Ein Debattenbeitrag Bitcoin ist wie Gold – nur besser
David Scheider

von David Scheider

Am · Lesezeit: 3 Minuten

Gold und Bitcoin auf der Waage.

Quelle: Shutterstock

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“Bitcoin ist die digitale Version von Gold – nur schlechter”: Sätze, die Bitcoiner gar nicht gerne hören. Unser Interview mit MMT-Ökonom Maurice Höfgen hat in der Community eine rege Diskussion über die Öffnung des Diskurses für Kritiker der Kryptowährung Nr. 1 ausgelöst. Zu Recht warf man uns vor, gewagte Thesen unwidersprochen im Raum stehenzulassen. Das soll sich hiermit ändern.

“[…] Gold, Immobilien oder jede Form von Warengeld [sind] nicht wegen ihres Nutzens als Ware ein Wertaufbewahrungsmittel, sondern trotz dieses Nutzens”, schreibt Conner Brown in seinem Essay “Bitcoin Has No Intrinsic Value — and That’s Great.” Darin erklärt der Bitcoiner, wieso Wertspeicher nicht zwangsläufig eine andere Funktion erfüllen müssen, als die des reinen Wertspeichers. Im Gegenteil: Nach Ansicht von Conner Brown verzerrt der Markt für Gold etwa in der Elektrotechnik oder Raumfahrindustrie den Goldpreis signifikant. Die Veredelung als Schmuck habe ich hier bewusst nicht rein gezählt, da ich davon ausgehe, dass auch dieser Anwendungsfall unter Wertspeicher fällt.


Bitcoin hingegen ist ein pures monetäres Asset. Aus BTC lassen sich weder Schmuck noch Halbleiter herstellen – und das ist auch gut so. Der Wert von Bitcoin bemisst sich also zu 100 Prozent in seiner Eignung als Wertspeicher, einen anderen Nutzen hat das digitale Gold nicht. BTC ist also der purste und unverzerrteste Wertspeicher, den die Menschheit kennt.

Aus BTC kann man keinen Schmuck machen und das ist auch gut so

Gold immerhin hat noch einen realen Nutzen, man kann etwa Schmuck daraus herstellen und es gilt als Statussymbol. Bitcoin hat diese Eigenschaft nicht. Das Problem ist, es gibt eine große Konkurrenz unter Kryptowährungen. Bitcoin könnte im Gegensatz zu Gold jederzeit ersetzt werden. Deshalb denke ich, dass Bitcoin die digitale, aber schlechtere Version von Gold ist,

Maurice Höfgen

sagt Höfgen im Interview mit BTC-ECHO. Doch das ist ein Scheinargument. Bitcoiner haben erkannt, dass Wertspeicher keinen intrinsischen Wert (so es dieses Konzept überhaupt geben kann) brauchen. Genauso wenig ist BTC auf Anwendungsfälle abseits der Wertspeicherfunktion angewiesen. Bitcoin ist eben nicht rein zufällig auch unter den Kryptowährungen immer noch dominant (mehr zur Pfadabhängigkeit und Bitcoin-Dominanz hier). BTC ist eben so designt, dass sie als Geld und daher auch als Wertspeicher schlicht gut funktioniert.

Bitcoin ist besser als Gold, weil es das knappere Asset ist

Wie gut ein bestimmtes Gut als Wertspeicher geeignet ist, entscheidet allen voran ein Aspekt: Seine Knappheit. Seit Saifedean Ammous in seinem Hauptwerk “Der Bitcoin Standard” den Begriff der Stock-to-Flow-Rate etabliert hat, wissen wir auch, welche Art der Knappheit gemeint ist. Nicht die generelle Verfügbarkeit ist entscheidend, sondern das Verhältnis von bestehender Umlaufmenge (Stock) und Flow, also der Inflationsrate, ist entscheidend. Gold ist demnach vor allem deshalb ein etablierter Wertspeicher, da es von allen Edelmetallen die höchste Stock-to-Flow-Rate (S2F) hat. Eine S2F-Rate von 62 bedeutet, dass es ca. 62 Jahre dauern wird, bis sich die aktuelle Goldumlaufmenge von 201.296 Tonnen verdoppelt.


Bitcoin hat aktuell eine S2F-Rate von etwa 52 und ist damit nicht mehr weit von der von Gold entfernt. Bei aller Kritik an PlanBs Modell, muss man anerkennen, wie genau es den Bitcoin-Kursverlauf mithilfe der S2F-Rate modellieren konnte.

Das Bitcoin-Stock-to-Flow-Modell im Live Tracking. Die rote Linie ist der Modell-Kurs und die bunte Linie der Bitcoin-Kurs. Die Korrelation ist nicht zu übersehen. Quelle: https://www.lookintobitcoin.com/charts/stock-to-flow-model/

Mir ist es lieber, dass die Menschheit einen verlässlichen Wertspeicher hat, der keinen gesellschaftlichen Schaden anrichtet. Dieser Tage werden alle möglichen natürlicherweise knappen Assets wie Immobilien, Gold, Öl, und neuerdings sogar Baustoffe wie Holz als Wertaufbewahrungsmittel “missbraucht”. Das treibt den Preis und zieht allerhand marktwirtschaftliche Verwerfungen nach sich: Immer mehr Edelmetallminen verwüsten ganze Landstriche, die Immobilienpreise kennen nur noch eine Richtung; Leerstand und steigende Mieten sind die Folge.

Bitcoiner haben verstanden, dass BTC die Entmaterialisierung aller physischer Wertspeicher ist. Die Menschen brauchen einen Wertspeicher und es ist ihr gutes Recht, selbst zu entscheiden, worin sie ihren Wohlstand speichern. Gold jedenfalls hat ausgedient.


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