Maximilian Lautenschläger Bitcoin: “Keine signifikante Korrelation zu irgendeiner anderen Assetklasse”
Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 8 Minuten

Maximilian Lautenschläger

Quelle: BTC-ECHO, Maximilian Lautenschläger

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Iconic-Holding-Geschäftsführer und Co-Founder und COO bei Iconic Funds, Maximilian Lautenschläger, im Interview.

Dieses Interview erschien zunächst in der Oktober-Ausgabe des Kryptokompass, dem Magazin für alles rund ums Thema Blockchain.

Es ist kein Geheimwissen, dass die Nachfrage nach regulierten Wertpapieren mit Krypto-Basiswert in den letzten Monaten stark angestiegen ist. Der Frankfurter Krypto-Asset-Manager Iconic Funds sorgt mit seinen Börsen-gelisteten Anleiheprodukten (ETPs) dafür, dass Bitcoin und Co. auch im traditionellen Wertpapierdepot verwahrt werden können. Was professionelle Investoren an Kryptowährungen reizt, welche Auswirkungen ein Bitcoin ETF auf den Markt haben könnte und wie sehr Tech-Aktien mit Blockchain-Protokollen korrelieren, hat uns der Geschäftsführer von Iconic Holding und der COO und Co-Founder von Iconic Funds, Maximilian Lautenschläger, im Interview verraten.

BTC-ECHO: Seit Mai 2021 wird euer Bitcoin ETP an der Deutschen Börse Xetra gehandelt. Wie ist euer bisheriges Resümee dazu?

Maximilian Lautenschläger: Das Produkt wird insgesamt sehr gut aufgenommen. ETPs sind immer noch Vehikel, die die Investoren brauchen, um regulatorische Sicherheit zu haben. Wir sehen aktuell immer mehr ETPs beziehungsweise ETNs die an der Deutschen Börse gehandelt werden können. Das Handelsvolumen ist dabei sehr gut. Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung ist auch die Erlaubnis, dass Spezialfonds in Deutschland ab sofort auch in Kryptowährungen investieren dürfen. 

Der nächste Schritt, der das ganze auf ein höheres Level pushen würde, wäre die Genehmigung eines Bitcoin ETFs.

BTC-ECHO: Token in urkundliche Wertpapierverbriefungen zu verbriefen ist technologisch gesehen ein Rückschritt. Warum sollte ich dennoch bei euch ein Bitcoin-ETP erwerben, anstatt Bitcoin beispielsweise direkt über einen Krypto-Broker zu erwerben?

Maximilian Lautenschläger: Unsere Vision ist, dass wir eines Tages nur noch tokenisierte Finanzinstrumente haben werden. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir einen globalen Markt haben werden, in dem man tokenisierte Violinen mit Schwertern aus World of Warcraft, mit Aktien, Oldtimern, digitalen Wertpapieren, miteinander handeln kann. Das ist außer Frage. Warum dieser Schritt zurück: Aktuelle Studien haben gezeigt, dass – je nach Studie – 84 bis 100 Prozent der Family-Offices bereits in Kryptowährungen investiert sind. Die Erwartungshaltung von diesen Investoren ist, dass sie ein Instrument haben, dem sie vertrauen können, das liquide ist am Zweitmarkt. Denn was wir im Moment nicht haben, ist ein Zweitmarkt, auf dem man alle tokenisierten Assets handeln kann. Im Moment haben wir nur Silo-Lösungen.

Bis dahin wollen Investoren eben das Vehikel nutzen, bei dem die größte Liquidität gegeben ist und das sind eben Handelsplätze wie XETRA.

BTC-ECHO: Und was treibt eure Kunden mehr: die Spekulation auf hohe Renditen oder die Möglichkeit, das Portfolio mit einem weiteren Asset zu diversifizieren?

Maximilian Lautenschläger: Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es nur die Überzeugung ist, dass Blockchain und Krypto die Zukunft ist. Ich würde es unterteilen in verschiedene Investorentypen. Es gibt diejenigen, die einfach gesehen haben, wie extrem schnell es nach oben gehen kann. Das heißt, die nehmen Kryptowährungen als Beschleuniger ins Portfolio.

Der zweite Teil sieht es so wie ich aus Anlageklassensicht, der sagt: Ich möchte ein möglichst diverses Portfolio haben. Und was gehört zu einem diversifizierten Portfolio? Nicht nur Aktien, Renten, Immobilien und Edelmetalle, sondern auch Private Equity, Venture Capital und eben auch Kryptowährungen. Und das ist ja das geniale: Der Krypto-Sektor ist die einzige Anlageklasse, die keine signifikante Korrelation zu irgendeiner anderen Assetklasse hat. Denn, wenn wir zum Beispiel mal Aktien und Immobilien nehmen, sehen wir eine leichte Korrelation; Private Equity wiederum korreliert relativ stark mit Infrastructure und Infrastructure wiederum mit Immobilien. Der Krypto-Sektor ist davon wirklich losgelöst und hat niedrige Korrelationskoeffizienten zu all dem.

Ein anderer Teil der Investoren sieht in der Blockchain-Technologie die Zukunft – und hält es deshalb für geboten, in Ethereum zu investieren. Denn je mehr Applikationen auf Ethereum laufen, desto höher der Kurs. Bitcoin wiederum, gilt als digitales Gold, weshalb Familiy Offices aus Gold herausgehen und stattdessen in BTC investieren. 

BTC-ECHO: Wie stark seht ihr die Nachfrage nach Altcoins gegenüber Bitcoin?


Maximilian Lautenschläger: Die Nachfrage nach Altcoins wird immer größer. Das liegt unter anderem an dem Nachhaltigkeitsthema von Bitcoin. Denn dadurch haben die Leute angefangen nach alternativen Protokollen zu Bitcoin zu suchen. Wir sehen beispielsweise, dass sehr viele der Second-Layer-Blockchains auf Proof of Stake setzen. Ich glaube, der Nachhaltigkeitsaspekt ist so wichtig geworden, dass die Nachfrage nach diesen Altcoins immer höher wird. Die Frage ist am Ende, welche Überzeugung die Leute haben. Glaube ich an das Stock-to-Flow-Modell? Glaube ich an das Narrativ des digitalen Goldes? Mein Eindruck ist aber, dass die Mehrheit der Leute daran glaubt, dass Blockchain die Infrastruktur der Zukunft ist, auf der etwa Finanztransaktionen und Lieferketten abgebildet werden. 

Allerdings merkt man natürlich, dass auf Ethereum zwar das meiste passiert, die Transaktionskosten aber immens sind. IOT Use Cases lohnen sich daher auf Ethereum überhaupt nicht. Das ist beispielsweise Cardano effizienter. Insgesamt dürfte aber die Nachfrage nach allen Altcoins mittelfristig steigen.

Iconic Funds Büro in Frankfurt

BTC-ECHO: Praktisch jede Woche wird ein weiterer Bitcoin-ETF-Antrag bei der amerikanischen Wertpapieraufsicht SEC eingereicht. Wann, glaubst du, ist es so weit und wir sehen die ersten Genehmigungen?

Maximilian Lautenschläger: So vor zwei, drei Jahren hatte man noch gesagt, dass technische Herausforderungen die Genehmigung eines Bitcoin ETFs verhindern. Beispielsweise war nicht klar, wer den Private Key zu den Bitcoin verwaltet. Aber mittlerweile hast du mit Anbietern wie Coinbase Unternehmen, die dieses Dilemma gelöst haben. Damit ist die Genehmigung nur noch eine politische Frage. Wenn wir uns anschauen, was von der SEC kommt, dann sind das eigentlich klare Signale. Beispielsweise hat Kommissarin Peirce schon gesagt, dass es viel zu spät ist, Bitcoin zu verbieten. Ich glaube, dass es von der SEC keinen Grund mehr gibt, nein zu sagen. Deshalb ist es meiner Meinung nach nur eine Frage der Zeit, bis ein ETF genehmigt wird. Die Amerikaner investieren ja bereits in Bitcoin – nur eben über den Grayscale Trust, der ein super ineffizientes Vehikel ist. Ein ETF ist überfällig und würde den Krypto-Sektor als ganzen extrem legitimieren. 

BTC-ECHO: Wie schätzt du den Einfluss einer ETF-Genehmigung auf die Kurse ein?

Maximilian Lautenschläger: Die traditionellen Märkte haben es vorgemacht: Arbitrage wird deutlich schwieriger und der Markt zunehmend effizienter. Ich glaube, dass ein Bitcoin ETF dazu führen wird, dass wir so effiziente Märkte auch im Krypto-Bereich haben werden. Natürlich wird es auch die Möglichkeit geben, Short-Positionen zu machen, was natürlich gerade in Krisenzeiten zu extremen Marktbewegungen führen kann. Die Anzahl der Leute, die langfristig an das Thema glauben, dürfte aber mit einem ETF steigen – das wird der Volatilität am Markt guttun. 

BTC-ECHO: Regelmäßig gebt ihr Analysen und Studien heraus. Was waren bisher eure spannendsten Erkenntnisse?

Maximilian Lautenschläger: Also erstmal erkenntnisreich war der Umstand, dass sich alle Vermutungen, die wir hatten, bewahrheitet haben. Nehmen wir das Thema Korrelation, da werden im Krypto-Bereich leider oft irreführende Aussagen zu gemacht. Konnte Bitcoin zwischen 2011 und 2014 überhaupt mit anderen Assets korreliert sein? Nein, denn damals war die Liquidität überhaupt nicht hoch genug. Ein Asset braucht überhaupt erst einmal eine gewisse Liquidität um überhaupt korrelieren zu können. 

Auch die Frage, was in der Corona-Krise passiert ist, war spannend. Denn in der Corona-Krise war die Korrelation der verschiedenen Asset-Klassen sehr hoch – egal ob du Gold, Aktien, Anleihen oder eben Krypto nimmst. Wenn es so etwas wie einen heiligen Gral der Portfolio-Konstruktion gibt, dann sollte der zumindest zwei Eigenschaften mit sich bringen: Auf der einen Seite sollte der Vermögenswert keine Korrelation zu anderen Assetklassen haben und auf der anderen Seite die Sharpe Ratio erhöhen, also für höheres Risiko kompensieren. Was wir nun gezeigt haben, ist, dass der Krypto-Sektor tatsächlich eine sehr geringe Korrelation zu anderen Asset-Klassen hat. Zweitens konnten wir zeigen, dass egal welchen Portfolio-Typen wir nehmen, seien es Pensionsfondsmodelle, Endowment-Models, balancierte Portfoliomodelle: Von jedem Portfolio-Typ werden nicht nur die Returns erhöht, sondern eben auch die Sharpe Ratio, also auch die Volatilität, die Kryptowährungen ins Portfolio bringen, lohnt sich aufgrund der Mehrerträge.

BTC-ECHO: Zu welcher anderen Assetklasse korreliert der Krypto-Markt denn am meisten?

Maximilian Lautenschläger: Das ist ganz schwer zu sagen. Ich denke aber, dass die ganzen Second-Layer-Blockchains am ehesten mit Tech-Start-ups korrelieren dürften. Denn wenn wir Blockchain zu Marktreife bringen, wird das parallel mit anderen “Mega-Trends” wie Machine Learning, Robotics und künstliche Intelligenz passieren. Das kann schon sein, dass diese Technologien gleichzeitig zu Marktreife kommen. Und daher sollten die dann natürlich auch am meisten miteinander korrelieren. Wenn wir der These folgen, dass Bitcoin digitales Gold ist, dann sollte BTC relativ hoch mit Gold korrelieren. 

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