Elf-Jahres-Tief 

Bitcoin löst sich von US-Aktien: Experte sieht stärkste Entkopplung seit 2015

Während die Zinsen auf ein 19-Jahres-Hoch steigen, geht Bitcoin seinen eigenen Weg. Bitwise-Experte André Dragosch erklärt die Entkopplung vom Aktienmarkt.

Philipp Baumgartner
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Bitcoin-Symbole in einem digitalen Netzwerk vor einer 100-Dollar-Note mit Siegel der US-Notenbank, Kurschart und Prozentzahlen

Beitragsbild: Shutterstock

| Laut Bitwise bewegt sich Bitcoin derzeit eher mit dem Dollar als mit dem SP500

Die US-Notenbank Fed hat Mitte September erstmals seit 2023 die Zinsen erhöht, woraufhin die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen auf den höchsten Stand seit Juli 2007. Für Aktien ist das unangenehm, weil ihr Preis an den Gewinnen der kommenden Jahre hängt, und bei höheren Zinsen sind diese späteren Gewinne heute weniger wert. Der Bitcoin-Kurs hat sich trotzdem deutlich erholt. Dr. André Dragosch, europäischer Forschungsleiter beim Vermögensverwalter Bitwise, sieht jetzt eine Entkopplung vom Aktienmarkt, wie es sie seit elf Jahren nicht gegeben hat.

Bitcoin und S&P 500 gehen getrennte Wege

Wie eng zwei Vermögenswerte zusammenhängen, wird durch die Korrelation gemessen. Diese reicht von minus eins bis plus eins, wobei plus eins völligen Gleichlauf bedeutet und ein Wert von null für keinerlei Zusammenhang steht. Dragosch interessiert vor allem, ob Bitcoin und Aktien über längere Zeit gemeinsam steigen und fallen. Um das zu prüfen, betrachtet er die Kurse auf einer logarithmischen Skala, die prozentuale Bewegungen vergleichbar macht. Nach dieser Methode ist die Korrelation zwischen Bitcoin und dem S&P 500 laut Bitwise auf den tiefsten Stand seit 2015 gefallen: “Die trendmäßige Entkopplung zwischen dem S&P 500 und Bitcoin ist die stärkste seit elf Jahren”.

Diese Entwicklung erklärt Dragosch damit, dass die beiden Märkte derzeit von unterschiedlichen Kräften bewegt werden. Der Bitwise-Experte führt die Kursentwicklung von Bitcoin rechnerisch auf vier Makrofaktoren zurück: die Erwartungen an das Wachstum der Weltwirtschaft, die erwartete Geldpolitik, den US-Dollar und das Risiko eines Auseinanderbrechens der Eurozone. Meist geben die Wachstumserwartungen den Ausschlag, weshalb die Kryptwährung in freundlichen Marktphasen oft mit den Aktien steigt und in unsicheren mit ihnen fällt. Aktuell treibe dieser Faktor vor allem den S&P 500, aber Bitcoin werde derzeit “zumindest nach unserer Analyse” stärker vom Dollar beeinflusst.

Digitales und physisches Gold rücken zusammen

Während sich Bitcoin von Aktien löst, bewegt es sich zunehmend im Gleichschritt mit Gold. Die Korrelation zwischen beiden hat vor kurzem ein Sechsjahreshoch erreicht. Dragosch zufolge deutet das darauf hin, dass Anleger beide Werte als Schutz vor Geldentwertung behandeln, also vor dem Kaufkraftverlust einer Währung durch wachsende Geldmengen und Schulden. Sein nüchternes Urteil: “Sie kaufen einfach beides, Bitcoin und Gold“.

Bestätigt sieht sich Dragosch durch eine Bitwise-Umfrage unter 15 großen Institutionen, darunter Pensionskassen und Staatsfonds. Keine von ihnen hatte ihre Krypto-Bestände während des Rückgangs seit Oktober 2025 verringert, die meisten hielten ein bis zwei Prozent ihres Vermögens in Krypto-Anlagen. Die Gespräche fanden allerdings zwischen Ende März und April statt, über die letzte Verkaufswelle im Sommer sagt die Umfrage also nichts aus.

Geldpolitik und Wachstum laufen auseinander

Ob die Entkopplung trägt, dürfte sich bei einem Rückschlag am Aktienmarkt zeigen, und den hält der Krypto-Experte für wahrscheinlich. Bitwise misst dafür, was die Märkte von der Geldpolitik und vom Wachstum der Weltwirtschaft erwarten. Die geldpolitischen Erwartungen sind nach Dragoschs Rechnung inzwischen so straff wie während der Zinserhöhungen 2022 und 2023, weil die Renditen so schnell gestiegen sind.

In der Grafik liegt die dunkle Linie für die Geldpolitik tief im Minus, die helle für das Wachstum ganz deutlich im Plus. Beide zeigen den Abstand zum langjährigen Durchschnitt. Weil die Geldpolitik dem Wachstum meist vorausläuft, erwartet Dragosch, dass die Wachstumserwartungen nachgeben und Aktien somit korrigieren. Das könnte die Fed zu einem Ende der Zinserhöhungen bewegen.

Bitcoin sieht er für einen solchen Rückschlag gerüstet, weil der Kurs mit dem Rückgang um mehr als die Hälfte seit Oktober 2025 viel davon vorweggenommen habe. „Wir haben bereits eine Menge schlechter Nachrichten eingepreist“, sagt Dragosch gegenüber Bitcoin Magazine. Eines der von Bitwise entwickelten Modelle zur Bepreisung von digitalen Assets, das den Kurs an die weltweite Geldmenge koppelt, sieht den fairen Wert von Bitcoin aktuell bei rund 197.000 US-Dollar. Zum Zeitpunkt des Interviews notierte der BTC-Kurs bei etwa 84.000 US-Dollar, sodass eine Verdopplung durchaus möglich wäre.

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