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Real World Assets  Digitale Wertpapiere: Gamechanger für den DeFi-Sektor?

Digitale Wertpapiere könnten der Grund sein, warum bald alle Banken Kryptowährungen anbieten werden. Das sind die Hintergründe.

Sven Wagenknecht
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Wertpapierbörse

Beitragsbild: Shutterstock

| Das Börsenparkett wird immer mehr zu einem Museum - digitale Wertpapiere stehen hingegen für die Zukunft des Börsenhandels.

Für viele Krypto-Enthusiasten dürften digitale Wertpapiere im Sinne von Security Token oder auch Kryptowertpapieren viel zu langweilig und spröde sein. Wen interessiert schon eine Immobilien-Anleihe oder Schuldverschreibung zur Unternehmensfinanzierung, bei der man 5 Prozent Zinsen pro Jahr erhält? Die digitale Verkörperung von Wertpapieren durch Token auf einer Blockchain, anstatt durch eine urkundliche Wertpapierverbriefung, scheint aktuell vor allem die Menschen anzusprechen, die selbst im Bank- und Finanzwesen arbeiten, sei es als Emittent, Finanzaufsicht oder Rechtsanwalt.

Risikoaffine Krypto-Anleger halten sich entsprechend mit ihrer Marktnachfrage zurück. Die Käufer von tokenbasierten Wertpapieren sind tendenziell Anlegergruppen, die eher nicht im Kryptosektor zu verorten sind. Vor diesem Hintergrund gilt es, mit einer paar Missverständnissen aufzuräumen.

Faktor 100: Das Marktpotenzial von digitalen Wertpapieren

Alles wird digital, nicht nur unser Geld, sondern auch unsere Wertpapiere. Genauso wie wir in ein paar Jahren den digitalen Euro von der Europäischen Zentralbank haben, wird auch jedes Wertpapier in Zukunft – ganz gleich, ob Aktie, Anleihe oder Fonds – rein digital begeben. Während der Kryptomarkt gerade einmal rund eine Billion US-Dollar an Marktkapitalisierung aufweist, reden wir allein beim Aktiensektor, Derivate beziehungsweise Schuldverschreibungen nicht inkludiert, von rund 100 Billionen US-Dollar – Faktor 100 gegenüber Kryptowährungen.  

Neben der perspektivischen Überführung von bereits bestehenden urkundlichen Wertpapierverbriefungen in Token, sind es vor allem die Neu-Emissionen, die hier den Wandel vorantreiben. Eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting Group prognostiziert ein Marktvolumen an tokenbasierten Wertpapieren von 16 Billionen US-Dollar bis zum Jahr 2030.

Das Wertpapier-Analysehaus WEPEX prognostiziert in einem Szenario wiederum, dass in Deutschland bereits im Jahr 2026 rund ein Drittel aller Wertpapier-Neuemissionen auf digitalen Wertpapieren, im Speziellen der deutschen Sonderform der Kryptowertpapiere (eWpG), basieren sollen. Und dies bei einem Marktvolumen von knapp 1,5 Billionen Euro – nur in Deutschland. 

Ohne Coins, keine digitalen Wertpapiere

All diese Billionen an Euro, US-Dollar und Co. werden folglich auf öffentlichen Blockchains wie Ethereum, Polygon oder Stellar in Form von Security Token emittiert werden. Durch die hohen Transaktionskosten bei Ethereum haben sich in den letzten Monaten vor allem günstigere Alternativen wie Polygon bei Wertpapier-Emissionen hervorgetan. Ganz gleich, welche Public Blockchains sich hier in Zukunft noch durchsetzen mögen, am Ende bedeutet dies eine Nachfrage nach der jeweiligen Kryptowährung – ohne Coin, keine Wertpapier-Emission.

Trojanische Pferde für Ethereum und Co.

Noch wichtiger als die Mittelzuflüsse für Polygon und Co. ist aber der Zwang für Banken, Börsen und andere Finanzdienstleister auf Token-Infrastrukturen zu setzen. Eine Bank, die bislang Bitcoin und Co. doof fand, kam mit dieser Ignoranz durch. Keine Sparkasse, Volksbank, Commerzbank oder Deutsche Börse kann aber auf Dauer den Wertpapiersektor ignorieren. Aus genau diesem Grund arbeiten auch alle Banken an Kryptoverwahrlösungen.

Zwar heißt es dann, wie beispielsweise vom Deutschen Sparkassen und Giroverband vor wenigen Wochen kommuniziert, dass man dies eben nur für digitale Wertpapiere tue, nicht aber für Bitcoin. Doch könnte man überspitzt formulieren, dass digitale Wertpapiere nichts weiter als trojanische Pferde für Kryptowährungen sind. Wenn die Token-Infrastruktur einmal da ist und die Dienstleister für ihr Wertpapiergeschäft gezwungen sind, Kryptowährungen in ihren Walletlösungen vorzuhalten, dann wird es nur eine Frage der Zeit sein, bis die Bitcoin-Gegner des Institutes einknicken. Die Krypto-Massenadoption im traditionellen Bankwesen wird also spätestens mit Etablierung der digitalen Wertpapiere und dem digitalen Euro einen deutlichen Schub erhalten.

Doch selbst dies ist erst der Anfang. Der richtige Gamechanger und die totale Verschmelzung zwischen traditioneller Wertpapierwelt und dem Kryptosektor kommt noch an ganz anderer Stelle zum Vorschein.

Podcast

Real World Assets für den DeFi-Sektor

Im Zuge der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise – inzwischen sollte es legitim sein, die aktuelle Makrosituation so zu benennen – hat es auch den DeFi-Sektor zerlegt. Fehlende Stabilität und Besicherung könnten nun aber durch sogenannte Real Word Assets, ergo digitale Wertpapiere oder Tokenisierungen von beispielsweise Gold, in den Sektor gebracht werden.

Nehmen wir als Beispiel eine dezentrale autonome Organisation, kurz DAO, die als Investmentfonds aufgesetzt ist. Dieser dezentrale Investmentfonds, bei dem also nicht ein einzelner Fondsmanager entscheidet, sondern die Community, konnte bislang nur in Kryptowährungen oder NFTs investieren.

Dies machte solche Konstrukte natürlich sehr schwankungsanfällig. Bei einem professionellem Portfoliomanagement kann man hingegen auf diverse Anlageklassen zurückgreifen, um somit Risiken optimal steuern zu können. Würden wir also eine weitere Etablierung von digitalen Wertpapieren, auch regulatorisch, erleben, dann würde es immer einfacher werden, einen DAO-Fonds mit beispielsweise Immobilienschuldverschreibungen zu besichern.

Dieses Beispiel zeigt, dass wir mit der Verschmelzung der Token-Ökonomie und der traditionellen Finanzwelt noch ganz am Anfang stehen. Vor allem lässt sich beobachten, dass beide Welten aufeinander angewiesen sind, um sich weiterzuentwickeln. Mehr Symbiose als Koexistenz.

Kryptowertpapiere und Security Token: Ein Lob für die Regulierungsbestrebungen

Während Politik und Aufsichtsbehörden oftmals recht kritisch auf Kryptowährungen blicken, sind sie bezogen auf digitale Wertpapiere sehr offen und positiv gestimmt. Selbst ein Bitcoin-Gegner wie Olaf Scholz findet digitale Wertpapiere klasse. Schließlich hat er noch in der Rolle als Finanzminister im Jahr 2021 das elektronische Wertpapiergesetz (eWpG), auf dem die sogenannten Kryptowertpapiere basieren, selbst aktiv vorangetrieben.

Da die bisherige digitale Wertpapierform der Security Token sui generis gewissen Einschränkungen unterliegt, hat man in Deutschland die Sonderform der Kryptowertpapiere nach eWpG entwickelt. Bislang nur für Schuldverschreibungen, sollen die Kryptowertpapiere bereits im nächsten Jahr auch auf Aktien ausgeweitet werden, wie im kürzlich veröffentlichten Zukunftsfinanzierungsgesetz beschrieben. Auch auf europäischer Ebene versucht man mit dem DLT-Pilotregime einen einheitlichen Rechtsrahmen für digitale Wertpapiere zu schaffen. Dieser ist vor allem für den Sekundärmarkthandel wichtig. Schließlich fehlt es noch an Börsen für digitale Wertpapiere.

Mit digitalen GmbH-Anteilen zum “neuen Markt”

Besonders spannend könnte es werden, wenn man sich dazu entschließt, neben Aktiengesellschaften auch GmbHs als eine Eigenkapitalform zu tokenisieren. Die Folge wäre das Entstehen eines neuen Marktes für den deutschen Mittelstand. Von den rund 765.000 Kapitalgesellschaften in Deutschland sind die meisten schließlich als GmbH aufgesetzt – das Potenzial ist entsprechend gigantisch.

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