"Man muss alle Vermögenswerte offenlegen" 

Bitcoin im Scheidungsfall: Wer Kryptos verschweigt, zahlt doppelt

Krypto-Assets tauchen immer häufiger in Scheidungsverfahren auf. Anwälte berichten, dass vermögende Ehepartner Bitcoin und andere Token gezielt verschweigen.

Dominic Döllel
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Beitragsbild: Shutterstock

| Was geschieht mit dem eigenen Krypto-Vermögen, wenn der Partner sich trennen will?

Vermögende Ehepartner verschweigen in Scheidungsverfahren zunehmend ihre Bestände an Bitcoin und anderen Kryptowährungen. Das berichten mehrere auf Familienrecht spezialisierte Anwälte. Die digitale Natur der Token erschwert die Aufdeckung und verzögert Einigungen vor Gericht.

Alex Breedon, Partner der Kanzlei Withers, berichtet von Fällen, in denen Krypto-Assets im Wert von mehreren Millionen Pfund aufgedeckt wurden. Wenn ein Ehepartner den Verdacht habe, dass Bestände verschwiegen werden, seien “die ergiebigsten Fundorte” Kontoauszüge und öffentliche Krypto-Ledger. Hinzu komme die forensische Untersuchung physischer Geräte.

Früher Offshore-Konten, heute Krypto

In einem Fall, über den ein nicht namentlich genannter Anwalt berichtet, schöpfte eine Ehefrau Verdacht, nachdem sie handschriftliche Notizen mit langen Zahlenfolgen entdeckt hatte. Sie erwirkte gerichtliche Offenlegungs- und Einfrierungsanordnungen gegen ihren Ehemann und eine Krypto-Börse. Daraufhin musste der Mann einräumen, tatsächlich Krypto-Assets zu halten.

“Er sagte, er habe sie nicht angegeben, weil sie alt gewesen seien und es keine wirklichen Transaktionen mehr gegeben habe”, so der Anwalt. Der Wert der Bestände sei gering gewesen, dennoch gelte: “Man muss alle Vermögenswerte offenlegen.”

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Für Peter Burgess, Seniorpartner der Kanzlei Burgess Mee, ist Krypto nur eine neue Ausprägung eines alten Problems. “Früher parkten Menschen ihr Geld in Offshore-Treuhandstrukturen, Unternehmen und ähnlichem; das passiert natürlich immer noch, aber zunehmend sehen wir, dass es in Krypto geschieht.” In den kommenden zehn Jahren werde die Zahl solcher Fälle deutlich steigen, auch wegen der Popularität von Kryptowährungen bei jüngeren Generationen.

“Misstrauische Ex-Partner”: Wie Bitcoin Teil der Scheidung wird

Matt Foster, Senior Associate bei Charles Russell Speechlys, betont, dass nicht nur das tatsächliche Verbergen von Krypto-Werten ein Problem sei, sondern bereits der Verdacht. “Es scheint unvermeidlich, dass Fragen der Nichtoffenlegung und ‘versteckter’ Kryptowährungen in Scheidungsverfahren weiter zunehmen werden, ob tatsächlich oder nur aus der Wahrnehmung eines misstrauischen Ex-Partners heraus.”

Auch bei Eheverträgen spielen digitale Vermögenswerte inzwischen eine Rolle. Werden erhebliche Bestände, darunter Krypto-Assets, nicht offengelegt, kann dies zur Unwirksamkeit eines Ehevertrags führen.

Rechtslage in Deutschland: Bitcoin kann zum “teuren Pech” werden

In Deutschland werden Bitcoin im Scheidungsfall wie andere Vermögenswerte behandelt. Leben Ehepartner im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft, wird auf Antrag berechnet, wie viel Vermögen beide zwischen Eheschließung und Zustellung des Scheidungsantrags hinzugewonnen haben. “Derjenige, der in dieser Zeit mehr hinzugewonnen hat, muss dann dem anderen die Hälfte dieses Zugewinns abgeben”, erklärt Rechtsanwalt Christian Solmecke im Gespräch mit BTC-ECHO. Durch die teils starken Kursschwankungen könne es passieren, dass Bitcoin am Stichtag sehr hoch bewertet werden, bis zum Verfahrensende jedoch deutlich an Wert verlieren. Das könne für den vermeintlich vermögenderen Partner “teures Pech” sein.

Besteht der Verdacht, dass Bitcoin verschwiegen werden, greift ein gesetzlicher Auskunftsanspruch, der zur vollständigen Offenlegung verpflichtet. “Verschweigt er dabei Bitcoin, kann er sich auch wegen Prozessbetrugs strafbar machen”, so Solmecke. Allerdings sei nicht gesichert, dass ein solches Verschweigen auffällt, da Bitcoin nicht zwingend über Banken oder Börsen gehalten werden müssen. “So ist es zum Beispiel möglich, die Wallet auf einen USB-Stick zu verschieben und damit ‘offline’ zu verstecken.”

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