Redaktioneller Hinweis (Stand: Juli 2026): Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Oktober 2021 und gibt den damaligen Ermittlungs- und Verfahrensstand wieder. Zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung befand sich Jörg Molt in Untersuchungshaft; ein Hauptverhandlungstermin war noch nicht bestimmt. Diese Passagen sind aufgrund des späteren Verfahrensabschlusses inzwischen überholt.
Das Strafverfahren ist inzwischen abgeschlossen. Das Landgericht Landshut verurteilte Jörg Molt im November 2022 wegen Untreue in 262 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten. Das Urteil ist rechtskräftig. Anders als im ursprünglichen Ermittlungsverfahren zunächst angenommen, erfolgte die Verurteilung nicht wegen Betrugs, sondern wegen Untreue. Die im Beitrag wiedergegebenen Vorwürfe des gewerbsmäßigen Betrugs entsprechen dem damaligen Ermittlungsstand und der damaligen Auffassung der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg und sind entsprechend einzuordnen. Hier geht es zum Bericht: Jörg “Faketoshi” Molt muss ins Gefängnis
Bevor Jörg Molt den Weg in Richtung Bitcoin einschlug, war er vieles: Songwriter, IT-Manager, Callcenter-Leiter oder auch DJ Sunlove – “der Allround DJ”. Selbst ein Manifest hat er geschrieben und auf dem Karriere-Portal LinkedIn zum Download bereitgestellt. Es beginnt so:
Meine Adoptiveltern haben mir beigebracht, ehrlich und vertrauenswürdig zu sein.
Heute wissen wir, dass von diesen Tugenden nicht mehr viel übrig geblieben ist. Mit seiner “Bitcoin Pension” fügte er zahlreichen Anlegern erhebliche finanzielle Schäden zu.
Die Bitcoin Pension – Leben auf Kosten anderer
Das Geschäftskonzept ist dabei einfach erklärt. Anleger transferierten 0,1 BTC an Molt. Wollte man mehr investieren, musste man neue Konten eröffnen. Die Einzahlung war jedoch nur in Bitcoin möglich. Im Gegenzug versprach er üppige Renditen von 2 bis 5 und 5 bis 7 BTC. Erwirtschaften sollte dies eine Mining-Anlage, in die 60 Prozent der Einzahlungen fließen sollten. Dafür wollte Molt zwischen 20.000 bis 30.000 Mining-Geräte anschaffen. Die restlichen 40 Prozent sollten als “sichere Einlage” weggeschlossen werden, hieß es. Hätte das Geschäft mit den Minern nicht funktioniert, so würden die Investoren dank dieser “sicheren Einlagen” zumindest einen Teil ihres Geldes zurückerhalten. Der Wahrheit entsprochen haben diese Angaben Molts nicht, das Geld der Investoren war am Ende gänzlich verschwunden.
Frank Giersberg ist einer der Geschädigten aus dem Verfahren um die Bitcoin Pension. Im Herbst 2017 wird er auf die Bitcoin Pension aufmerksam. Insgesamt investiert der heute 53-jährige 0,85 BTC in das Projekt. Erhalten hat er nichts, auch nicht die 40 Prozent aus der sicher geglaubten Einlage. Gegenüber BTC-ECHO erinnert er sich:
Das Problem bei den 40 Prozent war, dass er dazu auch Private Keys liefern wollte, womit man dann das Geld hätte herausziehen können. Das war am Anfang aber nicht so, und als er die Keys dann nachreichte, kommunizierte er weder den Versand noch die Tatsache, dass die Schlüssel nur eine Gültigkeit von sieben Tagen hatten.
Zu dem Zeitpunkt kommt es zu den ersten Konflikten mit Molt. Durch die fehlende Kommunikation bekamen viele Anleger gar nicht mit, dass sie Private Keys erhalten hatten. Diese schmorten dann im Spam-Ordner und waren nach einer Woche wertlos.
Molt ändert das System. Er erklärt: Nach einer Wartezeit von fünf Jahren sollten Investoren mit der Mail, über die das Konto der Bitcoin Pension lief, eine Auszahlung anfordern. So bekäme man die 40 Prozent zurück.
Ende vergangenen Jahres verkündet Molt dann auf YouTube das Aus der Bitcoin Pension. Danach wird es still um ihn. Es folgen Anzeigen, die Generalstaatsanwaltschaft Bamberg leitet Untersuchungen ein, ein Frankfurter Amtsrichter setzt den Haftbefehl in Vollzug. Im Juli wird Molt dann am Frankfurter Flughafen verhaftet, als er sich Medienberichten zufolge nach Mexiko absetzen wollte.
Aus der Pressemitteilung der Generalstaatsanwaltschaft geht zudem hervor, dass Molt nach aktuellem Ermittlungsstand nie vorgehabt habe, die eingezahlten Gelder auch tatsächlich in eine Mining-Anlage zu investieren. Viel mehr soll er die Finanzmittel für seinen eigenen extravaganten Lebensstil genutzt haben. Auf Anfrage schreibt die Generalstaatsanwaltschaft:
Die intensiven und aufwändig geführten Ermittlungen dauern an. Dem Beschuldigten wird gewerbsmäßiger Betrug in einer Vielzahl von Fällen vorgeworfen. Eine Anklageerhebung ist noch nicht absehbar. Weitere Einzelheiten können aus ermittlungstaktischen Gründen derzeit nicht mitgeteilt werden.
Insgesamt taxiert die Generalstaatsanwaltschaft den Schaden auf etwa 62 Bitcoin (damaliger Gegenwert: 2,38 Millionen Euro). Die tatsächliche Summe dürfte jedoch höher sein, da nicht alle Geschädigten auch Anzeige erstattet haben. Diese Einschätzung entsprach dem damaligen Stand der Ermittlungen. Das Landgericht Landshut verurteilte Molt später wegen Untreue; eine Verurteilung wegen Betrugs erfolgte nicht.
Der “Bitcoin Co-Founder”
Um sich Glaubwürdigkeit im Krypto-Space zu verschaffen, griff Molt zu drastischen Mitteln. So bezeichnete er sich sogar als “Co-Founder” des digitalen Wertspeichers, obwohl seine technische Expertise nicht unbedingt darauf schließen ließ.
So warnte etwa der anerkannte Bitcoin-Spezialist Andreas Antonopoulos gleich in mehreren Sprachen vor Molt.
Vorsicht: Ich habe gehört, dass eine Person namens “Jörg Molt” behauptet, mein Freund und der Erfinder von Bitcoin zu sein. Ich kenne ihn gar nicht. Das sind Lügen!
Unterstützung kommt dabei auch von einer von Molts Ex-Frauen. In einem knapp sechsminütigen Video belastet sie den heute 48-Jährigen schwer. So soll er zum Zeitpunkt der Bitcoin-Entstehung nicht einmal einen Laptop besessen, geschweige denn Ahnung von der Materie gehabt haben.
Weitere Einblicke gibt Frank Giersberg. Er verfolgt Molt bereits seit vielen Jahren. Zu Beginn habe sich der selbsternannte Miterfinder von Bitcoin dabei bescheidener gegeben:
Am Anfang war das ein ganz normaler Junge, der etwas von Bitcoin erzählte und irgendwann ist der dann ausgetickt. Dann war er auf einmal “Bitcoin Co-Founder”. Später hat er dann die “Satoshi School” gegründet und sich dort als Prof. Dr. h.c. Molt ausgegeben.
Die Satoshi School war dabei eine von Molt gegründete “Bildungseinrichtung”. Über die Webseite konnten Interessierte Kurse buchen oder sich zu “Trainern” ausbilden lassen, für Preise zwischen 50 und 350 Euro. Heute ist die Homepage abgeschaltet. Zudem bot Molt über “SatoshiAcademy.info” weitere Kurse teilweise für 10.000 US-Dollar an. Dabei versprach er den Teilnehmern, sie innerhalb eines halben Jahres zu “Blockchain-Spezialisten” auszubilden. Übrigens: Bei dem akademischen Grad “Dr. h.c.” handelt es sich um den Doktorgrad “honoris causa”. Dieser “Ehrendoktortitel” wird von einer Hochschule für besondere Leistungen verliehen, ohne dass dafür eine Dissertation erforderlich ist. Welche Hochschule – wenn überhaupt – ihm den akademischen Grad verliehen hat, ist indes ungewiss.
Lügen haben kurze Beine
Darüber hinaus sorgte Molt im November 2019 für Aufsehen, als er sich zu einer Auseinandersetzung mit dem Krypto-Influencer Kenneth Bosak hinreißen ließ. Nachdem Molt mehrmals als “scheiß Betrüger” bezeichnet wurde, schlug er die Mütze des US-Amerikaners von dessen Kopf. Daraufhin kam es zu Handgreiflichkeiten.
Jahrelang konnte Jörg Molt seine Fassade als Krypto-Experte und angeblicher Miterfinder von Bitcoin aufrechterhalten. Auf dem Rücken seiner Anleger lebte der 48-Jährige ein extravagantes Leben. Dass Lügen im Endeffekt jedoch immer kurze Beine haben, muss Molt nun am eigenen Leib erfahren. Zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung befand sich Molt in Untersuchungshaft. Das Strafverfahren wurde inzwischen abgeschlossen. Das Landgericht Landshut verurteilte ihn im November 2022 wegen Untreue in 262 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten. Eine Verurteilung wegen Betrugs erfolgte nicht. Für zahlreiche Anleger blieb dennoch ein erheblicher finanzieller Schaden bestehen.
