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Nach FTX-Desaster Wie geht es mit der Krypto-Regulierung weiter?

Der Zusammenbruch von FTX wirft Fragen auf. Wie soll es mit der Regulierung im Krypto-Sektor jetzt weitergehen?

Johannes Macswayed
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Richterhammer

Beitragsbild: Shutterstock

| FTX ist zusammengebrochen – werden strengere Regulierungen für den gesamten Krypto-Sektor die Folge sein?

Die Nachbeben des FTX-Kollapses beginnen gut eine Woche danach im Sektor zu wüten. Die Furcht vor einer harten Regulierung wächst von Tag zu Tag. In den USA sind bereits mehrere Finanzaufsichten in den Fall involviert. Und stand das Vertrauen in den Krypto-Sektor ihrerseits schon vorher auf wackeligen Beinen, dürfte es jetzt völlig in Trümmern liegen.

Sam Bankman-Fried soll eigentlich ein gutes Verhältnis mit den Gesetzesgebern gehabt haben. Der Fall FTX dürfte sich für die involvierten Politiker daher nicht nur wie ein Vertrauensbruch, sondern eine regelrechte Blamage anfühlen. Harte Konsequenzen könnten die Folge sein.

Mehr (Selbst-)Regulierung im Krypto-Space?

Unmittelbar nach den Ereignissen in der Causa FTX meldeten sich zahlreiche Stimmen aus der Politik zu Wort. Leiter der Börsenaufsicht in den USA (SEC), Gary Gensler, forderte demnach mehr Regulierung für den Sektor. Seit Monaten ist seine Behörde damit beschäftigt, kleinere Projekte abzustrafen oder einzelne Influencer zu belangen. Das FTX-Debakel verhinderte ihre “Regulierung durch Belangung” der letzten Monate nicht.

Mit dem derzeit im US-Senat vorgelegten Gesetz für Verbraucherschutz bei digitalen Werten (DCCPA) will eine Vielzahl an US-Senatoren nun endlich klare Richtlinien zur Krypto-Regulierung durchbringen. Der Vorschlag steht jedoch vor allem bei Verfechtern der DeFi-Industrie in der Kritik. Der Vorwurf: DCCPA fördere Zentralisierung und spiele den großen Börsen in die Hände. Das Gesetz erlege in ihren Augen der Krypto-Industrie lediglich das veraltete und fehlerhafte Design der traditionellen Finanzwelt auf. Einer der größten Befürworter des Gesetzes: Sam Bankman-Fried.

Sein Gegenspieler, Binance-Chef Changpeng Zhao (CZ), forderte stattdessen nach mehr Selbstregulierung der anderen, zentralisierten Akteure des Sektors. Beispielsweise über das “Proof-of-Reserves”-Verfahren, in dem Börsen einen regelmäßigen, überprüfbaren Beweis ihrer Krypto-Reserven offenlegen müssen.

Ein Sinneswandel in Sicht?

Sam Bankman Fried reiht sich in eine lange Liste der Gescheiterten im Krypto-Sektor ein. Do Kwon, Kyle Davies, Zu Shu und Alex Maschinsky bilden die traurige Krypto-Prominenz, die dieser Bärenmarkt auf dem Gewissen hat. Rechtliche Konsequenzen trug noch niemand von ihnen. Im Gefängnis sitzt hingegen der Programmierer des Tornado Cash Codes, einer Open-Source-Software zum Schutz der Privatsphäre.

Am Beispiel von Tornado Cash und dem DCCPA kristallisiert sich der Argwohn vieler Regulatoren gegenüber dem dezentralisierten Finanzsystem heraus. Doch das Ziel ihrer Missgunst ist fehlgeleitet. Der dezentrale Sektor scheint zu funktionieren. Dort, wo sich die Macht der zentralisierten Akteure bündelt und auf die neuartigen, größtenteils unbeaufsichtigten Bereiche der Krypto-Industrie trifft, entstehen hingegen toxische Knotenpunkte.

Durch die unklare Regulierung in den entscheidenden Jurisdiktionen der Welt wurden viele Akteure in eine Schattenwelt gedrängt. Hier gilt es nun Licht ins Dunkle zu bringen. In einem Interview erklärte Coinbase-CEO Brian Armstrong, in den neuen Regulierungsbemühungen der EU, Hongkong oder Singapur “positive Schritte in die richtige Richtung” zu sehen.

Ungeachtet einiger anderer Mängel hat die EU beispielsweise mit der neuen MiCA-Verordnung klare Bestimmungen für Börsen zum Umgang mit Kundengeldern niedergelegt. Stefan Berger, Mitglied im EU-Parlament, ist daher zuversichtlich, die “Lehmann Brothers Momente” des Sektors mit der zukünftigen Regulierung verhindern zu können.

Globale Technologie, globale Gesetze

FTX hatte seinen Hauptsitz auf den Bahamas. Hier profitierte die Börse von günstigen, gesetzlichen Bestimmungen, während sie mit ihrem US-Ableger das Image einer Vorzeige-Krypto-Börse genoss. Und obwohl CEO Bankman-Fried bis zuletzt die Sicherheit der US-basierten Handelsplattform beteuerte, waren am Ende beide insolvent.

Jake Chervinsky, Leiter der Lobbygruppe Blockchain Association, sieht darin eines der größten Probleme des Sektors. Seiner Meinung nach gebe es “kein Gesetz im US-Kongress, welches das Scheitern einer Offshore-Firma verhindern könne”.

Damit ist klar: Eine globale Technologie braucht auch eine global koordinierte Gesetzesgebung. Für korrumpierbare Akteure im Sektor muss auf den Bahamas gelten, was ebenso in den USA, der EU oder sonst wo gilt.

Weiter müssen die Handelsplattformen nicht nur einer Prüfung durch Regulatoren, sondern eben auch ihrer Kunden standhalten. Dafür braucht es Technologien, die ähnlich intuitiv und zugänglich sind wie jene, die Kunden bereits auf anderen Plattformen im Web3-Sektor verwenden.

Die Notwendigkeit einer ganzheitlichen Regulierung ist den meisten nun zumindest bewusster denn je. Der Krypto-Sektor ist nach der FTX-Pleite ohnehin um Jahre zurückgesetzt worden. Ein zu hartes Eingreifen der Regulatoren würde diesen Effekt nur verstärken.

Einer gänzlichen Selbstregulierung sollte man angesichts der vergangenen Debakel ebenfalls skeptisch gegenüberstehen. Mit der Blockchain-Technologie wurden der Industrie jedoch ironischerweise alle Mittel in die Hände gelegt, um Vertrauen an wichtigen Stellen durch Kontrolle und Überprüfbarkeit zu ersetzen. Nur müssen diese Mittel richtig eingesetzt werden. Die gesetzliche Verankerung dieser Mittel könnte sich als goldene Mitte erweisen.

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