How to DYOR Do Your Own Research: Das Periodensystem der Token – Teil 2
Dr. Philipp Giese

von Dr. Philipp Giese

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Ein mit Macarons gefülltes Bonbon-Glas

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Im letzten Artikel der Reihe haben wir auf die Technologie, die Token-Verteilung und die Regulierung hingewiesen. Diesmal soll der Fokus auf der Token-Klassifizierung liegen. Das TokenD Token Classification Framework von Distributed Lab bietet einen Ansatz dafür und hilft bei der Unterscheidung von verschiedenen Use Cases.

Die Unterteilung in Kryptowährungen, Utility Token und Security Token ist etwas allgemein, weshalb unterschiedliche Ansätze zur weiteren Unterteilung unternommen wurden. Distributed Lab hat beispielsweise TokenD entwickelt, ein Framework zur Einordnung von Token. Dieses ist etwas komplexer als die im ersten Teil dieser Reihe diskutierten Ansätze. Zu Teil 1 der Reihe Do Your Own Research gelangt ihr hier


(De)zentralität als Richtmaß zur Token-Bewertung

Zur Unterscheidung unterschiedlicher digitaler Assets geht das Team hinter Distributed Lab davon aus, dass ein Digital Asset System unter fünf Gesichtspunkten (Governance, Verwahrung, Emittierung und Verteilung, Transaktionsbearbeitung und Auditierung) gemanagt werden kann. Diese fünf Aspekte lauten:

  • Zur Governance gehören gemäß Distributed Lab fünf unterschiedliche Teilaspekte. Eine mögliche KYC-Regulierung wie auch ein etwaiger Kontakt mit Behörden gehört hier eben so dazu wie das Nutzermanagement oder das Aufsetzen von Gebühren.
  • Verwahrung beschreibt, wie die Investoren ihre Anlage erhalten. Token können gegen Fiatgeld oder Kryptowährungen direkt gekauft werden. Es kann jedoch auch sein, dass man dem Projekt hinter dem Token Geld überweisen oder Krypto in einen Escrow-Account ablegen muss. Genauso zählt umgekehrt der Withdrawal-Prozess dazu.
  • Emission umfasst die Erzeugung und Verteilung der Token. Die Emission kann im Fall von Kryptowährungen der dazugehörige Token sein.
  • Transaktionsbearbeitung beinhaltet Details hinsichtlich der Peer-to-Peer-Transaktionen, dem Kaufprozess aus der Nutzersicht oder dem Tausch der Assets. Zusätzlich kann man betrachten, inwieweit der Investor Entscheidungen treffen kann: Investiert er in einen Index oder trifft er alle Entscheidungen hinsichtlich einzelner Token selbst? Ebenso gehören hierzu Fragen bezüglich der Preisentwicklung oder der Liquidität.
  • Auditierung schließlich stellt die Frage, wer den Token genauer überprüft: Kann der Investor eine eigene Auditierung durchführen? Erfolgt dies durch eine dritte „trusted party“ oder muss man dem Projektteam vertrauen?

Distributed Periodic Table für die Einordnung von Token

Die einzelnen Fragestellungen zu den Gesichtspunkten lassen sich so zusammenfassen: Sie können zentralisiert, dezentralisiert oder nicht vorhanden/relevant sein. Auf diese Weise können streng genommen 243 einzelne Arten von Digital Assets definiert werden. Diese Menge wird als Distributed Periodic Table, ein Periodensystem für Token, bezeichnet. Besonders erwähnenswert sieht das Distributed Lab folgende Digital Assets:

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Welche Arten von Token gibt es? Eine Übersicht

  • Kryptowährungen streben typischerweise ein hohes Maß an Dezentralisation an. Entsprechend sind alle fünf Gesichtspunkte zentralisiert. Beispiele sind hier Bitcoin und Monero.
  • Von Staaten emittierte digitale Währungen sind exakt das Gegenteil: Alle fünf Aspekte sind zentralisiert. Der Petro Venezuelas ist dafür ein Beispiel. Aber auch CBDCs wie der chinesische DC/EP gehören dazu.
  • Allgemeine Digitalwährungen sind quasi ein Zwischending: Einige Gesichtspunkte, beispielsweise die Validierung von Transaktionen, ist dezentral organisiert, während andere durch eine zentrale Instanz verwaltet werden. Ein Beispiel hierfür wäre Ripple.
  • Commodity-Backed Token oder Stablecoins sind Token mit zentralisierter Governance, Verwahrung und Emittierung. Ein Beispiel aus der Welt der Kryptowährungen ist Tether, dessen Transaktionsbearbeitung dezentral ist.
  • Security Token, also digital verbriefte Wertpapiere, besitzen wie Stablecoins eine zentralisierte Governance, Verwahrung und Emittierung. 
  • Accounting Token sind Token für eine digitale Buchhaltung. Governance, Emittierung, Verwahrung und Auditierung sind hier zentralisiert. Beispiele wären hier Reputation oder Rating. Es geht um Größen, die nicht übertragbar sind, bei denen jedoch eine buchhalterische Einordnung sinnvoll ist.
  • Digital Collectibles sind digitale Unikate in Form von Non-fungible Token, die für einen Sammler von Interesse sind. Sie sind nicht austauschbar und einzigartig. Governance und Emittierung ist zentralisiert. Bekanntestes Beispiel ist Cryptokitties.
  • Utility Token sind Token, die man für mehr können als für Transaktionen verwenden kann. Sie sind für die Interaktion mit bestimmten Programmen notwendig, laufen jedoch langfristig auf die Use-Cases Digitalwährung, Security Token oder Accounting Token hinaus. Governance und Emittierung sind hier ebenfalls zentralisiert.

TokenD zur Bestimmung der tokenised Use-Cases

Ausgehend von den fünf genannten Gesichtspunkten gelangt man also zu verschiedenen Typen von Token. Umgekehrt kann man sich die Frage stellen, ob die Aufstellung des Token überhaupt zum anvisierten Use Case passt: Eine Kryptowährung, die sich als „Bitcoin as Satoshi intended“ bezeichnet, aber eine zentrale Governance hat, würde sich beispielsweise selbst widersprechen.

Mit der sich ständig weiterentwickelnden Token Economy kommen neue tokenized Assets auf, die man nicht einfach in diese grobe Kategorisierung übertragen kann. Cryptokitties waren dabei nur das bekannteste Beispiel. In diesem Sinne hilft das Framework, um weitere Use-Cases als die klassischen Kryptowährungen, Security Token und Utility Token zu benennen. 

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