(K)eine Revolution Krypto-Sektor: Der große Strategiewechsel und seine Folgen
Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Karabinerhakenzeigen Strategiewechsel im Krypto Sektor

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Wie wirkungsmächtig der Staat im Krypto-Sektor sein kann, hat das bisherige Jahr 2021 gezeigt. Manch lautstarker Krypto-Veteran musste sich kleinlaut auf Twitter und Co. geben, um nicht in Ungnade zu fallen. Wie sich der neue politische Einfluss auf die Ausrichtung des Krypto-Sektors bemerkbar macht und welche Strategien man sich bereits aus anderen Branchen abgeschaut hat.

Dass die Staaten die Regulierung im Krypto-Sektor anziehen, hat inzwischen jeder mitbekommen. Aus einstigen Rebellen, die sich vom Staat nichts sagen lassen wollen, sind inzwischen zarte Lämmchen geworden. Das Jahr 2021 hat stärker denn je gezeigt, wie sehr der Blockchain-Sektor gezwungen ist, sich anzupassen.


Hauptsache Compliant: Rebellen sterben aus

Besonders offensichtlich wird dieser Strategiewechsel vom Binance CEO Changpeng Zhao (aka “CZ”) verkörpert. Als größte Krypto-Börse hat Binance ein Vermögen verdient, indem es in einem Graubereich agiert. Soll bedeuten, was Binance macht, ist keineswegs illegal, aber es fehlt größtenteils an den nationalen Zustimmungen der jeweiligen Finanzaufsichten, um das Geschäft regional bewerben zu dürfen. Gleichzeitig haben zahlreiche Jurisdiktionen Warnmeldungen zu Binance veröffentlicht. Kurzum: CZ musste feststellen, dass er mit der alten Strategie nicht langfristig durchkommen wird. Zumal Konkurrenten wie Coinbase Hand in Hand mit den Regulatoren gehen und in den Genuss von Lizenzen kommen, um ihr Geschäft regional, wie insbesondere in Deutschland, auszubauen.

Anstatt über Regulierung zu schimpfen, hat sich CZ nun um 180 Grad – zumindest in der Außenwirkung – gedreht. Regelmäßig schmeichelt CZ den Behörden und verkündet auf Twitter, wie wichtig doch eine strenge Regulierung sei. Höchste Regulierungsstandards sind nun Konzernpriorität Nr.1 und werden in der Außenkommunikation als Herzensangelegenheit vom Twitter-süchtigen CEO nach außen getragen. Glaubwürdig ist anders. Doch zeigt es die Macht der staatlichen Regulierung. Auch Krypto-Konzerne mit gigantischen Kapitaltöpfen müssen sich am Ende den Vorgaben beugen.

Der Klassiker: Vermeintliche Selbstregulierung

Ein absoluter Klassiker in der Geschichte von Branchen, die unter staatlichen Beschuss geraten, ist der Ausbau der proaktiven Selbstregulierung. Bei dieser Strategie versucht man dem Staat zuvor zukommen, um drohende, überbordende Regulierung im Vorfeld zu unterdrücken. Man denke hier nur an die Alkoholindustrie, die immer wieder versucht, sich eigene Industriestandards zum Schutze des Verbrauches aufzuerlegen – Stichwort: verantwortungsvolles Trinken.

Dieses Strategiemittel wird nun unter anderem von der neu gegründeten Industrieinitiative Cryptocurrency Compliance Cooperative (CCC) aus den USA verfolgt. Die Bitcoin-ATM-Unternehmen Coinsource und Digital Mint haben im August diese Initiative gegründet, um den Geldwäschebedenken des Staates entgegen zu kommen. Eigene hohe Standards sollen so verhindern, dass Kriminelle respektive Steuersünder die Bitcoin-Geldautomaten zur Geldwäsche missbrauchen.


Green Mining als freiwillige Pflichtveranstaltung

In eine ähnliche Kerbe schlägt auch das ebenfalls neu gegründete Bitcoin Mining Council. Nachdem im Frühjahr dieses Jahres eine heftige öffentliche Diskussion um Bitcoins Stromverbrauch entbrannt ist, hat sich die Initiative zum Ziel gesetzt, nachhaltiges Mining zu promoten. Zugpferde wie Michael Saylor und Elon Musk unterstützen die Initiative, um grünes Bitcoin Mining zu fördern und damit das öffentliche Ansehen zu verbessern. Schließlich nutzen einige Staaten den hohen Energieverbrauch von Bitcoin, um ein Mining-Verbot zu rechtfertigen. Je eher die Industrie auf komplett regenerative Energien zurückgreift, desto besser die Chancen, einer restriktiven Regulierung zu entgehen.

Wie groß der Druck ist, musste Elon Musk schließlich selbst erleben. So musste der reichste Mann der Welt einknicken und den geplanten Bitcoin-Zahlungen für Tesla-Modelle eine Absage erteilen. Der Silicon-Valley-Rebell hat sich damit ähnlich wie Binance CEO CZ dem öffentlichen Druck untergeordnet. Erst wenn das Mining einen ausreichend hohen Grad an regenerativen Energien aufweist, möchte der Tesla-Chef Bitcoin-Zahlungen für seine Elektroautos akzeptieren.

Beschlossenes Schicksal für den Krypto-Sektor?

Wie auch andere Sektoren kann sich die Krypto-Branche den Themen Nachhaltigkeit und Social Corporate Responsibility (CSR) nicht entziehen, ohne massive wirtschaftliche Nachteile in Kauf zu nehmen. Nicht jeder mag diese Anpassung begrüßen, doch ist sie letztlich Teil einer Professionalisierung. Schließlich geht es nicht mehr nur primär um Privatkunden, die im Zweifel auch auf Krypto-Börsen und Verwahrdienstleistungen zurückgreifen, die nicht den höchsten Regulierungsstandards entsprechen.

Bei institutionellen Anlegern sieht dies anders aus. Eine deutsche Vermögensverwaltung wird daher ihre Krypto-Geschäfte im Zweifel über Coinbase, anstatt über Binance abwickeln. Auch müssen sich institutionelle Investoren in den meisten Fällen rechtfertigen, worein sie investieren. Sollten dies Bitcoin-Mining-Anlagen sein, die beispielsweise via Kohlestrom betrieben werden, dann können diese auch in Erklärungsnot kommen.

Es ist also nicht nur die strenger werdende staatliche Regulierung, die die Krypto-Branche zu bestimmten Veränderungen zwingt, sondern auch der neue Kundenkreis, ergo das B2B-Geschäft. Es ist kein Geheimwissen, dass dort das meiste Geld liegt und nicht bei den Privatkunden.



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