Coin des Monats FLOW: Stell dir vor, es ist Blockchain – und keiner kriegt’s mit
Christopher Klee

von Christopher Klee

Am · Lesezeit: 9 Minuten

Coin des Monats FLOW

Quelle: Dapper Labs

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Mit Dapper Labs haben ausgerechnet die Erfinder des NFT die Blockchain gewechselt. Kann FLOW Ethereum ernsthaft Konkurrenz machen?

Dieser Artikel erschien zunächst in der April-Ausgabe des Kryptokompass, dem Magazin für alles rund ums Thema Blockchain. Ihr wollt mehr darüber erfahren? Dann klickt auf diesen Button:


Die Sammelwut hat den Blockchain Space erreicht: Digitale Sammelobjekte – vom Kunstwerk bis zum tokenisierten Tweet – erzielen Rekordpreise, Handelsplätze für Non-fungible Token (NFT) wachsen rasant und selbst die großen Tageszeitungen haben mittlerweile mitbekommen, dass da was im Busch ist. Ein weiterer Effekt des Hypes: Die Kurse von Krypto-Token mit NFT-Fokus haben seit Jahresbeginn überdurchschnittlich gut performt. 

Dass die meisten davon – sei es Rarible (RAR), Enjin (ENJ), Chiliz (CHZ) oder WAX (WAXP) auf Ethereum bauen, dürfte die wenigsten verwundern. Schließlich ist Ethereum nicht nur der Nährboden für die überwältigende Mehrheit der dezentralen Anwendungen (dApps), sondern auch Heimstätte der CryptoKitties, der ersten NFT, die bereits Ende 2017 einen durchschlagenden Erfolg hatten. Die Kätzchensammel-dApp war die erste Anwendung des Ethereum-Tokenstandards ERC-721, dem bis heute meistgenutzten Tokenstandards für NFT. 

Allein, der meistbesuchte Umschlagplatz für digitale Sammelgegenstände befindet sich abseits von Ethereum: auf der Flow Blockchain. Es entbehrt weder einer gewissen Ironie noch einer guten Begründung, dass ausgerechnet die Erschaffer von CryptoKitties und ERC-721 angetreten sind, um Ethereum als Smart-Contract-König vom Thron zu stoßen. 

Die NFT-Hitmaschine Dapper Labs

Das kanadische Start-up Dapper Labs hat mit den CryptoKitties im Jahr 2017 zweierlei bewiesen. Erstens: Es gibt einen Markt für digitale Sammelobjekte auf Blockchain-Basis. Zweitens: Wenn der Nutzerandrang groß ist, stößt Ethereum allzu schnell an seine Grenzen. Denn der Hype um die Sammelkätzchen war in seiner Hochphase dafür verantwortlich, dass die Ethereum Blockchain mit der Bearbeitung der Transaktionen nicht mehr hinterherkam und die Netzwerkgebühren in den Himmel schossen. 

“Wir bekamen böse E-Mails von Leuten, die sich darüber ärgerten, dass wir dieses Ding gebaut hatten, weil wir das Netzwerk für alle anderen ruinierten” erinnert sich Dapper Labs CTO Dieter Shirley in einem Interview an den CryptoKitties-Hype.

Dapper Labs sah folglich den Bedarf für eine neue technologische Grundlage für massenkompatible dApps – die Idee hinter der Flow Blockchain war geboren. Für die Entwicklung von Flow erhielt das Start-up finanzkräftige Unterstützung, unter anderem von Andreessen Horowitz, Union Square Ventures und unserem Unternehmen des Monats, der Warner Music Group.

Stell dir vor, es ist Blockchain – und keiner kriegt’s mit

Mit Flow will Dapper Labs die Nutzererfahrung in den Vordergrund stellen. Anwendungen auf Flow sollen auch für User, die nicht in Blockchain promoviert haben, zugänglich sein. Bestes (und bislang einziges) Beispiel ist die Anwendung NBA Top Shot. Bei Top Shot werden von besondere Momente aus NBA-Spielen handelbar gemacht. Die Sammelobjekte haben die Form von kurzen Videoclips. Regelmäßig gibt es “Drops” von neuen Bündeln mit Clips, die über das Portal von NBA Top Shot erworben werden können. Dort können Nutzer zwar auch mit Kryptowährungen zahlen, doch Mainstream-tauglicher ist die Bezahloption via Kreditkarte. 

Top Shot verfügt über einen eigenen Marktplatz, in dem Nutzer ihre “Top Shots” einander zum Verkauf anbieten. Dieser Marktplatz ist mit Abstand der geschäftigste im NFT-Sektor, sowohl in Sachen Umsatzvolumen als auch bei den Nutzerzahlen. Zu Redaktionsschluss (24. März) haben in den letzten 24 Stunden knapp 40.000 Trader die Top Shot App benutzt und dabei in 36.952 Transaktionen NFT im Gegenwert von rund 7,56 Millionen USD getauscht. Und das, obwohl sich die App noch in der Beta-Phase befindet. Zum Vergleich: Der Zweitplatzierte, der CryptoKitties-Abklatsch CryptoPunks, kann im gleichen Zeitraum gerade einmal 70 Nutzer und 49 Verkäufe aufweisen.

Flow Blockchain: Arbeitsteilung statt Sharding

Um Skalierbarkeit auf Mainstream-Niveau zu erreichen, setzt das Flow-Netzwerk auf ein Verfahren, dass aus der Informatik stammt: Pipelining. Vereinfacht gesagt beschreibt Pipelining den Prozess, Befehle in Teilaufgaben zu zerlegen und diese parallel zu bearbeiten. Auf diese Weise wird die Recheneffizienz einer CPU deutlich gesteigert. 

Flow macht sich dieses Konzept zunutze, indem es diese Form der Arbeitsteilung auf ein Netzwerk überträgt. So gibt es bei Flow vier verschiedene Arten von Netzwerkknoten (Validator Nodes), die jeweils auf unterschiedliche Teilaufgaben spezialisiert sind. 

  • Consensus Nodes registrieren die Transaktionen auf der Blockchain und ordnen sie 
  • Execution Nodes führen die mit jeder Transaktion verbundenen Berechnungen durch 
  • Verification Nodes kontrollieren die Execution Nodes 
  • Collection Nodes verbessern die Netzwerkkonnektivität und garantieren die Datenverfügbarkeit für dApps

Was diese vereint, ist die Tatsache, dass sie eine Sicherheitsrücklage (Stake) hinterlegen müssen, bevor sie ihre Arbeit aufnehmen können. Hier kommt die Plattform-Währung von Flow ins Spiel: der FLOW Token. 


FLOW: Staking, Staking, Staking 

Der FLOW Token dient gleichzeitig zur Absicherung des Netzwerks und als Anreiz für das Betreiben eines Validator Node: Diese verdienen FLOW, indem sie ihre jeweilige Aufgabe im Netzwerk erfüllen. Eine weitere Einnahmequelle sind die Transaktionsgebühren, die pro Netzwerkoperation anfallen und ebenfalls mit jedem Block ausbezahlt werden. Wer nicht selbst einen Validator Node betreibt, kann sich am Staking beteiligen, in dem er FLOW Token an einen Validator delegiert. 

Das Staking ist bislang der hauptsächliche Use Case für FLOW. Entsprechend hoch liegt derzeit auch noch der Anteil an gestakten Coins im Netzwerk. Zur Zeit des Schreibens sind 93 Prozent aller FLOW Token gestakt. Damit ist FLOW noch weit von den 50 Prozent entfernt, die als Durchschnittswert für die ersten anderthalb Jahre nach der Lancierung von FLOW im Oktober 2020 angestrebt wurden. 

Dieser Anteil soll mit der wachsenden Zahl von Anwendungen für den FLOW Token sinken. So soll FLOW beispielsweise, ähnlich wie Ether (ETH), auch zum Erstellen von neuen Coins eingesetzt werden und innerhalb seines Ökosystems als Brückenwährung dienen. Für entsprechende Smart Contracts kommt bei Flow eine eigens entwickelte Programmiersprache namens “Cadence” zum Einsatz, die besonders entwicklerfreundlich sein soll. 

Investment Case FLOW Token

Angesichts der enormen Kursentwicklung, die der Flow Token seit seiner Veröffentlichung hingelegt hat, stellt sich nun die Frage, ob noch viel Potenzial nach oben vorhanden ist. Die Antwort hierauf lautet: Jein.

Einerseits verfügt Dapper Labs über eine Reihe von herausragenden Partnerschaften, die sich nicht nur auf die Kooperation mit der NBA beschränken. Dapper Labs kooperiert auch mit der UFC, Dr. Seuss und der Spieleschmiede Ubisoft. Unternehmen wie T-Systems, Samsung und Coinbase sind in Dapper Labs investiert und betreiben Validator Nodes. Man könnte also darauf spekulieren, dass NBA Top Shot nicht der einzige Hype-trächtige Kassenschlager auf der FLOW Blockchain bleiben wird. Ein Umstand, der dem FLOW-Kurs weiteren Aufwind verleihen könnte.

Dump in Sicht? FLOW 2020 noch zum Schleuderpreis zu haben

Man muss allerdings bedenken, dass Flow über eine Menge Frühinvestoren verfügt, die FLOW Token im vergangenen Jahr sehr günstig erwerben konnten. Über 12.500 Benutzer haben am Community Sale auf der IEO Plattform CoinList teilgenommen, an dem FLOW für 0,1 US-Dollar angeboten wurde. Alleine durch den Community Sale kamen rund 9 Millionen US-Dollar zusammen – 90 Millionen Flow Token. In einer anschließenden Dutch Auction kamen nochmals 25 Millionen FLOW zum Schlusspreis von 0,38 USD unter den Hammer. Die Token aus dem Community Sale unterliegen einer Sperrfrist von zwei Jahren, wobei 50 Prozent nach einem Jahr freigeschaltet werden, danach erfolgt eine lineare Ausschüttung der restlichen 50 Prozent. Die Token aus der Dutch Auction werden nach einem Jahr freigeschaltet.

Man muss also damit rechnen, dass es spätestens im Oktober 2021 zu größeren Gewinnmitnahmen kommen kann. Denn neben den IEO-Teilnehmern sitzen auch andere Frühinvestoren im Boot, deren Haltefrist abläuft. Flow ging im Januar mit 1,25 Milliarden FLOW Token an den Start, die alle einer Lock-up Periode unterliegen. Das heißt: Alle 32,7 Millionen FLOW, die zu Redaktionsschluss im Umlauf sind, sind Token, die aus Staking Rewards stammen. Entsprechend groß ist die Diskrepanz zwischen realer Marktkapitalisierung (nur zirkulierende FLOW Token: 910 Millionen USD) und verwässerter Marktkapitalisierung (alle FLOW-Token: 37,4 Milliarden USD).

Zentralisierung bei Zugang und Kapital

Darüber hinaus kann man die Flow Blockchain bislang weder als wirklich dezentralisiert noch frei zugänglich bezeichnen. Zum einen müssen sich Anwärter für Validator Nodes bei Dapper Labs bewerben. Zum anderen ist auch beim Kapital eine Zentralisierung festzustellen. 20 Prozent der Token, die mit dem Genesis-Block ausgeschüttet wurden, gingen an Dapper Labs. Weitere 18 Prozent sind dem Development Team zugeteilt, das aus 90 Mitgliedern besteht, die teilweise von Dapper Labs und teilweise von anderen Firmen kommen. Der Löwenanteil geht mit 29 Prozent in eine Reserve für den Ausbau des FLOW-Ökosystems. Auch hier hat Dapper Labs das letzte Wort darüber, wer die Fördergelder erhalten soll. 

Zwar gibt Dapper Labs an, die FLOW Token langfristig halten zu wollen, doch muss man hierbei Vertrauen walten lassen. 

Fazit: Zugänglichkeit zulasten der Dezentralisierung

Möglicherweise ist es jedoch diese Zentralisierung, die Dapper Labs und FLOW für Partner aus dem Mainstream besonders attraktiv macht. Es gibt einen direkten Ansprechpartner, der bei der Umsetzung von Projekten in Flow hilft. Gerade bei vermeintlich komplizierten Konstrukten wie NFT kann das Gold wert sein. Der niedrigschwellige Einstieg, den NBA Top Shot ermöglicht, hat durchaus Vorbildcharakter für Apps auf Blockchain-Basis. 

Ob es FLOW jedoch gelingen wird, dem wirklich offenen und dezentralen Smart-Contract-Primus Ethereum langfristig Konkurrenz machen, ist maßgeblich davon abhängig, ob Ethereum seine Skalierbarkeits-Defizite in den Griff bekommt. Die Uhr tickt: Noch in diesem Jahr soll Ethereum mit Version 1.5 voll auf Proof of Stake umsatteln. 


Das spricht für ein Investment bei FLOWDas spricht gegen ein Investment
– Dapper Labs’ hochkarätige Partnerschaften– Hohe Zentralisierung des Kapitals
– Erfolg von NBA Top Shot macht weitere ähnliche dApps wahrscheinlich– Drohender Dump durch Frühinvestoren
– Bessere On-chain-Skalierbarkeit als Ethereum (1.0)– FLOW für US-Bürger nicht auf Exchanges handelbar
– Starkes Wachstum bei der Entwickleraktivität– Starke Konkurrenz (allen voran Ethereum)
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