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Ethereum-Entwickler im Interview “Man braucht keine Proof-of-Work-Kryptowährungen mehr”

Seit dem Merge läuft Ethereum auf dem klimafreundlichen Konsensmechanismus Proof of Stake. Was ein ETH-Entwickler von Proof of Work hält, verrät er im Interview.

Daniel Hoppmann
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Marius van der Wijden

Beitragsbild: BTC-ECHO

| Ethereum-Entwickler Marius van der Wijden hielt auf der Crypto Asset Conference einen Vortrag über den Merge, 18. Oktober 2022.

Der Merge war ein Meilenstein für Ethereum. Die zweitgrößte Blockchain schaffte es, im Vollbetrieb seinen Konsensmechanismus zu wechseln und damit den Energieverbrauch des eigenen Netzwerks deutlich zu reduzieren. Das freut das Klima, sorgte jedoch im Vorfeld für Befürchtungen, Ethereum werde durch den Umstieg zu Proof of Stake (PoS) deutlich zentralisierter. Doch wie besorgt muss man wirklich sein? BTC-ECHO hat einen Entwickler der Ethereum Foundation gefragt.

Marius van der Wijden ist seit 2020 Mitglied der Foundation. Seine ersten Feldversuche wagte er bereits 2017 mit der Programmierung von Mining Software. An der Entwicklung des Merge war van der Wijden ebenfalls beteiligt. Ein Großteil der Entwicklungszeit ging dabei für Recherche drauf, sagt er. Erst in den letzten anderthalb Jahren habe man angefangen, konkrete Lösungen zu implementieren.

BTC-ECHO: Der Merge ist durch und hat damit das Ende des Minings bei Ethereum besiegelt. Tun dir die Miner leid?

Marius van der Wijden: Ja und Nein. Ich habe angefangen, selbst Mining Software zu schreiben. Am Tag des Merges schaute ich in die alten Foren und wurde schon ein wenig traurig, weil es eine sehr schöne Community war.

Gleichzeitig war der Energieverbrauch aber so extrem hoch und ich bin froh, dass ich damit nichts mehr zu tun habe. In meinen Augen dürfte jeder, selbst Bitcoin-Befürworter, am Ende gesehen haben, dass der Schritt “net positive” war. Man braucht meiner Meinung nach keine zwei großen Proof-of-Work-basierten (PoW) Kryptowährungen. Ich würde sogar sagen: Man braucht gar keine PoW-Kryptowährung.

Um aber die Frage zu beantworten: Es ist ein weinendes und ein lachendes Auge.

Podcast

BTC-ECHO: Im Vorfeld des Merges waren Befürchtungen, um eine mögliche Zentralisierung des Netzwerks omnipräsent. Wie zentralisiert ist Ethereum denn nach dem Update?

van der Wijden: Man weiß es noch nicht so ganz genau. Das Problem ist, dass sich große Staking Provider herauskristallisiert haben. Lido zum Beispiel. Die bereiten mir aber nicht so große Kopfschmerzen wie große Börsen, die Staking anbieten. Da mache ich mir schon eher Sorgen.

Gleiches gilt auch für Unternehmen, die in die Materie einsteigen. Ich finde es gut, wenn man zur Netzwerkstabilität als Validator beitragen will. Wenn man als Firma allerdings selbst staked, sehe ich das kritisch, weil sie einen finanziellen Vorteil haben.

Immerhin ist es aber nicht mehr wie in Proof-of-Work-Systemen, wo Unternehmen einfach zum Händler gehen und Grafikkarten mit 30 Prozent Rabatt kaufen können. Aber klar, mit mehr Firmen geht natürlich auch mehr Zentralisierung einher.

BTC-ECHO: Nach der Sanktionierung von Tornado Cash scheinen rund die Hälfte der Blöcke im Ethereum-Netzwerk nicht mehr validiert zu werden. Zensurresistenz geht anders, oder?

van der Wijden: Es ist nicht so, dass die Blöcke nicht mehr validiert werden, sondern dass 50 Prozent der Validatoren keine sanktionierten Transaktionen mehr in ihren Blöcken ausführen. Sie akzeptieren jedoch noch andere Blöcke, die Transaktionen von dem Mixing Service enthalten.

Für mich persönlich ist das schon ein Grund zur Sorge. Vor allem, da viele der großen Staker sehr bereitwillig das Verbot angenommen haben. Da steht Gewinnmaximierung im Vordergrund.

Ich habe mich allgemein viel zu den Sanktionen ausgetauscht. Ein Großteil der Leute, mit denen ich sprach, denken, dass die Sanktionen sowieso nicht durchsetzbar sind. Da gibt es aktuell auch einen Gerichtsprozess gegen die Entscheidung.

Grundsätzlich darf das Netzwerk nicht zensieren. Es muss neutral und “uncapturable” sein.

BTC-ECHO: Vielen Dank für das Gespräch.

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