Not your Coins! Tether zensiert Transaktionen – Notbremse mit Geschmäckle
Christopher Klee

von Christopher Klee

Am · Lesezeit: 4 Minuten

In Eis eingeschlossene US-Dollarnoten

Quelle: Shutterstock

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Tether hat nach dem Angriff auf Poly Network schnell reagiert und 33 Millionen gestohlene USDT-Einheiten eingefroren. Die vermeintliche Zensur spaltet derweil die Gemüter im Krypto-Space.

Bei manchen scheint der Groschen langsam gefallen zu sein: der Stablecoin Tether ist, anders als “pure” Kryptowährungen, kein dezentral verwaltetes Asset. Besonders eindrücklich zeigt sich die Zentralisierung von USDT in der Causa Poly Network. Vergangene Woche hat dort ein Hacker für Verheerungen gesorgt, der einen Bug ausnutzte, um Kryptowährungen im Gegenwert von über 600 Millionen USD aus dem DeFi-Protokoll abzuziehen – der folgenschwerste Hack in der Geschichte der Decentralized Finance. Auch rund 33 Millionen USDT gehörten zu der Beute. Mittlerweile hat der Hacker sich als “White Hat” präsentiert und die Rückzahlung aller entwendeten Gelder eingeleitet. Diese ist nun nahezu abgeschlossen – doch die 33 Millionen USDT harren noch immer der Überweisung an PolyNetwork beziehungsweise die rechtmäßigen Besitzer. Der Grund: USDT-Herausgeberin Tether Ltd. hat die Adresse, auf der der Poly-Network-Angreifer seine Stablecoins verwahrt, kurzerhand gesperrt.


Die gestohlenen USDT Token sind damit de facto eingefroren. Das Unternehmen hat angekündigt, die Tether Token erst an das Poly Network zurückzugeben, wenn die Sicherheitslecks in dem DeFi-Protokoll, das sich auf Blockchain-übergreifende Transaktionen spezialisiert, beseitigt wurden. Für diese Entscheidung hat Tether indes nicht nur Beifall geerntet. Kritiker werfen dem Unternehmen vor, Transaktionen zu zensieren und damit das Krypto-Ideal des freien, dezentralisierten Wertetransfers zu unterlaufen.

“Glückwunsch”: Pekuna-Chef verliert Vertrauen in Tether

Auch Werner Hoffman, Geschäftführer der Krypto-Steuerberatung Pekuna, reibt sich nach der Analyse des USDT-Smart-Contracts an der Zentralisierung des Stablecoins.

Nach dem Poly Network Hack war für mich eine der überraschendsten Meldungen, dass Tether die Funds locken kann. Daher habe ich mir den Smart Contract durchgelesen und siehe da, wer Owner der Adresse ist, kann jederzeit jede Adresse als “is Evil User” kennzeichnen und damit alle auf dieser Adresse liegenden Assets blacklisten. Das Protokoll lässt es sogar zu, diese Assets zu burnen. Daher von meiner Seite Gratulation an die Tether.to Foundation. Sie haben es geschafft, das Finanzsystem erfolgreich nachzubilden. Genau wie mein Geld auf dem Bankkonto sind meine Tether auch nie wirklich 100% meine,

zeigt sich Hoffman in einem Posting im sozialen Netzwerk LinkedIn irritiert über das Gebaren von Tether.

Gegenüber BTC-ECHO wiegelte der Pekuna-Chef indessen ab: Es ließen sich sowohl für als auch gegen die Sperrung der USDT gute Argumente vortragen. Dass Tether dennoch kurzerhand Nutzer buchstäblich als “Evil” brandmarken kann, hat bei Hoffmann indes keinen guten Eindruck gemacht.


Ich als Privatperson war jedoch schon sehr überrascht, dass dies möglich ist und dies hat auch mein Vertrauen in USDT etwas zerstört.

Generell habe er Tether – auch wegen der regulatorischen Turbulenzen, die den Stablecoin umgeben – nur in Ausnahmefällen benutzt. Namentlich für das Trading von Coins, für die es nur USDT-Tauschpaare gibt. Gefragt nach seiner grundsätzlichen Haltung gegenüber Stablecoins zeigt sich der Pekuna-Chef zwiegespalten:

Je nach Tradingverhalten macht es natürlich Sinn, Assets teilweise in nicht volatilen Tokens zu halten, ich persönlich vermeide es jedoch. Die Auswahl an nicht zentralisierten Stablecoins ist derzeit ja noch sehr gering und deren Stabilität (insb. bei algorithmischen Stablecoins) ist meiner Meinung nach noch nicht bewiesen.

Auf die Frage, ob sich auch bei Kunden eine wachsende Tether-Skepsis bemerkbar gemacht hat, wollte Hoffmann nicht antworten.

Wir werten die Daten unserer Kunden nicht bezüglich deren Tradingverhalten oder deren Assets aus. Dies würde auch kein gutes Licht auf uns werfen, daher kann ich hierzu leider nichts sagen,

so der Pekuna-Geschäftsführer in einer Mail an BTC-ECHO.

PolyNet leckt die Wunden

Unterdessen warten die Opfer des Poly-Network-Hacks weiter auf ihr Krypto-Geld. Das Projekt hat heute einen neuen Fahrplan für die nähere Zukunft veröffentlicht. Die Schwachstellen sollen bereits ausgemerzt worden sein. Eine Überprüfung des Patches durch diverse Blockchain-Sicherheits-Firmen läuft derzeit. Zudem ist heute ein Mainnet-Upgrade online gegangen, auch wenn Poly Network den Betrieb noch nicht wieder aufgenommen hat. In einem nächsten Schritt soll zunächst die Cross-Chain-Funktionalität wieder hergestellt werden. Dann beginnt die Rückgabe der gestohlenen Assets, bevor das Poly Network schließlich wieder seine Arbeit aufnimmt. Auf konkrete Zeitangaben hat sich Poly Network in seiner neuen Roadmap indes nicht eingelassen.


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