China, Nigeria und Jamaika Was hält die Bevölkerung von digitalem Zentralbankgeld?

Weltweit arbeiten Regierungen mit Hochdruck an der Entwicklung von digitalem Zentralbankgeld (CBDC). Doch wie bewährt es sich in der Praxis?

Tim Reindl
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CBDC

Beitragsbild: Shutterstock

| Bereits 114 Staaten arbeiten an der Entwicklung digitaler Währungen – sie kommen aber nicht immer gut an

Mittlerweile akzeptieren die meisten Staaten, dass die Digitalisierung des Finanzsektors auch verändertes Geld erfordert. Um Bitcoin und anderen dezentralen Lösungen Paroli zu bieten, arbeiten über 114 Regierungen an eigenen digitalen Zentralbankwährungen. Der große Unterschied zu klassischen Kryptowährungen: Diese CBDCs (kurz für: Central Bank Digital Currency) geben dem Staat ein hohes Maß an Kontrolle über das digitale Geld. So lassen sich gewisse Eigenschaften einprogrammieren.

Für Kritiker wie den Whistleblower Edward Snowden eine dystopische Vorstellung: Regierungen könnten “unsere Freiheiten, Geld zu nutzen, immer stärker einschränken”, sagt er. Befürworter:innen halten dagegen: CBDCs erleichtern den Kampf gegen Geldwäsche und inkludieren mehr Teile der Bevölkerung, gerade diejenigen ohne Bankzugang, so das Credo.

Bereits elf Nationen führten die Coins als offizielles Zahlungsmittel ein. Siebzehn weitere starteten Pilotprojekte. Doch wie bewähren sich CBDCs in der Praxis? Und was hält die Bevölkerung der jeweiligen Länder von den Ambitionen ihrer Regierungen?

Nigeria: eNaira mit Nachdruck angeschoben

Nigeria führte als erste afrikanische Nation im Oktober 2021 eine CBDC ein. Der eNaira soll langfristig bei der finanziellen Inklusion der Bevölkerung helfen und die Wirtschaftskraft des Landes stärken. Dazu wurden drei Milliarden eNaira von der nigerianischen Zentralbank geprägt und eine entsprechende Zahlungsinfrastruktur bei den örtlichen Banken integriert. Allerdings hat die Agenda “bargeldloses Nigeria” ein Problem: die Akzeptanz der Bevölkerung. Schätzungen zufolge benutzen nur 0,5 Prozent der Bürger:innen den eNaira. Denn einerseits kämpft das Land mit einer hohen Inflationsrate von 19 Prozent. Andererseits bieten CBDCs deutlich weniger Anonymität als Bargeld.

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Um die Akzeptanz des eNaira zu forcieren, schränkt die Regierung den Bargeldverkehr immer weiter ein: Abhebungs-Limits an Geldautomaten und angehobene Gebühren sollen den Umstieg beschleunigen. Die Bevölkerung wird also mehr oder minder in den eNaira gezwungen. Doch Nigerianer:innen flüchten lieber in dezentrale Alternativen wie den Bitcoin. Durch eine Nachfragespitze Ende Januar 2022 stieg der BTC-Preis auf örtlichen Exchanges sogar kurzzeitig auf 60.000 US-Dollar.

China: Größtes Pilotprojekt weltweit

China befindet sich bei der Entwicklung von CBDCs im Spitzenfeld. Die Einführung des E-Yuan als staatliches Zahlungsmittel ist noch nicht finalisiert, 2019 startete die Volksrepublik jedoch ein umfangreiches Pilotprojekt. Das Programm der People’s Bank of China zählt ganze 260 Millionen digitale Yuan-Geldbörsen. Im August 2020 weitete man das Testprojekt auf 28 Großstädte aus.

Die Regierung schenkt regelmäßig E-Yuan an die Bevölkerung, um die Adoption voranzutreiben. Um den Start in den Frühling zu feiern, verschenkte man in verschiedenen Städten Chinas E-Yuan im Gesamtwert von rund 26 Millionen US-Dollar – mit mäßigem Erfolg. Die schleppende Akzeptanz erklärt CBDC-Experte Dr. Jonas Gross gegenüber BTC-ECHO wie folgt: “Warum sollte eine CBDC als Zahlungsmittel genutzt werden, wenn es in China bereits effizientere, günstiger und komfortablere Anbieter wie WeChat Pay oder Alipay gibt.”

Jamaika: Karibische CBDC-Affinität

Jamaika führte im Mai 2022 weltweit als das erste Land eine digitale Zentralbankwährung als staatliches Zahlungsmittel ein, den digitalen Jamaika-Dollar, Jam-Dex genannt. Er soll Kosten für die Lagerung und Handhabung von Bargeld reduzieren, um rund sieben Millionen US-Dollar jährlich. BOJ-Gouverneur Richard Byles erklärte gegenüber Blockworks: “Der digitale Jamaika-Dollar bietet eine sicherere und bequemere Alternative zu physischen Banknoten und Münzen und kann ohne Bankkonto verwendet werden.”

Vielen Jamaikaner:innen fehlt der Zugang zum traditionellen Finanzsystem. Eine Studie des Caribbean Policy Research Institute zeigt, dass “eine der kostspieligsten Aufgaben für Menschen ohne Bankverbindung die Interaktion mit dem formellen Bankensystem ist”. Trotzdem findet Jam-Dex als Alternative kaum Beachtung.

Nur rund drei Prozent der Bevölkerung luden die erforderliche App herunter. Ohne den Druck der Regierung bleiben Berührungsängste mit digitalen Zentralbankwährungen bestehen. Das mag auch daran liegen, dass die Vorteile von CBDCs für den Staat auf der Hand liegen. Für die Menschen bleiben sie oft unklar.

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