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Hacker, Millionär, Krypto-Advokat Was wurde aus Kim Dotcom?

Kim “Dotcom” Schmitz ist eine Legende des Internets. Mit seiner Sharehosting-Firma “Megaupload” erwirtschaftete der gebürtige Kieler Millionen und geriet in Konflikt mit der US-Justiz, ehe er sich dem Krypto-Space zuwandte.

Daniel Hoppmann
 |  Lesezeit: 5 Minuten
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Beitragsbild: REUTERS/Mark Coote

Kim Schmitz kommt am 21. Januar 1974 in Kiel zur Welt. Nach eigenen Aussagen ist seine Kindheit schwer durch die Alkoholsucht seines Vaters geprägt. In seiner Autobiografie beschreibt der heute 48-Jährige seine Lebensumstände: “Mein Vater war Alkoholiker. Er hat mich und meine Mutter manchmal krankenhausreif geschlagen”. Seine Mutter habe gleichzeitig mehrere Jobs gehabt, um die Familie über Wasser zu halten.

Um dem Alltag zu entgehen, flüchtet sich Schmitz ins Internet und gibt sich das Pseudonym”Kimble”. Nach einem Fernsehauftritt Mitte der 90er Jahre baut Schmitz ein florierendes Geschäft auf, indem er über Mailboxen Schwarzkopien vertickt. Bezahlen lässt er sich dabei mit gestohlenen Telefonguthabenkarten, sogenannte “Calling Cards”.

Schnell fliegt der Betrug auf. Nach einer Razzia stellen Behörden eine Vielzahl gefälschter Kredit- und Telefonkarten sicher. Um den juristischen Druck abzumildern, wechselt Schmitz die Seiten und bietet seine Dienste einem Rechtsanwalt an. So beschafft er etwa als Testbesteller Informationen über Raubkopien. Dennoch wird ihm 1994 der Prozess wegen Betrugs, Computerbetrugs, Bandenhehlerei und Missbrauchs von Titeln gemacht. Durch seine Kooperationsbereitschaft fällt das Urteil jedoch relativ milde aus – zwei Jahre zur Bewährung für den damals 20-Jährigen.

Vom Hacker zum Jungunternehmer

Schmitz macht sich weiter einen Namen und mutiert vom Hacker zum Jungunternehmer. Nachdem er durch einen Tipp auf Sicherheitsmängel bei der Deutschen Telekom stößt, bietet ihm der Konzern für sein Stillschweigen einen Beratervertrag an. Mithilfe des Honorars gründet Schmitz sein nächstes Unternehmensprojekt – die Data Protect Consulting GmbH. Später verkauft er 80 Prozent der Anteile an den TÜV Rheinland. 2001 folgt die Insolvenz.

Inmitten der Dotcom-Blase gründete Schmitz eine eigene Risikokapitalgesellschaft, wurde jedoch aufgrund bestimmter Vorkommnisse für Insiderhandel angeklagt und zu einer weiteren Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten sowie einer Geldstrafe in Höhe von 100.000 Euro verurteilt.

2002 wandert Schmitz aus. Zunächst zieht es den 28-Jährigen nach Bangkok. Dort bringt man ihn 2007 erstmals mit dem Unternehmen in Verbindung, das ihm seinen legendären Status einbringen wird – Megaupload. Obwohl Schmitz versucht, gegen die Bekanntmachung der Tatsache, dass er hinter Megaupload steht, vorzugehen, gelangt die Information an die Öffentlichkeit.

Megaupload ist zu diesem Zeitpunkt neben Rapidshare und MediaFire einer der größten Anbieter unter den Filehosting-Diensten. Die Plattform finanziert sich dabei durch Werbung und kostenpflichtige Premium-Zugänge. Parallel stößt das Unternehmen mit Megavideo, Megapix und Megabox in die Bereiche des Video-, Image- und Musik-Hostings vor. Zu Hochzeiten arbeiten etwa 155 Personen für die Megaupload Ltd.

Megaupload und Kim Dotcom

2010 ist Schmitz auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Megaupload verzeichnet zu dem Zeitpunkt etwa 180 Millionen registrierter Nutzer. Der Traffic auf seinen Plattformen macht zwischenzeitlich etwa 4 Prozent des gesamten Internetverkehrs aus. Hatte man beispielsweise keine Lust, neue Filme im Kino zu schauen, googelte man zu der Zeit einfach die Filmtitel und machte sich einen entspannten Abend auf der heimischen Couch, ohne dafür einen Cent ausgeben zu müssen – dank Megaupload.

Im selben Jahr entschließt sich Schmitz, nochmals umzuziehen – diesmal nach Neuseeland, wo er auch heute noch lebt. Um seinen Status als Multimillionär zu untermauern, gibt sich der Megaupload CEO den Namen, unter dem ihn später die ganze Welt kennen wird – Kim Dotcom.

Der Höhenflug Dotcoms findet 2012 sein vorläufiges Ende. An seinem Geburtstag stürmen Spezialkräfte der Polizei sein Anwesen und verhaften den frisch gebackenen 38-Jährigen und drei weitere Personen. Sein Vermögen wird beschlagnahmt und alle Mega-Plattformen abgeschaltet. Grund für die Festnahme ist ein Haftbefehl des FBI, das Megaupload Urheberrechtsverletzungen in Höhe von mehr als 500 Millionen US-Dollar vorwirft. Zu den Klägern gehören dabei nicht nur die sechs großen Hollywood-Studios, sondern auch der US-amerikanische Musikindustrie-Verband RIAA. Im März beantragen die USA die Auslieferung. Dort drohen ihm bei einer Verurteilung 20 Jahre Haft.

Einen ersten Teilerfolg im Rechtsstreit erringt Schmitz im Juli. Nach einigen Kehrtwenden läuft das Verfahren jedoch noch bis heute.

Vom Internetmillionär zum Krypto-Advokaten

Abseits der juristischen Grabenkämpfe will Dotcom zurück zu altem Ruhm. Dafür kündigt er im Juli 2016 einen Relaunch seines Sharehoster-Dienstes mit einer Bitcoin-Integration an – zum Release kommt es allerdings nie.

Nachdem er sich zu einem Meinungsführer in der Krypto-Szene entwickelte und einen eigenen Blockchain-basierten Service launchte, meldet sich der mittlerweile 48-Jährige im September letzten Jahres erneut zu Wort. Dabei warnt er vor einer Hyperinflation und ruft seine Followerschaft zum Kauf von Kryptowährungen auf.

Kim Dotcom ist wohl die Definition eines extravaganten Neureichen, dem nicht viel daran gelegen ist, seine Meinungen zu vertreten – und sie (Profit-orientiert) zu vermarkten. Dabei stand er oftmals mit einem Bein im Gefängnis. Die Auseinandersetzungen mit der US-Justiz haben ihn politisiert und dadurch auch ein Stück weit reifen lassen. Dennoch polarisiert Dotcom die Massen. Manche sehen ihn als Freiheitsaktivisten, andere bezeichnen ihn als Betrüger und Kriminellen. Eines ist er ganz sicher – eine Internet-Legende.

Disclaimer

Der Beitrag wurde redaktionell überarbeitet und ist zuerst in der November-Ausgabe des BTC-ECHO Magazins erschienen.

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