Stablecoin-Durchstarter Terra (LUNA): Die “Dezentralbank” im Fokus
Christopher Klee

von Christopher Klee

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Terra ist ein dezentralisiertes Finanz-Netzwerk, das sich auf wertstabile Kryptowährungen (sogenannte Stablecoins) fokussiert. Die verschiedenen Stablecoins (zum Beispiel TerraUSD, TerraEUT) sind algorithmisch durch den LUNA Token gedeckt. Der LUNA Token lässt sich zudem staken und für Abstimmungen über Protokoll-Änderungen verwenden. Ein Überblick über die “Dezentralbank” Terra.

Wer hat Terra (LUNA) erfunden?

Hinter Terra steht das südkoreanische Start-up Terraform Labs. Terraform Labs wurde im Jahr 2018 von Do Kwon und Daniel Shin gegründet. Zu den Investoren von Terraform Labs gehören unter anderem die VCs Pantera Capital und Coinbase Ventures. 


Wie funktioniert Terra?

Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis – dieses Prinzip wird in Terra durch Algorithmen durchgesetzt. Stablecoins im Terra-Netzwerk verfügen über einen dynamischen Supply, der sich nach der Nachfrage richtet. Steigt die Nachfrage nach einem bestimmten Stablecoin – beispielsweise UST – wird die Umlaufmenge vergrößert, damit angestrebte Zielwert (1 USD) wiederhergestellt wird. Sinkt die Nachfrage, wird der UST-Supply verkleinert. Das niedrigere Angebot hebt den UST-Preis wieder auf 1 USD. 

Der LUNA Token als “Collateral”: Ein Beispiel

Bei beiden Vorgängen – der Ausdehnung sowie der Verkleinerung des Terra-Angebots – kommt der LUNA Token zum Einsatz. Ein Beispiel: Angenommen, eine App entschließt sich dazu, UST als Bezahlmöglichkeit einzuführen. Das hätte zur Folge, dass die Nachfrage nach UST und damit auch die Zahl der UST-Transaktionen steigt. Nach dem Gesetz des (Sekundär-)Marktes steigt der UST-Kurs ebenfalls, weil der UST-Supply noch nicht an die Nachfrage angepasst wurde – beispielsweise auf 1,1 USD.

Nun haben wir ein Problem: Als USD-Stablecoin strebt UST einen Wechselkurs von 1 USD an. Freilich können die neuen UST-Einheiten nicht dem Nichts werden, um das Angebot zu vergrößern und den Kurs wieder auf den Zielwert zu bringen – die UST müssen schließlich durch irgendetwas gedeckt sein. Hier kommt LUNA ins Spiel.

LUNA Holder haben die Möglichkeit, 1 LUNA im Wert von 1 USD gegen einen (neu geschaffenen) UST zu tauschen. Wir erinnern uns, dass der UST-Kurs wegen der hohen Nachfrage im Beispiel bei 1,1 USD steht. Dadurch können LUNA Holder die eingetauschten UST mit einem Sofort-Gewinn von 10 Prozent verkaufen. Das Ganze funktioniert auch umgekehrt: Sinkt der UST-Kurs unter 1 USD, können UST-Holder 1 UST gegen LUNA im Gegenwert von einem USD tauschen. 

Bei jedem Tausch von LUNA gegen neue Terra-Stablecoins wird ein Prozentsatz der LUNA vernichtet. Der Rest fließt zurück in das System, genauer: einen Community Pool, der den Ausbau des Ökosystems finanziert. Diesen Vorgang bezeichnet das Projekt als “Seigniorage” – in Anlehnung auf den Geldschöpfungsgewinn von Zentralbanken. 

Saynora, Seigniorage: Columbus-5 dreht den LUNA-Ofen auf

Am 9. September 2021 wird Terra mit Columbus-5 ein wichtiges Update durchlaufen. Zu den zentralen Neuerungen gehört, dass in Columbus-5 vorerst die gesamte Seigniorage vernichtet wird, anstatt in den Community Pool zu fließen. Hintergrund für diesen Schritt war, was zunächst wie ein Luxus-Problem klingt: Die Community-Schatzkammer war schlichtweg überfüllt. Das stellte Terra-Gründer Kwon im März 2020 fest. Auf Agora, der Governance-Plattform von Terra, schrieb Kwon:

Aufgrund der raschen Generierung von Seigniorage fließt zu viel Seigniorage in den Gemeinschaftspool und den Orakel-Reward-Pool, was zu einer Überfinanzierung […] führt, und dieser Trend wird sich wahrscheinlich fortsetzen, wenn nicht etwas dagegen unternommen wird.

Columbus-5 soll daher folgende Änderungen für die Token-Ökonomie von Terra bringen: 

  • Die Luna-Ökonomie wird dahingehend vereinfacht, dass alle Gebühren für den Einsatz von Luna verwendet werden und bei der Prägung von 1 UST Luna im Wert von 1 USD verbrannt werden.
  • Der Community-Pool soll gut finanziert bleiben, da neue Ausschüttungen erfolgen werden, wenn die Vorschläge in der Abstimmungsphase sind, während verhindert wird, dass er überfinanziert wird.
  • Die Staking Rewards werden attraktiv, aber nicht exorbitant sein.

Was ist der maximale LUNA Supply?

Luna verfügt – anders als etwa das “digitale Gold” Bitcoin – über keinen Angebots-Deckel. Ein solcher wäre angesichts der dynamischen Ausdehnung und Kontraktion der Geldbasis im Terra-Netzwerk wenig praktikabel. Schließlich müssen bei Bedarf neue LUNA Token “gedruckt” werden, um eine kontrahierende Stablecoin-Nachfrage zu kompensieren. Das heißt jedoch nicht, dass bei LUNA  eine galoppierende Inflation herrscht. Vor allem die “Burn all Seigniorage”-Politik von Columbus-5 wird einen deflationären Druck auf den LUNA-Supply entfalten – vorausgesetzt, das LUNA-Ökosystem wächst weiter. 


LUNA Staking: Delegieren geht (für die meisten) über Validieren

Transaktionen in Terra werden von sogenannten Validatoren bestätigt. Dabei handelt es sich um Betreiber von speziellen Netzwerkknoten, die einen hohen Betrag an LUNA im Netzwerk hinterlegt (gestakt) haben. Sie schreiben neue Blöcke in die Blockchain und erhalten im Gegenzug einen Staking Reward, der (bis Columbus-5) aus der Seigniorage und den Transaktionsgebühren generiert wird. Sie beteiligen sich auch an der Verwaltung der Treasury, indem sie über Vorschläge zur Verwaltung abstimmen. Darüber hinaus dienen sie als netzwerkinternes Oracle, in dem sie die Wechselkurse innerhalb des Terra-Ökosystems registrieren und an das Netzwerk propagieren. Das Betreiben von Validator Nodes setzt eine hohe technische Expertise und Hardware-Anforderungen voraus und ist damit nichts für Krypto-Laien.

Grundsätzlich gilt: Je höher die LUNA-Rücklage eines Validator Nodes, desto größer sein Einfluss. Zur Zeit des Schreibens gibt es 130 Validatoren in Terra/Luna. Die Zahl soll perspektivisch auf 300 angehoben werden. Dabei kann sich jeder, der über das Know-how und das nötige Kleingeld verfügt, mit einer speziellen Transaktion als Validator bewerben. Das Netzwerk sucht automatisch die 130 reichsten Adressen als Validator aus.

Auch kleinere Wallets können am Staking-Prozess teilnehmen; und zwar, indem sie ihre LUNA an einen Validator delegieren. In der Regel erheben letztere jedoch eine Kommission, die zwischen 0 und 20 Prozent der Staking-Einnahmen liegt.

Use Cases: Welche Apps und dApps setzen auf Terra (LUNA)?

Chai: 2 Millionen User verwenden Terra bereits – ob sie es wissen, oder nicht

Terra will nichts weniger, als ein globales Zahlungs-Netzwerk um programmierbares Geld aufzubauen. Das soll über die wachsende kommerzielle Adoption seiner Stablecoins, allen voran dem Flagschiff UST, erreicht werden. Mit der südkoreanischen Bezahlapp Chai konnte Terra diesbezüglich bereits einen großen Coup verzeichnen. Chai zählt 2 Millionen Nutzer – und verwendet Terra im Backend.

Anchor: Das bessere Sparbuch?

Mit dem im März lancierten Anchor-Protokoll verfügt das Terra-Ökosystem über eine Art Sparkonto, das eine Rendite auf Stablecoin-Rücklagen gibt. Zur Zeit des Schreibens erhalten Anleger beispielsweise stolze 20 Prozent (annualisiert) auf UST, die sie in der Anchor-dApp hinterlegen.

Mirror-Protokoll: Synthetische Assets auf Terra

Terra kann auch DeFi: Das sieht man nicht nur an Anchor, sondern auch beim Mirror Protocol. Dabei handelt es sich um eine Plattform für synthetische Assets. Das sind Token, die reale Werte (wie beispielsweise einen invertierten Öl-Preis oder eine Aktie) repräsentieren. Diese sogenannten mAssets müssen vor ihrer Erstellung überbesichert sein. Um Beispielsweise ein mAsset zu erstellen, das eine 10-Dollar-Aktie repräsentiert, müssen Terra-Stablecoins (wahlweise auch andere mAssets) im Gegenwert von 15 USD hinterlegt werden.


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