell ins Weiße Haus ein.


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