Goldgräberstimmung Non-fungible Token (NFT): Lohnt sich noch der Einstieg?
Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 7 Minuten

Freitagskommentar_NFT

Quelle: BTC ECHO_Shutterstock

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In unserem Jahresausblick 2021 hatten wir einem Thema besonders viel “Hype-Potential” zugeschrieben, den so genannten Non-fungible Token (NFT). Dieses scheint sich nun zu bewahrheiten. Wer diesen Hype rechtzeitig erkannt hat, konnte mit Investments wie in den Flow Token von Dapper Labs enorme Gewinne generieren. Doch wie nachhaltig sind diese Kurssteigerungen? Befindet sich der NFT-Sektor bereits in einer Blase?

Mit dem Begriff Non-fungible Token (NFT) können nach wie vor nur wenige etwas anfangen. So ergab unsere BTC-ECHO-Studie mit über 3.000 vermutlich krypto-affinen Teilnehmern, dass rund drei Viertel aller Befragten noch keine Berührungspunkte mit NFT hatten. Immer mehr Krypto-Interessierte dürften sich daher über die vielen NFT News der letzten Tage wundern. Vor allem der Sinn oder Unsinn dieser Token dürfte nicht immer offensichtlich sein.


Stark vereinfacht handelt es sich bei NFT um “einzigartige” Token, die also nicht homogen wie ein Bitcoin oder ein Wertpapier ausgetauscht werden können. Der Gedanke dahinter: Jedes Kunstwerk gibt es nur einmal, genauso wie es jede Internet-Domain nur einmal gibt, jedes Grundstück auf dieser Welt oder den Sitzplatz 34 F in einem bestimmten Kino oder Flugzeug. In der physischen Welt sind wir mit diesen “nicht fungiblen”, also einzigartigen Gegenständen oder (Nutzungs-)Rechten, täglich konfrontiert. Erst mithilfe der Blockchain-Technologie ist es nun aber möglich, diese Knappheit und Einzigartigkeit auch im digitalen Raum abzubilden. Aktuell treiben dabei vor allem Fan-Artikel, Sammelkarten (Collectibles) und Digitalkunstwerke die “NFT-Bewegung” an.

30.000 Prozent Kurssteigerung

Ein NFT-Projekt, das gegenwärtig für Schlagzeilen sorgt und den NFT-Hype weiter anheizt, ist das Blockchain-Protokoll von Dapper Labs und deren zugrunde liegender Flow Token. Die Flow Blockchain stellt die Infrastruktur für Non-fungible Token aller Art. Konnte man im Pre Sale im September letzten Jahres auf coinlist.co einen Flow Token für 0,10 US-Dollar erwerben, so notieren diese bei inzwischen knapp 30 US-Dollar. Wer also 1.000 US-Dollar investiert hat, kann sich nun über einen “Kontostand” von 300.000 US-Dollar, sprich 30.000 Prozent Buchgewinne freuen.

Wenn auch nicht in diesem Maße, sind auch andere Projekte mit NFT-Bezug – wie unter anderem The Sandbox, NFTX oder LUKSO – stark angestiegen. Doch nicht nur die Token der NFT-Blockchain-Projekte erfreuen sich enormer Kursanstiege, sondern auch die NFT selbst. NFT-Kunstwerke auf SuperRare oder OpenSea erreichen schwindelerregende Preise. Selbst das traditionsreiche Auktionshaus Christie’s kann sich dem Hype nicht verschließen. So wird das NFT-Kunstwerk Everydays: The first 5.000 Days vom Digital-Künstler Beeple auf der Auktionsseite versteigert. Bis zum 11. März können interessierte mitbieten. Das aktuelle Gebot steht bei 3 Millionen US-Dollar.

Der Unterschied zu 2017

Non-fungible Token existieren nicht erst seit diesem Jahr. Bereits zum ICO-Hype in 2017 gab es mit Cryptokitties und CryptoPunks die ersten NFT Collectibles. Mit dem damaligen Krypto-Hype floss auch in diese Projekte viel Geld. Zum Höhepunkt wurden einzelne Katzenbilder für fünfstellige Beträge gehandelt. Mit dem Ende des ICO-Hypes verschwand das Thema NFT aber erst einmal vom Radar.

Seitdem hat sich viel geändert. Gab es damals noch keine nutzerfreundliche und massentaugliche Infrastruktur, so sprechen Projekte wie Top Shot von Dapper Labs eine andere Sprache. Man adressiert nicht mehr Krypto-Nerds, die in der Welt der Wallets, Token und dezentralen Exchanges zu Hause sind. Dies zeigt sich am erfolgreichsten NFT-Projekt von Dapper Labs. Mit niemand geringerem als der NBA, also der in den USA sehr großen, bekannten und einflussreichen National Basketball Association, hat man einen Lizenzvertrag geschlossen. Vergleichbar mit den Panini-Sammelheften können so Fans ihren Sport-Idolen ganz nah kommen. Diese sogenannten Top Shots sind Videos oder Bilder von wichtigen Basketball-Ereignissen. Bewusst knappgehalten werden auf der angeschlossenen NFT-Börse horrende Preise für die bekannten Basketball-Momente gezahlt.

Glücksritter außerhalb der Krypto-Szene

Mehr als jedes andere Phänomen der Krypto-Ökonomie wie Token Sales, Staking oder DeFi richten sich Non-fungible Token gezielt an Menschen, die unter Umständen keinerlei Krypto-Affinität besitzen. In kurzer Zeit kommen so viele Millionen Menschen in Kontakt mit Token, die zuvor noch nie etwas mit Bitcoin und Co. zu tun gehabt haben. Es ist daher durchaus zu erwarten, dass der wirklich große Hype noch bevorsteht. Korrespondierend zum coronabedingten Spekulationsfieber an den Börsen dürfte durch bekannte Marken wie die NBA noch viel Geld von Kleinanlegern in den NFT-Markt fließen und diesen weiter aufheizen.

Der Wunsch, mit NFT schnell reich zu werden, dürfte ebenfalls immer mehr Glücksritter anziehen. Je mehr “Dumb Money” in den Markt fließt und die Bewertungen in astronomische Höhen treibt, desto stärker bewegt man sich auch auf eine gefährliche Blase zu. So ist es am Ende eines Innovationszyklus oftmals das Dumb Money, das das Fass zum Überlaufen bringt und den Knall herbeiführt.

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Was für 3D-Drucker und Flugtaxen gilt, gilt auch für Non-fungible Token

Hat der Markt für 3D-Drucker und Flugtaxen ein großes Potenzial und wird in fünf oder zehn Jahren deutlich größer sein als heute? Die Frage dürfte man mit Ja beantworten können. Genauso wie Smart Money in diesen Branchen steckt, steckt auch viel Smart Money in NFT. Es besteht wenig Zweifel daran, dass NFT in den nächsten Jahren einen massiven Einfluss auf unsere Wertschöpfung ausüben werden.

Dennoch gilt dabei, dass keine Branche oder Technologie vor Blasenbildung ausgeschlossen ist. Technologieblasen sind sogar sehr wünschenswert. Es wird viel Kapital und Aufmerksamkeit in einen neuen Bereich gelenkt. Nicht nur werden dadurch ausreichend Investitionsmittel zur Verfügung gestellt, auch werden kluge Köpfe angelockt, die an der Weiterentwicklung der Technologie mitwirken. Natürlich entstehen auch Luftschlösser und substanzlose Projekte. Wenn es dann zum Platzen der Blase kommt, werden diese im Idealfall aber herausgespült und es kommt zu einer Marktbereinigung.

Befindet sich der NFT-Sektor in einer Blase?

Auf den NFT-Sektor bezogen kann man auch heute bereits eine Blasenbildung erkennen. Es werden Bewertungen für NFT-Projekte aufgerufen – insbesondere für NFT-Kunst auf Marktplätzen wie SuperRare – die sich nicht auf Dauer durchsetzen dürften. Dennoch ist dieser Markt verschwindend gering kapitalisiert. Die Fallhöhe eher überschaubar.

Vielmehr spricht einiges dafür, dass die eigentliche Übertreibung im NFT-Sektor noch bevorsteht. In der breiten Öffentlichkeit sind NFT immer noch weitestgehend unbekannt. Die Top Shots von Dapper Labs sind das erste Projekt, das auch nennenswert außerhalb der Krypto-Szene neue Investoren respektive Spekulanten anzieht. Sollten in nächster Zeit immer mehr große Marken mit großer Anhängerschaft NFT für sich entdecken, dann dürfte die eigentliche Geld-Lawine noch auf uns zurollen.

Nike und Kim Kardashian

Ein mögliches Szenario, das für eine “richtige” NFT-Blase sorgen könnte, könnte von Bekleidungskonzernen wie Nike oder Super-Influencern wie Kim Kardashian ausgehen. Wenn Nike mit seinem Patent “CryptoKicks” Ernst macht und zukünftig NFT zum Sneakerkauf herausgibt, dann wird ein vollkommen neues Level an öffentlicher Aufmerksamkeit für NFT generiert. Wenn dann auch noch bekannte Superstarts mit Millionen von Followern auf Instagram, Facebook oder TikTok ihre eigenen NFT herausgeben, besteht höchste Blasengefahr.

Zwar werden sich NFT langfristig als etwas Selbstverständliches in der Entertainment- und Lifestylebranche etablieren – jeder bekannte Musiker oder Künstler dürfte in zehn Jahren zu seinem neuen Album auch NFT herausgeben. Bis es zu dieser Normalität kommt, wird es aber eben auch die ein oder andere Blase geben.

Timing ist alles

Der NFT-Sektor ist aktuell noch so klein, dass er stark von externen Faktoren abhängt. Wenn der Krypto-Markt crashen sollte, dann wird auch der NFT-Markt, ähnlich wie der DeFi-Sektor, stark einknicken. Bis sich der NFT-Sektor vom restlichen Krypto-Markt entkoppeln kann, braucht es erst noch die großen Brands und Influencer, die NFT wirklich Mainstream-tauglich machen. Auch braucht es eine noch stärkere NFT-Nutzung in Virtual-Reality-Umgebungen und im Gaming-Bereich.

Die spannende Frage lautet, ob es vorher zu einer Bereinigung im NFT-Sektor kommt oder ob starke Brands und Super-Influencer jeglichen Korrekturversuch der Branche zunichtemachen. Wer diese Dynamiken gut timed, also versteht auf der Welle mitzureiten, kann sehr viel Geld in sehr kurzer Zeit verdienen. Auf der anderen Seite heißt das aber auch, dass sich noch sehr viele Menschen in Zukunft die Finger an NFT verbrennen werden. Wer in diesem aufstrebenden jungen Sektor mitmischen möchte, sollte dies also immer nur mit Spielgeld machen, dessen Verlust er problemlos verschmerzen kann.

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