Bank the unbanked? Facebook launcht Krypto-Wallet Novi und erntet heftige Kritik
Marlene Müller

von Marlene Müller

Am · Lesezeit: 4 Minuten

ein Telefon mit Novi auf einer Unterlage mit Diem

Quelle: Shutterstock

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Facebooks Wallet-Tochter Novi gibt Pilotprojekte in den USA und Guatemala bekannt und erntet dafür heftige Kritik.

Facebooks Tochterunternehmen Novi, ehemals Calibra, das mit der Entwicklung der digitalen Wallet für den geplanten Stablecoin Diem (ehemalig Libra) beauftragt ist, sorgt für Aufruhr: Denn David Marcus, Chef des Unterfangens, gab am 19. Oktober 2021 den Start zweier Novi-Pilotprojekte bekannt. In einem Statement machte er überdies deutlich, dass der Stablecoin Facebooks Diem weiterhin entwickelt und mit Novi als Wallet eingeführt werden solle, sobald die Zustimmung der Regulierungsbehörden erhalten würde.

Die beiden “kleinen Projekte”, die Marcus auf Twitter ankündigte und die Elizabeth Warren gern eingestellt sehen würde, werden in den USA und in Guatemala erprobt. Mithilfe der Wallet sollen Nutzer:innen dort “Geld sofort, sicher und ohne Transaktionsgebühren senden können”. Dabei handelt es sich jedoch weder um beliebiges Geld, noch um DIEM, sondern um den PAX-US-Dollar (USDP). Das ist ein mit US-Dollar abgesicherter Stablecoin. Marcus zufolge ist der Handels-Partner für das Projekt Coinbase. Die Plattform übernimmt für Facebook-Tochter Novi den Krypto-Custody-Service: Alle USDP, die über das Novi Wallet gekauft werden, sollen bei Coinbase sicher verwahrt werden.

Ziel der Projekte sei es in erster Linie, die Haupteigenschaften der Wallet zu erproben und die Betriebsfunktionen hauptsächlich bezüglich Compliance und Kundenservice zu testen. Gleichzeitig spricht Marcus auf Twitter davon, einen neuen Use Case zu demonstrieren, führt diesen jedoch nicht weiter aus.

Nutzer:innen können die Wallet über den Apple App Store und den Google Play Store in den jeweiligen Regionen herunterladen. Dabei fällt die Wahl des Test-Landes mit Guatemala nicht zufällig. Auf Twitter erklärt Marcus:


Der amerikanisch-guatemalische Überweisungskorridor ist ein wichtiger. In Guatemala haben 56 Prozent der Menschen keinen Zugang zu Finanzdienstleistungen, obwohl fast 100 Prozent ein Mobiltelefon besitzen. Geld, das von Familie und Freunden im Ausland gesendet wird, trägt mehr als 14 Prozent des BIP bei und 90 Prozent dieser Überweisungen kommt [das Geld] aus den USA.

David Marcus, 19. Oktober 2021

Novi ist verwoben mit Diem

Damit spielt Marcus auf eine Problematik an, die Facebook mit dem Diem-Konsortium und dem dazugehörigen Stablecoin eigenen Angaben zufolge versuchen möchte, zu lösen: Es gibt einen großen Anteil von Menschen (laut Facebook sind es knapp 31 Prozent der weltweiten Bevölkerung), die nicht am Finanzsektor teilhaben, von denen jedoch viele über Mobiltelefone verfügen. Hier soll Diem als Stablecoin vor allem im Bereich von grenzüberschreitenden Zahlungen Abhilfe schaffen. Ziel sei es, schnellere, billigere und verlässlichere Zahlungen zu ermöglichen, ohne auf ausreichend Sicherheit verzichten zu müssen – mit Novi als Wallet und Diem als dazugehörigem Coin. Marcus weiter:

Ich möchte klarstellen, dass sich an unserer Unterstützung für Diem nichts geändert hat und wir beabsichtigen, Novi mit Diem auf den Markt zu bringen, sobald es die behördliche Genehmigung erhalten hat und in Betrieb geht. Interoperabilität ist uns wichtig, und wir wollen es richtig machen.

David Marcus, Twitter, 19. Oktober 2021

“Richtig machen” hieße in den Augen der Kritiker, es nicht zu machen

Lange dauerte es nicht, bis die ersten kritischen Stimmen sich äußerten und Facebook-Chef Mark Zuckerberg höchstselbst Post bekommt. Die Absender:innen: fünf prominente demokratische Senator:innen, darunter die ehemalige US-Präsidentschaftskandidatin Elizabeth Warren. Der letzte Satz bringt die Absicht des Briefes klar auf den Punkt:

Wir fordern Sie dringend auf, Ihr Novi-Pilotprojekt unverzüglich einzustellen und sich zu verpflichten, dass Sie Diem nicht auf den Markt bringen.

Elizabeth Warren et al, Brief an Mark Zuckerberg, 19. Oktober 2021

In dem Brief wird deutlich, dass die Unterzeichner:innen Facebook unterstellen, “bewusste” Entscheidungen getroffen zu haben, die der “Gesellschaft insgesamt geschadet haben”. Sie ergänzen:

Facebook kann man nicht vertrauen, dass es ein Zahlungssystem oder eine digitale Währung verwaltet, wenn sich seine bestehende Fähigkeit, Risiken zu managen und die Sicherheit der Verbraucher zu gewährleisten, als völlig unzureichend erwiesen hat.

Elizabeth Warren und andere, Brief an Mark Zuckerberg, 19. Oktober 2021

Auf diesen Brief hat bislang weder Zuckerberg, noch Marcus öffentlich reagiert.


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