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Virtual Commodity Trader  Holz, Kupfer und Gas: Metaverse und virtuelle Rohstoffmärkte

Die Kombination von Blockchain und virtuellen Welten ermöglicht die Erschließung neuer Waren- und Rohstoffmärkte. Digitales Holz, Öl oder Kupfer könnte schon bald für hohe Handelsvolumina an virtuellen Rohstoffmärkten sorgen. Warum wir im Metaverse neue Wirtschaftsformen austesten können, was das Prinzip Rolex mit NFT-Produktionssteuerung zu tun hat und wieso sich vielleicht schon bald eine neue Gruppe an Rohstoffhändlern etabliert.

Sven Wagenknecht
 |  Lesezeit: 0 Minuten
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Beitragsbild: Shutterstock

| Physische Rohstoffe könnten ihren digitalen Zwilling schon bald in der virtuellen Welt wiederfinden.

Holz, Gas oder Kupfer sind Rohstoffe, die man an Börsen handeln kann. Rohstoff- beziehungsweise Edelmetallhändler sorgen dafür, dass Angebot und Nachfrage der physisch limitierten Basiswerte einen Marktpreis ausbilden. Soweit nichts Neues. Mithilfe der Blockchain-Technologie könnten ebenjene Rohstoffe aber auch Einzug in digitale Welten, ins Metaverse, halten. Digitale Knappheit kann dann aus beliebig kopierbaren Pixeln, limitierte Basiswerte werden lassen. Fungible und Non-fungible Token werden dann zu Ressourcen, die notwendig sind, um beispielsweise Gebäude oder Straßen zu errichten.

Die Sims und die Planwirtschaft

Schon lange vor der Blockchain-Technologie hat die Spielewelt versucht, marktwirtschaftliche Prinzipien aus der analogen Welt umzusetzen. In Simulationen wie Die Sims, Football Manager oder Roller Coaster Tycoon konnten sich geschlossene Ökonomien ausbilden. Den Kapitalismus hat man so auf die virtuelle Welt übertragen. Allerdings ist der Rahmen, wie dies geschieht, respektive bislang geschah, wie sich also Preise für virtuelle Wertgegenstände zusammensetzen, nach eher planwirtschaftlichen Prinzipien konzipiert.

Das soll bedeuten, dass der Spiele-Entwickler bestimmt, wie viel Materialien von Typ A oder Typ B im Spiel vorhanden sind und was diese kosten. Preise und Mengen werden also wie in einer Planwirtschaft von einer Art Zentralkomitee, in Form der Gaming-Schmiede, vorgegeben. Dezentrale Marktkräfte, wie sie in einer liberalen Marktwirtschaft vorherrschen: Fehlanzeige.

Regimewechsel durch Blockchain

In der Logik dezentraler, Blockchain-basierter Spielwelten, besteht nun erstmals die Möglichkeit, das Dogma der Planwirtschaft zu überwinden. Über Krypto-Börsen und insbesondere dezentrale Börsen wie Uniswap können freie Preise für die virtuellen Rohstoffe entstehen, ohne den Eingriff eines allmächtigen Akteurs. Was es in einem Blockchain Game oder gar in einem Metaverse kostet, ein Haus zu errichten, kann damit perspektivisch einzig und allein der “Markt” definieren.

Durch die theoretisch festgelegte Menge an verfügbaren Rohstoffen kann eine Angebotsknappheit wie aktuell in der echten Welt entstehen. Auch der Häuslebauer im Metaverse könnte dann auf den Ausbau seines Dachstuhls warten müssen, da nicht genug Holz verfügbar ist.

Das Prinzip Rolex

In virtuellen Blockchain-Welten sind damit zweierlei Prinzipien für die Angebotsseite maßgeblich. Der Hersteller eines virtuellen Hauses oder Schuhs kann via NFT die Gesamtanzahl der Menge festlegen. Dies kommt einer Produktionssteuerung gleich, wie sie insbesondere Luxus-Uhrenhersteller bis zur Perfektion betreiben. Soll bedeuten, dass beispielsweise Rolex nur eine ganz bestimmte Anzahl eines bestimmten Uhrenmodells herstellt. Das Ziel: die bestmögliche Ertrags-Kombination aus Knappheit und hohen Preisen.

Die andere Komponente liegt im Material der Ware. Bei einer Rolex aus Gold ist dieser entsprechend hoch, bei einer Rolex aus Stahl eher gering, zumindest relativ gesehen. Diese Form der Relativität und Knappheit durch begrenzte Ressourcen ist ebenfalls Teil der Produktionssteuerung. Dies trägt ebenfalls neben der gesetzten Preispolitik dazu bei, eine gar inflationäre Mengenausweitung eines Gutes X zu unterbinden.

Sandbox, Decentraland und Co.

Erste Gehversuche dieser realwirtschaftlichen Prinzipien können wir im Aufkommen der Metaverse-Projekte beobachten. Damit eine digitale Ökonomie entstehen kann, braucht es Knappheit, die durch kostspielige Grundstücke in Form von NFTs gekauft und gehandelt werden kann. Nach diesem Prinzip sind teure “Wohngegenden” in The Sandbox oder Decentraland entstanden.

Nun auch virtuelle Rohstoffmärkte zu etablieren, könnte im Sinne eines erweiterten Steuerungsmechanismus, den wir brauchen, um komplexe Ökonomien abzubilden, der logisch nächste Schritt für die “Metaverse-Volkswirtschaften” sein. Im Sinne einer dezentralen Governance könnten diese Rohstoffe auch dafür sorgen, Umverteilungsmechanismen wie Steuern besser umzusetzen. Eine Art Umsatz- beziehungsweise Mehrwertsteuer auf Waren und Dienstleistungen würde zum Beispiel helfen, Infrastrukturen und Leistungen fürs “Gemeinwesen” zu finanzieren. Schließlich müsste es in diesen Welten auch Menschen geben, die sich um die Ordnung im Metaverse kümmern. So zumindest das Szenario, wenn man es auf die Spitze treiben möchte. Was sich nach absurder Science-Fiction anhört, wird im Kleinen und oft spielerischen bereits ausgetestet.

Metaverse: Ein Versuchslabor

Genau wie es in der Physik digitale Zwillinge gibt, um beispielsweise Flugzeugturbinen auszutesten, ohne dabei mit den Kosten und Gefahren einer physischen Flugzeugturbine konfrontiert zu sein, ist dieses Prinzip auch durch digitale Zwillinge im ökonomischen Sinne möglich. Soll bedeuten, dass es weniger um physikalische Berechnungen geht, die man via digitalen Zwilling simuliert, sondern um ökonomische und gesellschaftliche Modelle.

Der Versuch, sich maximal an die “analoge Wirklichkeit” anzunähern, kann durch die Token-Ökonomie und insbesondere NFTs auf ein neues Level gehoben werden. In entwickelteren Metaverse-Welten, von denen wir bislang in der Praxis noch recht weit entfernt sind, können sozioökonomische Thesen zu deutlich geringeren Kosten ausgetestet werden.

Zum Beispiel kann man zusätzliche Erkenntnisse gewinnen, wie sich ein bedingungsloses Grundeinkommen auswirkt. Kauft sich der Empfänger der Transferleistung davon den neusten CryptoKick von Nike oder nutzt er beispielsweise das Geld, um sich eine Selbstständigkeit im Metaverse aufzubauen, indem unter Umständen selbst ein virtuelles Ladenlokal eröffnet wird?

Ebenfalls spannend zu erforschen, wären die Selbstregulierungskräfte. Unter anderem kann man analysieren, wie sich alternative Staatskonzepte im Metaverse etablieren und sich zivilgesellschaftliche Gruppen im Metaverse bilden. Der Fantasie sind hier praktisch keine Grenzen gesetzt.

Der virtuelle Rohstoffhändler

Ob oder wann es zu derart komplexen Ökosystemen kommt, kann nicht seriös beantwortet werden. Sehr wohl sehen wir aber aktuell einen virtuellen Rohstoffmarkt entstehen, der zumindest in der Gaming-Welt deutlich zunehmen dürfte. Zwar handelt es sich bislang nicht um universelle virtuelle Rohstoffe, sondern um Game-spezifische, doch lassen sich diese bereits an Börsen wie Uniswap handeln.

Auch außerhalb der Gaming-Welt hat sich allerdings ein einzelner virtueller Rohstoff bereits sektorenübergreifend etabliert: Gas. Die Untereinheit von Ethereum ist genauso wie Öl und Gas in der analogen Welt notwendig, um Maschinen anzutreiben. Ohne virtuelles Gas kommt auch in der virtuellen Welt alles zum Stehen.

Zwischen Virtual Commodity Trader und NFT-Secondhand-Shop

Aus diesem Grund ist es alles andere als Zukunftsmusik, dass in den nächsten Monaten und Jahren immer mehr virtuelle Rohstoffhändler auf den Markt kommen werden. Anstatt also bei der Deutschen Bank oder Goldman Sachs Öl-Futures zu bewegen, werden einige zu virtuellen Rohstoffhändlern aufsteigen.

Auch ist mit einem großen Secondhand-Markt für virtuelle Güter zu rechnen, da sich digitale Kleidung nicht abnutzt. Allerdings könnte sich selbst dieser Umstand ändern. So sind dynamische NFTs denkbar, die sich mit der Zeit verändern. Sei es, weil vorher eine Art Halbwertszeit einprogrammiert wurde oder weil sie an Echtweltdaten angeschlossen sind. Theoretisch könnte sich dann die Abnutzung des physischen Sneakers auch auf den digitalen auswirken. Zum Glück sind Nike, Adidas und Co. aber noch nicht so weit.

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