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Gläserne Patienten China entwickelt erstes Internet-Krankenhaus auf Blockchain-Basis

Premiere im Reich der Mitte: Erstmals wird die Blockchain-Technologie für medizinische Zwecke angewendet. Datenschützer schlagen jedoch Alarm.

Moritz Draht
 |  Lesezeit: 2 Minuten
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stethoskop liegt auf einem Tablet

Beitragsbild: Shutterstock

Die Blockchain-Technologie erlebte in den letzten Jahren nicht zuletzt durch Bitcoin einen medialen Hype. Doch so sehr auch die Technologie als Triebfeder bei der digitalen Wende von den Gesetzgebern beschworen wird: Die Umsetzung entsprechender Projekte blieb in europäischen Breitengraden weitestgehend auf der Strecke.

Nicht so in Fernost: So entschieden China auch gegen die inländische Verwendung von Kryptowährung vorgeht, hat das Land andererseits die Blockchain-Potenziale für den Staatsapparat früh erkannt und rasch die Weichen für die Adaption der Technologie in der Wirtschaft gestellt. Mit dem Blockchain-Service-Network (BSN), das weite Teile der chinesischen Industrie mit staatlichen Behörden vernetzt, bastelt das Reich der Mitte an der DLT-basierten Infrastruktur für die neue Seidenstraße.

Blockchain im Gesundheitswesen

Neben Finanzinfrastrukturen, dem Energiesektor und der Verwaltung in Behörden scheint insbesondere das Gesundheitswesen für die Integration spezieller DLT-Anwendungen prädestiniert. Wegen der Fälschungsresistenz und Interoperabilität könnten Blockchain-Lösungen eine bedeutende Rolle bei der Digitalisierung von Patientenakten und dem Austausch zwischen Krankenhäusern spielen.

Diese Rolle muss man ihr nur zuweisen. Mit der Universitätsklinik des First Affiliated Hospital of Dalian, einem der renommiertesten chinesischen Krankenhäuser, macht die Technologie den nächsten Schritt und pilotiert nun auch in der Gesundheitsbranche.

Wie die chinesische Nachrichtenplattform Sohu schreibt, kommt die Technologie bei der Speicherung von Patientendaten zum Einsatz. An oberster Stelle stünde laut Direktor Niu Tie die „Überprüfbarkeit kritischer Daten sowie die sichere Speicherung, Übertragung und der sichere Zugriff von Daten“. 

Zudem können Nutzer per WeChat auf die Dienste des „Internetkrankenhauses zugreifen. Ein Modell, das in Pandemiezeiten schnell Runde machen könnte, gewährleistet der Messengerdienst schließlich den kontaktlosen Austausch zwischen Patienten und Ärzten. Die Implementierung im Krankenhausbetrieb soll Anfang kommenden Jahres in die Testphase gehen.

Blockchain um jeden Preis?

Doch Datenspeicherung hat ihren Preis und wie hoch dieser ist, darüber lässt sich aktuell nur mutmaßen. Kritiker bemängeln, dass die Einrichtung des „Internetkrankenhauses die Privatsphäre der Bürger weiter aushöhlen und der Regierung als Instrument zur Vorratsdatenspeicherung dienen könne.

Dabei stehen die gleichen Fragen im Raum, die sich immer dann stellen, wenn die chinesische Regierung ihre Finger im Spiel hat: Welche Befugnisse haben andere Behörden beim Zugriff der hochsensiblen Patientendaten, wie und wie lange werden diese Daten gespeichert und welche eventuellen Auswirkungen hat die Datenspeicherung auf die medizinische Versorgung?

Der Direktor entgegnet zwar, dass die Anforderungen an das First Affiliated Hospital of Dalian „als führendes Krankenhaus in der Region“ sehr streng seien. Als Prestigeobjekt stünde die Einrichtung der Blockchain-Technologie in den medizinischen Abläufen schließlich unter besonderer Beaufsichtigung.

Dass das Krankenhaus jedoch unter großem Druck stehe schließt nicht aus, dass sich die Regierung einige Hintertüren offen lässt. Eine strikte Trennung zwischen Gesundheitsverwaltung und Staatsapparat scheint eher unwahrscheinlich. Auch die Weitergabe und Speicherung von Daten per WeChat-App lässt Fragen hinsichtlich des Datenschutzes aufkommen.

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