Rug Pulls und Co. 

Krypto-Betrug: Die häufigsten Maschen und wie du dich schützt

Krypto-Betrug kostet Anleger jährlich Milliarden. Von Phishing über Pig Butchering bis zum Rug Pull: Diese Maschen sollten Anleger kennen.

Markus Maier
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Silhouette einer Frau in einem dunklen Raum

Beitragsbild: Shutterstock

| Krypto-Betrüger setzen auf unterschiedliche Maschen

Kriminalität im Krypto-Bereich fordert jährlich mehrere Milliarden an Schadenssummen und hunderttausende Opfer. Von Love-Scamming über Phishing bis hin zu Rug Pulls oder anderen Formen des Betrugs. Cyberkriminelle nutzen Kryptowährungen, da diese als Anlage sehr beliebt sind und um gezielt ihre Spuren zu verwischen oder Geld vermeidlich anonym über Ländergrenzen hinweg zu bewegen.

Phishing: Seedphrases und Zugangsdaten

Beim Phishing im Kryptobereich geht es den Tätern darum, Private Keys oder Seedphrases zu erlangen, Zugangsdaten zu Börsen abzugreifen oder durch Fake-Support oder andere Formen der Kontaktaufnahme Opfer dazu zu überreden, direkt Kryptowährungen wie Bitcoin an angeblich sichere Wallets zu überweisen.

Das Wort Phishing setzt sich hierbei aus den Wörtern Passwort und Fishing zusammen, also das Angeln nach einem Passwort. Täter nutzen neben der klassischen Phishing-Mail gerne auch SMS, gefälschte Websites, Social-Media-Posts oder QR-Codes. Ein Sonderfall des Phishings ist das sogenannte Vishing. Es setzt sich aus den Wörtern Voice und Phishing zusammen, also Phishing per Telefon. Die Täter geben sich in diesem Fall beispielsweise als Telefon-Support einer Kryptobörse aus und versuchen, an sensible Daten zu gelangen oder ihre Opfer zu einer Überweisung zu drängen.

Neben dem altbekannten Enkeltrick setzen Kriminelle in Zeiten von KI zunehmend auf geklonte Stimmen von Angehörigen, die dann beispielsweise um eine schnelle Überweisung in Bitcoin bitten. Dafür reichen oft schon wenige Sekunden Audiomaterial, beispielsweise aus Videos in sozialen Netzwerken oder aus Sprachnachrichten.

Ponzis und Schneeballsysteme

Schneeballsysteme oder Ponzis funktionieren so, dass Betreiber den Nutzern hohe oder ständige Gewinne versprechen. Diese kommen aber nur dadurch zustande, dass immer mehr Geld von neuen Nutzern eingesammelt wird. Oft werden Nutzer dann dazu animiert, neue Teilnehmer zu akquirieren, damit frisches Kapital nachfließt. Das System bricht zusammen, sobald kein neues Kapital mehr reinkommt. Die Betreiber lösen sich dann meist in Luft auf.

Ein bekanntes Beispiel im Kryptobereich ist der OneCoin-Fall: Ab 2014 verkaufte Ruja Ignatova Finanzbildungspakete, in denen als eigentlicher Kaufanreiz Tokens für eine Kryptowährung steckten, die es aber nie wirklich gab. Weltweit wurden so rund 4 Milliarden US-Dollar erbeutet.

Love Scams und Pig Butchering

Beim Love-Scamming erstellen Täter Profile mit geklauten oder KI-generierten Bildern, nehmen über Social Media oder Dating Apps Kontakt mit potenziellen Opfern auf und spielen diesen die große Liebe vor, um an ihr Geld zu gelangen. Beim Pig Butchering, also “Schweineschlachten”, handelt es sich um eine kryptospezifische Weiterentwicklung des Love-Scams.

Täter bauen hierbei über längere Zeit Vertrauen zu den Opfern auf, um sich dann als erfolgreiche Krypto-Trader zu präsentieren und die Opfer auf gefälschte Plattformen zu lotsen. Dort werden rasant steigende Gewinne angezeigt, und das Opfer wird dazu gedrängt, immer mehr einzuzahlen. Das Schwein wird also gemästet. Will das Opfer sich seine Gewinne auszahlen lassen, werden plötzlich angebliche Steuern oder Gebühren fällig. Am Ende wird das Schwein geschlachtet: Täter und Geld sind weg.

Wash Trades, Pump and Dumps und Rug Pulls

Bei Wash Trades kauft und verkauft eine Person gleichzeitig, sie handelt also mit sich selbst. Hierdurch entsteht der Eindruck, dass das Handelsvolumen und das Interesse an einem Coin groß sind, obwohl er niemals wirklich den Besitzer wechselt. Ziel des Wash Tradings ist es, Anleger zum Einstieg zu verleiten. Sobald deren echte Käufe den Kurs nach oben treiben, verkauft der Betrüger seine eigenen Bestände.

Bei einem Pump and Dump kaufen Täter einen Coin günstig ein und generieren dann Hype auf X oder anderen Plattformen, um den Preis in die Höhe zu treiben. Erreicht der Coin neue Höchststände, verkaufen die Täter ihre Bestände. Wer spät eingestiegen ist, bleibt auf den Verlusten sitzen, da der Kurs nach dem Abverkauf einbricht.

Ein Rug Pull ist dem nicht unähnlich. Die Besonderheit hierbei ist, dass Emittenten, Entwickler und andere Eingeweihte, beispielsweise Finfluencer (Finanz-Influencer), ihre Bestände planmäßig und koordiniert verkaufen oder die Liquidität abziehen. Anschließend wird das Projekt aufgegeben, und Anleger bleiben mit wertlosen Coins zurück.

Besonders geeignet für diese Arten des Betrugs sind Memecoins. Sie lassen sich leicht und kostengünstig erzeugen, und ihr Preis hängt primär von Aufmerksamkeit und Nachfrage ab, weshalb sich der Kurs bei einer geringen Marktkapitalisierung leicht manipulieren lässt.

Die BaFin betont, dass sogenannte Finfluencer bei diesen Arten von Betrug eine wichtige Rolle spielen. Ob bewusst oder unbewusst, sie erzeugen über ihre Posts Hype und lösen bei Anlegern FOMO (“Fear of missing out”) aus.

Exit Scams: Betrug im großen Stil

Ein Exit Scam funktioniert so: Betreiber einer Plattform oder eines Projekts sammeln Gelder von Kunden ein, erbringen aber nie die angekündigte Gegenleistung. Letztendlich tauchen sie mit den Einlagen unter, und das Projekt oder die Börse verschwindet von der Bildfläche. Der Exit Scam ist hierbei ein Oberbegriff. Der sogenannte Rug Pull ist ein Spezialfall, der sich auf Coins und Liquidität im DeFi-Bereich bezieht. Exit Scams können aber auch Kryptobörsen, Investmentplattformen oder andere Marktplätze betreffen.

Die Funktionsweise eines Exit Scams lässt sich gut am Beispiel der türkischen Kryptobörse Thodex erkennen. Die Plattform lief über Jahre scheinbar seriös und konnte in diesem Zeitraum rund 400.000 Kunden gewinnen, die dort insgesamt etwa zwei Milliarden US-Dollar angelegt hatten. 2021 stellte Thodex dann schlagartig den Handel ein, angeblich um sich um eine nicht näher genannte Investition zu kümmern. Kunden hatten keinen Zugriff mehr auf ihre Konten. Gründer Faruk Fatih Özer hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits mutmaßlich mit dem Geld nach Albanien abgesetzt. Ein Jahr später wurde er dort festgenommen, an die Türkei ausgeliefert und 2023 zu 11.000 Jahren Haft verurteilt.

DDos-Attacken: Angriffe auf Infrastruktur

Bei DDoS-Attacken im Kryptobereich handelt es sich um eine Art Sonderfall. Das Ziel solcher Attacken sind nämlich nicht die Anleger selbst, sondern Netzwerke und Infrastrukturen wie Kryptobörsen. Bei einem DDoS-Angriff (Distributed Denial of Service) überfluten Täter einen Server mit gefälschten Anfragen, die gleichzeitig von tausenden gekaperten Geräten aus gesendet werden. Der Server ist dadurch überlastet und für Anleger nicht mehr erreichbar. Die Ziele solcher Attacken sind vielfältig und reichen von der Erpressung der Betreiber bis hin zur Lahmlegung des Handels in volatilen Marktphasen. Manchmal dienen sie auch als Ablenkung, während im Hintergrund ein Hack stattfindet.

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