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Auslaufmodell Apple? Kampf der Web-2.0-Konzerne: Twitter und Reddit vs. Apple und Meta

Wie das Web3 zur größten Bedrohung für Apple werden könnte und warum Twitter und Reddit einen neuen Konflikt unter Web-2.0-Konzernen entfachen.

Sven Wagenknecht
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Beitragsbild: Shutterstock

| Elon Musk könnte mit seinem Kauf von Twitter einen neuen Konflikt unter den Web2-Plattformen anheizen.

Bereits in mehreren Artikeln wurde der Übergang vom Web 2.0 zum Web3 skizziert und auf die Auswirkungen, etwa für die Arbeitswelt, eingegangen. Weniger wurde dabei analysiert, was dieser Transformationsprozess mit den großen Plattformunternehmen des Web 2.0, wie eben Google, Meta, Twitter oder Apple selbst, macht. Es deutet sich bereits an, dass das Web3 einen Richtungsstreit zwischen diesen Tech-Konzernen auslöst.

Krypto-Endgegner Apple

Kein anderes Unternehmen des Silicon Valley steht derart diametral zum Blockchain- beziehungsweise Web3-Narrativ wie Apple. Das Prinzip des geschlossenen Ökosystems, das Schnittstellen nach außen, also zu fremden Dienstleistern oder Hardware-Anbietern, unterbindet, hat der Apple-Konzern perfektioniert. Von der technischen Ausgestaltung des iPhones und MacBooks bis hin zum App-Store oder Apple Music: Niemand soll das eigene Ökosystem verlassen.

Das Apple-Versprechen basiert auf dem Anspruch, das beste Produkt und die beste Dienstleistung gegenüber der Konkurrenz zu bieten. Im Gegenzug isoliert man den Nutzer und schränkt ihn in seinem Kontakt zu Fremdangeboten ein. Das Prinzip Apple erinnert dabei stark an einen autokratischen Wohlfahrtsstaat, ähnlich wie in China oder Dubai. Es wird ein Rundum-Sorglos-Paket versprochen, das im Gegenzug eine kulturelle Öffnung unterbindet.

Apple und seine Anti-Krypto-Richtlinien

Wie bereits berichtet, hat Apple am 24. Oktober neue Richtlinien herausgegeben, die unter anderem auch Krypto-bezogene Themen wie Wallets oder NFTs regeln. Schnell zeigt sich: Die Web3 Features werden derart beschnitten, dass sie rein gar nichts mehr mit dem Web3 zu tun haben. NFTs werden im eigenen Ökosystem “eingesperrt”. So heißt es:

“Apps dürfen keine eigenen Mechanismen verwenden, um Inhalte oder Funktionen freizuschalten, wie z. B. Lizenzschlüssel, Augmented-Reality-Marker, QR-Codes, Kryptowährungen und Wallets für Kryptowährungen.”

Besonders hart treffen die Richtlinien NFTs. Diese dürfen zwar angezeigt werden, allerdings keinerlei Funktion oder Handelbarkeit außerhalb des App-Stores bieten. Auch interne Links, die Kunden zu alternativen Zahlungsmethoden leiten, seien verboten.

Apple und Meta: Ausbeutung mithilfe von Krypto-Features

Dennoch hält Apple gerne die Hand auf, wenn es um NFT-Transaktionen im eigenen Shop geht. Ganze 30 Prozent Provision fallen für jede Transaktion an. Dies wird nur noch von Meta überboten. Der Konzern plant eine Gebühr für Metaverse Items von 47,5 Prozent. Zum Vergleich: NFT-Marktplätze wie OpenSea oder Rarible nehmen nur 2,5 Prozent Gebühr. Dieser Kostenvergleich zeigt, wie unterschiedlich das Selbstverständnis von Web-2.0-Unternehmen gegenüber Web3-Unternehmen ist.

Der bestehende Netzwerkeffekt von Apple und Meta wird maximal ausgereizt. Gleiches gilt, wenn auch ohne Krypto-Bezug, für Plattformen wie Amazon oder Airbnb. Der Nutzer wird ausgebeutet – derartige Gebühren sind schlichtweg Wucher. Die Frage ist, wie lange noch diese Form der Ausbeutung – also maximale Datenanreicherung in den eigenen Datensilos sowie Quasi-Monopolrenditen – möglich sein wird.

Twitter und Reddit vs. Apple und Meta

Weniger radikal im zentralistischen Ansatz kommen Twitter und Reddit daher. Zwar gehören auch sie zur klassischen Web-2.0-Welt, doch zeigen sie eine größere Offenheit. Maßgeblich zu dieser Hoffnung trägt natürlich der Twitter-Kauf von Elon Musk bei. Als Krypto-Fan möchte er bereits bestehende NFT-Integrationen, um weitere Web3 Features ausbauen. Neben einer Wallet sind auch Schnittstellen zu NFT-Marktplätzen im Gespräch. Zumal Binance 500 Millionen US-Dollar in Twitter investiert hat.

Sollten diese DeFi- und insbesondere NFT-Schnittstellen tatsächlich umgesetzt werden, dann wäre dies ein Affront gegen Apple und Meta. Twitter könnte unter den Web-2.0-Unternehmen zum Anführer einer Transformation hin zum Web3 werden, ganz nach dem Willen von Twitter-Gründer Jack Dorsey. Auch Apple oder Meta Pay, die Zahlungsdienste der Konzerne, wären damit unter Beschuss. Schließlich spielt der ehemalige PayPal-Mitgründer auch mit dem Gedanken, eine universelle Zahlungsapp zu entwickeln.

Korrespondierend dazu macht NFT-Erfolgskandidat Reddit – bereits knapp drei Millionen NFT-Avatare sind auf der Plattform unterwegs – mit seiner Tech-affinen Nutzerschaft Hoffnung auf eine ebenfalls schnelle Krypto-Etablierung, die sich von den zentralistischen Token-Autokratien Apple und Meta unterscheidet.

Der Druck steigt im Silicon Valley

Entsprechend besteht die Hoffnung, dass Unternehmen wie Twitter oder Reddit Druck auf ihre Web-2.0-Artgenossen ausüben. Auch wenn jedes dieser Unternehmen ein ganz eigenes Geschäftsmodell besitzt, geht es dennoch um die Art und Weise, wie man mit Systemoffenheit, Daten und Krypto-Features umgeht.

Genau hier besteht die Hoffnung, dass sich im Silicon Valley ein offeneres Mindset durchsetzt und auch von den Mitarbeitern der Konzerne eingefordert wird, die nicht länger die Idee geschlossener Ökosysteme mittragen. Durch die veränderte Web3-Wertschöpfung kann es sich auf Dauer kein Unternehmen erlauben, sich dem zu verwehren. Die abgespeckten NFT-Dienstleistungen von Meta und Apple werden auf Dauer nicht ausreichen, um sich zu behaupten. Sollte sich Apple weiterhin derart verschließen, könnte es durch das Web3 seinen ganz eigenen “Nokia-Moment” erleben.

Aktuell geht zwar keine akute Gefahr von der Krypto-Ökonomie für die Plattformunternehmen aus, allerdings kann sich dies im Laufe der Dekade ändern und zu neuen Dynamiken führen. Ganz gleich, welche Entscheidungen die Web-2.0-Manager auch noch treffen, es ist garantiert, dass interne Diskussionen über eine Krypto-Öffnung zunehmen werden. 

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