Facebook vs. dezentral Metaverse: Die größte Chance für den Krypto-Sektor?
Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 5 Minuten

Eine virtual Reality Brille liegt auf einem Tisch ab und symbolisiert das Metaverse

Quelle: Shutterstock

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Der Begriff Metaverse ist nicht neu, doch hat Facebook-Gründer Mark Zuckerberg dem Wort kürzlich eine neue Relevanz verpasst, indem er den virtuellen Raum zur Konzernpriorität erklärt hat. Worum es bei dem Metaverse geht, warum Facebook darauf setzt und welche Chancen sich für den Krypto-Sektor ergeben.

Eine der großen Fragen unseres Jahrzehntes ist die folgende: Wer gewinnt die Oberhand in der digitalen Ökonomie. Die zentrale Plattform-Ökonomie oder dezentrale Alternativangebote? Das vielleicht größte und zugleich entfernteste Schlachtfeld, das diese Frage entscheiden wird, ist das Metaverse.


Was ist das Metaverse?

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat kürzlich deutlich gemacht, wo er die Zukunft seines Unternehmens sieht: im sogenannten Metaverse. Was sich nach Science-Fiction anhört, wird immer stärker zur Realität. Anstatt über Tastatur und Maus “passiv” im Internet zu surfen, steckt man mittendrin im virtuellen Raum. Es geht um nichts Geringes als ein Leben im digitalen Raum. Freunde treffen, Arbeiten, Shoppen, Sport treiben, ins Kino gehen und so weiter und so fort: Alles, was man im analogen Leben machen kann, soll zukünftig auch in rein digitalen Welten abgebildet werden. Aus den physischen Handtaschen und Sneakern werden dann beispielsweise digitale Pendants, die man in einem virtuellen Laden erwerben und bei einem Geschäftsmeeting tragen kann.

In dieser digitalen Welt entsteht zugleich eine eigene Ökonomie. Konnte man bislang im Internet auf Webseiten wie Zalando neue Schuhe bestellen, dann geht es im Metaverse darum, diese neuen Schuhe auch seinem digitalen Avatar, zugänglich zu machen. Zum Einsatz kommt dabei vor allem die Virtual oder Augmented Reality, wie sie beispielsweise Facebook mit ihrer VR-Simulation Horizon sowie ihrer VR-Brille Oculus entwickelt.

Von der kommerziellen Praxis, wie man sie sich in Zukunft vorstellen mag, sind wir zwar noch weit entfernt. Doch sind in den letzten Monaten mehrere Projekte entstanden, die sich aufmachen, das zukünftige Metaverse nach ihren Vorstellungen zu gestalten.

Metaverse: Braucht es die Blockchain?

Für Krypto-Enthusiasten mag klar sein, dass diese neuen Welten auf tokenbasierten Infrastrukturen entstehen müssen. Schließlich geht es auch um digitale Identitäten oder digitalen Besitz – die Tokenisierung wird so schnell zur Grundvoraussetzung für eine funktionierende Ökonomie. Ohne eine Token-Ökonomie stellt sich die Frage, wie man sonst eine Übertragung von Eigentum oder eine zweifelsfreie Identifizierung gewährleisten soll.

Wem etwas gehört, was Original oder Kopie ist, würde ohne eine dezentrale Blockchain-Lösung bei dem Mittelsmann, wie eben Facebook, verbleiben. So groß der Einfluss von Facebook heute bereits ist, würde er durch die erfolgreiche Erschließung des Metaverse signifikant übertroffen werden. Die Abhängigkeit wäre gigantisch, da die Ausgestaltung unseres digitalen Lebens in großem Maße von einem oder wenigen Konzernen abhängig wäre.

Demokratie nur mit der Blockchain?

Je nachdem, wie weit man in die Zukunft reist, dann könnte Facebook zu einer neuen Form eines digitalen Staates werden. Nach gegenwärtigem Stand wäre dieser digitale Staat allerdings nicht demokratisch. Schließlich fehlt es an den grundlegenden Mitbestimmungs- und Kontrollrechten der digitalen Einwohner.


Im Umkehrschluss wäre ein dezentrales Metaverse, wie es wiederum Projekte wie Decentraland oder Somnium versuchen zu bauen, deutlich näher an unserer westlich-demokratischen Staatsvorstellung. Das Blockchain-Protokoll im Metaverse könnte als Grundgesetz verstanden werden, wobei die Teilnehmer abstimmen, was umgesetzt oder geändert wird und was nicht. Der Schutz des Eigentums und der digitalen Identität wäre zugleich automatisch geschützt, da die unterschiedlichen Token in der Kontrolle des Individuums verbleiben. So entfernt diese Szenarien und Überlegungen aktuell noch sein mögen, findet der Wettbewerb um die Hoheit im Metaverse bereits heute statt.

Token-Ökonomie vorprogrammiert

Nun mag man einhaken, dass auch Facebook auf Token und Blockchain-artige Infrastrukturen zurückgreifen wird. Tokenbasiert wird das Metaverse auf jeden Fall, ganz gleich, ob dezentral oder nicht. Es ist stark davon auszugehen, dass Zuckerberg mit dem eigenen Stablecoin-Projekt Diem auch auf das Metaverse abzielt. Dass man Token nutzen wird, um programmierbare Zahlungen zu ermöglichen, ist naheliegend.

Doch wie bereits angemerkt, kommt es hierbei auf die Dezentralität an. Auch digitales Zentralbankgeld kann man in Tokenform im Metaverse nutzen. Dieses hat wiederum mit Dezentralität und mit Blockchain im ursprünglichen Sinn nichts gemein. Auch Facebooks Diem ist nicht wirklich dezentral, da wenige Konzerne mit homogenen Interessen die Infrastruktur kontrollieren. Entscheidend ist also die grundlegende Infrastruktur, das “Betriebssystem” oder der Basislayer – weniger die Frage, ob tokenbasiert oder nicht.

Die größte Chance für Kryptowährungen

Das Metaverse, wie es in Zukunft entstehen wird, könnte zur größten Chance für Kryptowährungen werden. Die kommerzielle Nutzung sowie das volle Potenzial von Kryptowährungen und insbesondere Non-fungible Token (NFT) kann sich in der ausschließlich digitalen Umgebung voll entfalten. Bereits heute kommen in den noch eher unfertigen Blockchain-Metaversen wie Decentraland NFT zum Einsatz. Unter anderem kann man so digitale Grundstücke via NFT erwerben und handeln.

Neben NFT könnte auch das Konzept der Social Token durch das Metaverse profitieren. Bei den “sozialen Token” geht es um die Tokenisierung der personenbezogenen Reputation und der sozialen Interaktion wie sie beispielsweise auf Twitter stattfindet. Im Metaverse kommen also unterschiedliche Token-Arten, wie Payment, Utility oder NFT zusammen, um die unterschiedlichen Rechte und Zugänge abzubilden.

Wie es weitergeht

So aussichtsreich das Metaverse auch sein mag, darf nicht vergessen werden, dass die dafür notwendigen Gesetze noch nicht existieren. Ein Eigentumsübertrag durch NFT ist rechtlich beispielsweise gar nicht möglich. Es ist also nicht nur die Technologie, sondern auch die rechtliche Situation, die dem Entstehen der digitalen Welten noch einige Steine in den Weg legt.

Unter dem Gesichtspunkt der Nutzerfreundlichkeit und des Angebots dürfte ein zentralisiertes Facebook-Metaverse-Projekt den Blockchain-Alternativen überlegen sein. Für das Gros der Endnutzer wird ein aufregendes VR-Erlebnis anfänglich im Vordergrund stehen. Die Annäherung an das Thema Metaverse ist für die meisten Menschen eher spielerischer Natur. Das Bewusstsein, dass es um viel mehr geht – etwa digitale Innenstädte, in denen Menschen arbeiten und einkaufen können – dürfte sich erst viel später kultivieren. Die ökonomische Dimension, die ein dezentrales Konzept beziehungsweise Governance so wichtig macht, wird sich erst zu einem späteren Entwicklungszeitpunkt im Bewusstsein der Nutzer einprägen. Bis dahin bleibt zu hoffen, dass die “alten Akteure” die Blockchain-Alternativen nicht abhängen.



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