Self-Sovereign Identity Wie schafft die Blockchain mehr Datensicherheit und Selbstbestimmung für Privatpersonen und Unternehmen?
Duc Au

von Duc Au

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Datensicherheit

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In der heutigen modernen Zeit besitzt jeder Mensch nach wie vor eine Vielzahl an verschiedenen analogen Nachweisen für die eigene Identität. Dies ist nicht nur altmodisch, sondern auch unsicher und schwer zu überblicken. Zusammen mit der Blockchain-Technologie entwickelte sich in den vergangenen Jahren das Konzept der selbstbestimmten Identitätsverwaltung, das im englischen Fachjargon auch als “Self-Sovereign Identity” (SSI) bezeichnet wird. Der Artikel beschreibt den Grundgedanken sowie die Vision, wie SSI den Bürger:innen mehr Selbstbestimmtheit über die eigenen persönlichen Daten zurückgeben kann.

Was ist eigentlich eine (digitale) Identität?

Orientiert man sich an der Definition vom Duden, so wird im Identitätszusammenhang von der “Echtheit einer Person” und über “völlige Übereinstimmung mit dem, was sie ist” gesprochen (Vgl. Duden, 2021). Ein klassisches Beispiel dafür ist der physische Personalausweis oder Reisepass, welcher die individuellen persönlichen Identitätsmerkmale einer Person nachweisen (zum Beispiel Geburtsdatum, Augenfarbe, Größe). Mit diesem Legitimationsdokument können Bürger:innen sich beispielsweise bei einer Fahrerlaubnisbehörde oder bei einem Kreditinstitut ausweisen, um bestimmte Services und Produkte in Anspruch zu nehmen.

Doch der Identitätsbegriff umfasst mehr als lediglich den Nachweis über das klassische Legitimationspapier. Mit Blick in die eigene Brieftasche (oder analoge Wallet) finden sich in der Regel auch noch Nachweise wie der Führerschein, die Gesundheitskarte, der Betriebsausweis des Arbeitgebers, die Kreditkarte oder Mitgliedsausweise bzw. Kundenkarten diverser Organisationen. Weitere Identitätsnachweise, die eher in Aktenordnern zu finden sind, sind beispielsweise die Eheurkunde, das Hochschulzeugnis, die Geburtsurkunde oder der Grundbuchauszug mit dem Nachweis über Wohneigentum. Die hier aufgezählten Identitäten und Nachweise sind typisch für das Zeitalter vor der Entstehung des Internets im Jahre 1990. Doch mit der Nutzung des World Wide Web kamen zusätzliche elektronische Identitäten in Form von Online-Accounts hinzu, wo Bürger:innen sich mittels Benutzernamen und Passwörtern authentisieren.

Laut einer aktuellen Studie der Bundesdruckerei besitzt jede/r Europäer:in “gut 90 digitale Identitäten, Tendenz steigend” (Vgl. Bundesdruckerei, 2020). Die Ergebnisse unterstreichen die eingangs erwähnte Herausforderung, den Überblick über die eigenen Identitäten mitsamt entsprechenden Nachweisen zu behalten. Denn wer kann schon 90 verschiedene Online-Accounts, die im besten Falle durch verschiedene Benutzernamen, Passwörter sowie zusätzliche 2-Faktor-Authentifizierungsverfahren abgesichert sind, und die papierhaften Nachweise in den eigenen vier Wänden stets überblicken? 

Bedeutung digitaler Identitäten für moderne Services & Produkte

Aus den genannten Gründen schafft die Digitalisierung von analogen Identitätsnachweisen nicht nur Erleichterungen im Sinne der Verwaltung für Bürger:innen, sondern ebnet vor allem auch den Weg für die Privatwirtschaft und den öffentlichen Sektor vollends digitale Services anzubieten. Denn das große Digitalisierungshemmnis in Deutschland kann unter anderem auf das Fehlen von einfach zu nutzenden digitalen Identitäten und Nachweisen zurückgeführt werden. Daher beinhaltet die Blockchain-Strategie der Bundesregierung – neben vielen weiteren wichtigen Innovationsthemen – vor allem ein Kapitel zu digitalisierenden Verwaltungsdienstleistungen (Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), 2019).


Mit dem Innovationswettbewerb “Schaufenster Sichere Digitale Identitäten” welcher durch das BMWi organisiert wird, sollen ausgewählte Identitätsprojekte zur Datensicherheit und -souveränität gefördert werden. Aktuell werden insgesamt vier sogenannte Schaufensterprojekte mit insgesamt 50 Millionen Euro gefördert, um bis 2024 Software zu entwickeln, praxisrelevante Anwendungsfälle zu erforschen und final umzusetzen. Eins der geförderten Projekte ist das Konsortium “IDunion”, das das Ziel verfolgt “ein offenes Ökosystem für die dezentrale Identitätsverwaltung auf Basis der SSI-Technologie, welches weltweit nutzbar ist und sich an europäischen Werten und Regularien orientiert” zu schaffen. 

Die Bemühungen sowie Fördermittel der Bundesregierung liegen darin begründet, dass eine Vielzahl von alltäglichen Anwendungsmöglichkeiten im Bereich Identifizierung und Authentifizierung in Verbindung mit SSI gelöst werden können, ohne sich dabei von großen amerikanischen Technologieunternehmen abhängig zu machen. Dadurch können alle involvierten Parteien profitieren. Abbildung 1 zeigt die beispielhaften Anwendungsmöglichkeiten von digitalen Identitäten und Nachweisen. So kann beispielsweise der BAföG-Antrag zukünftig vollends digital erfolgen, indem u.a. der digitale Personalausweis (auch “Basis-ID” genannt) und die digitale Bankkonto-Identität verwendet werden (Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, 2019).

Abbildung 1: Beispielhafte Anwendungsfälle für digitale Identitäten und Nachweise. Quelle: Bundesregierung, 2021

Die Beispiele sollen verdeutlichen, dass neue digitale Prozesse, die End-to-End stattfinden, enorme Mehrwerte für (1) Bürger:innen, (2) Unternehmen und zuletzt (3) Regierungen schaffen können. Im Folgenden werden auszugsweise einige Mehrwerte beschrieben:


(1) Bürger:innen

  • Vielfalt an digitalen Services und Produkten: vormals analoge Dienstleistungen sowie der Abschluss von bestimmten Produkten können nun auch digital erfolgen, sodass der klassische Gang in Filialen, Geschäften oder Bürogebäuden erspart bleibt
  • Zeitersparnis: Bürger:innen können auf Grund digitaler Prozesse flexibel agieren und sich auch außerhalb klassischer Öffnungs- oder Arbeitszeiten um Erledigungen kümmern
  • Flexibilität: Services oder Produktabschlüsse werden dadurch von überall aus erreichbar sein, wenn eine Internetverbindung sowie ein Smartphone oder Computer zur Verfügung stehen

(2) Unternehmen und (3) Regierungen

  • Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit: digitale Prozesse schaffen beispielsweise zusätzliche Einnahmequellen, indem neue digital-affine Kund:innen angesprochen werden.
  • Arbeitsentlastung der Mitarbeiter:innen: Personal kann sich auf wesentliche Kerntätigkeiten, die zu komplex für digitale Prozesse sind, konzentrieren. Dies führt u.a. auch zu Kosteneinsparungen im Personalbereich.
  • Automatisierung von Prozessen: digitale Identitäten können nicht nur auf Personen, sondern auch auf Unternehmen und Maschinen (Stichwort: Internet-of-Things) angewendet werden. Daraus ergeben sich vielfältige Innovationspotentiale, die realisiert und wiederum zahlreiche Mehrwerte mit sich bringen können.
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