Finanzielle Repression durch Tether? Wie zensurresistent Tether wirklich ist

Geldwäsche, Sanktionsumgehung und Terrorfinanzierung mit USDT – die Liste an Vorwürfen ist lang. Doch in Wahrheit hat der Stablecoin von Tether ein anderes Problem.

Tobias Zander
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Maduro

Beitragsbild: Shutterstock

| Möchte Venezuelas Präsident Maduro mit Tether US-Sanktionen umgehen?

Erst vor wenigen Tagen kursierte die Meldung, dass der staatliche Ölkonzern Petróleos de Venezuela USDT zur Sanktionsumgehung verwenden wolle. Zuvor liefen die Lockerungen des US-Embargos gegen Venezuela aus, sodass das Maduro-Regime nach neuen Optionen für die finanzielle Abwicklung seiner Öl-Exporte sucht. Der Stablecoin-Emittent verteidigte sich gegen die Vorwürfe – USDT-Wallets für venezolanische Sanktionsumgehungen würde man sofort einfrieren. Kürzlich warf das Wall Street Journal Tether vor, auch bei russischen Sanktionsumgehungen Hilfe zu leisten. Die Anschuldigungen sind hart. Doch eignet sich USDT überhaupt für solche heiklen Zwecke?

Die Stablecoin-Adoption ist besonders stark in Lateinamerika I Quelle: Chainalysis

Mit aktuell über 110 Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung ist USDT der mit weitem Abstand größte Dollar-Stablecoin. Im Interview mit BTC-ECHO erklärte Tether-CEO Paolo Ardoino, dass die Verbindung von USDT zu illegalen Transaktionen schlichtweg ein Symptom des Erfolgs sei. Damit hat er einen Punkt, denn laut einem UN-Bericht nutzen Kriminelle gerne den Tether-Stablecoin, weil er bei geringer Volatilität schnelle und günstige Transaktionen ermöglicht. Außerdem arbeitet Tether laut Ardoino mit dutzenden Strafverfolgungsbehörden zusammen. Ein internes Ermittlungsteam habe bereits 1,2 Milliarden US-Dollar an illegalen Geldern eingefroren.

USDT-Nutzer sind Tether ausgeliefert

Tatsächlich kooperiert der Stablecoin-Emittent bereitwillig mit der Justiz. Im Dezember etwa sperrte Tether Wallets mit über 435 Millionen US-Dollar Guthaben zur Unterstützung der US-Strafverfolgungsbehörden. Bei diesem Anlass verkündete Ardoino, dass sein Unternehmen ein “Weltklasse-Partner” der USA werden wolle, um “die Dollar-Hegemonie weltweit auszubauen”. Die strikte “Wallet-Freezing-Policy” lässt sich in Zahlen messen, denn laut dune sind inzwischen 1428 USDT-Adressen mit über einer Milliarde US-Dollar Guthaben gesperrt. Geht es wirklich gegen Kriminelle, ist das Vorgehen nachvollziehbar, aber von Zensurresistenz kann bei dem zentralisierten USDT-Stablecoin keine Rede sein – jederzeit kann jede Wallet auf Wunsch von staatlichen Behörden hin geblockt werden.

Somit könnte es auch dann zur Sperrung von Wallets kommen, wenn es sich um politische Dissidenten oder unliebsame NGOs handelt. Voraussetzung dafür ist nur, dass staatliche Akteure diese ins Visier nehmen und Tether dem behördlichen Druck nachgibt. “Fast unsere gesamte Nutzerbasis befindet sich in den Schwellenländern”, sagte Adoino letzte Woche stolz auf der Token2049-Konferenz. Und wirklich, immer mehr Menschen in Argentinien, Vietnam oder der Türkei nutzen USDT zum Sparen.

Doch was, wenn eine US-Regierung zukünftig Gründe für Sanktionen gegen diese Länder findet? Oder die jeweiligen Regierungen selbst gegen oppositionelle Organisationen vorgehen wollen? In solchen Fällen sind USDT-Nutzer letztlich der Willkür von Tether ausgeliefert. Wer wirklichen Schutz vor finanzieller Repression will, für den lautet die Antwort nicht USDT, sondern Bitcoin.

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