Investoren-Briefing  Bitcoin, Krypto und Makro: So steht es um die aktuelle Marktlage

Welchen Einfluss die aktuelle Notenbankpolitik auf den Bitcoin-Kurs hat, was die Google-Suchanfragen über das Retailinteresse nach Bitcoin verraten, wie die Entwicklung der Bitcoin-ETF-Flows zu deuten ist und noch vieles mehr. Das Investoren-Briefing.

Sven Wagenknecht
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Bitcoin und Gold

Beitragsbild: Shutterstock

| So schlägt sich das digitale Gold im aktuellen Marktumfeld

In diesem Artikel erfährst du:

  • Wie die Haltung der Notenbanken aktuell zu interpretieren ist und warum Gold in den vergangenen Wochen kräftig ansteigen konnte
  • Warum ausgerechnet der Retailsektor die Kurse belastet
  • Wie sehr der Kryptomarkt abgekühlt und für eine nächste Aufwärtsphase bereit ist
  • Wie die Entwicklung der Bitcoin ETF Flows einzuordnen ist
  • Welche fünf Coins in den vergangenen sieben Tagen am besten performt haben und was sie ausmacht

Zinssenkungen: Eurozone prescht voran, während USA zögern

Während in der Eurozone die klare Erwartungshaltung besteht, dass die EZB nächste Woche zur ersten Zinssenkung ausholt, sieht es in Japan anders aus. Nachdem das Land kürzlich aus seiner Nullzinspolitik ausgebrochen ist, sorgen sich Anleger über mögliche weitere Zinserhöhungen seitens der Bank of Japan, da es zuletzt zu stärkeren Preisanstiegen für Dienstleistungen und Waren kam. Die Inflationsdaten diese Woche werden Aufschluss über den weiteren Kurs geben.

Dies gilt auch für die USA beziehungsweise die Fed. Am Freitag werden die Zahlen zu den privaten Konsumausgaben in den USA bekannt gegeben. Sollte das bevorzugte Inflationsmaß eine fallende Tendenz aufweisen, dann dürfte dies die Hoffnung auf Zinssenkungen in diesem Jahr wieder erhöhen. Zumal die US-Dollar-Stärke nicht nur zur Gefahr für die Weltwirtschaft wird, sondern auch amerikanische Exporte zusehends verteuert. Durch die bereits expansiven geldpolitischen Maßnahmen Chinas – der Staat kauf inzwischen sogar schon leerstehende Häuser auf – nimmt der Druck auf die USA weiter zu, ebenfalls einen Richtungsschwenk in seiner Geldpolitik vorzunehmen.

3-Monats-Chart: Bitcoin, S&P500 und Gold

Die bisherige Zurückhaltung der Fed ist aus Makrosicht eine der größten Bremsklötze für den Bitcoin-Kurs, der bekanntlich stark auf die Zins- beziehungsweise Liquiditätssituation reagiert. Dafür würde auch der Chart von Bitcoin und dem S&P500 sprechen, der zwischen Mitte und Ende April einen größeren Dämpfer erlitten hat.

Gold, Bitcoin und S&P500
Gold, Bitcoin und S&P500 im Chartvergleich (3-Monatssicht), Quelle: Tradingview

Zu diesem Zeitpunkt waren die Meldungen zur amerikanischen Geldpolitik besonders restriktiv. Diese hawkische Haltung hat sich inzwischen wieder etwas beruhigt, was sich anscheinend an den Kursen bemerkbar macht.

Dass sich auch der Goldpreis trotz zurückgehender Inflation nach oben bewegt, erklärt unter anderem die Tatsache, dass der Goldpreis nicht mit der kurz- bis mittelfristigen Inflationsentwicklung korreliert. Schließlich ist aufgrund der hohen Zinsen das Umfeld für Gold alles andere als gut, dessen Kurs sich konträr zum US-Dollar verhält. Auch war die Gold-Nachfrage aus dem EU-Raum zuletzt rückläufig.

Anders sieht es hingegen in China aus, wo es einen regelrechten Gold-Boom gab. Chinesische Anleger sowie die Bank of China scheinen also zu einem nennenswerten Teil hinter den Goldkurs-Steigerungen zu stecken, wie eine Auswertung vom Handelsblatt ergibt.

Das Interesse nach Bitcoin und Krypto allgemein hat sich nach dem starken März wieder komplett abgekühlt. Die globalen Google-Suchanfragen nach Bitcoin befinden sich aktuell auf einem Stand wie zuletzt im Bärenmarkt im vergangenen Jahr.

Google Trends Bitcoin
Suchvolumen “Bitcoin” auf Google Trends, Quelle: Screenshot Google Trends

Es fehlt an neuen Themen, die die Retailinvestoren begeistern. Das ETF-Narrativ hat sich vorerst aufgezehrt und die bisherige Seitwärtsphase bei Bitcoin sorgt nicht gerade für eine aufgeheizte Stimmung unter den Anlegern.

Funding Rates: Überhitzungsgefahr bei Bitcoin und Co. ist gebannt

Mit Blick auf die Heatmap der Funding Rates hat sich der Kryptomarkt deutlich abkühlen können. Die überwiegend dunkelgrünen Kästchen zeigen, dass die Bereitschaft, hohe Finanzierungskosten für Krypto-Futures einzugehen, deutlich zurückgegangen ist. Sogar bei den Memecoins sind die Übertreibungen sichtbar zurückgekommen.

Funding Rates
Funding Rates, Quelle: Screenshot Coinglass

Dies ist als sehr gesundes Zeichen zu werten und deutet darauf hin, dass wir aktuell keine Gefahr laufen “over leveraged” zu sein. Viel eher deuten die Funding Rates auf ein optimales Umfeld für eine neue Aufwärtsbewegung hin.

Open Interest: Handelsaktivität konnte sich erholen

Die Handelsaktivität konnte sich zuletzt wieder gut von ihrem Dip im April erholen. Das Open Interest von Bitcoin Futures, also wie viele Kontrakte ausstehen sind, ist seit dem 16. Mai wieder spürbar angezogen.

Open Interest Bitcoin Futures
Open Interest Bitcoin Futures, Quelle: Screenshot Coinglass

Da die CME das meiste Bitcoin-Handelsvolumen aller Futures-Börsen für sich vereinnahmt, zeigt dies vor allem das Interesse institutioneller und professioneller Anleger. Diese suchen eher die traditionelle Futures-Börse CME als Krypto-Futures-Börsen wie Binance oder Bybit auf.

Markt-Sentiment: Die Angst ist verfolgen

Mit einem Wert von aktuell 72 signalisiert der Bitcoin Fear-and-Greed-Index nach wie vor “Gier” im Markt-Sentiment. Die verängstigte Stimmung, wie wir sie Ende April mit Werten unter 50 beobachten konnten, war anscheinend nicht von langer Dauer.

Fear-and-Greed-Index Bitcoin
Fear-and-Greed-Index Bitcoin, Quelle: alternative.me

Bitcoin ETF Flows stimmen optimistisch

Die starken Abflüsse bei den Bitcoin ETFs konnten im Monat Mai gestoppt werden. Zuletzt zogen die Zuflüsse in die ETFs von BlackRock und Co. wieder kräftig an. Ein Zeichen dafür, dass das Interesse der Anleger zurückkommt.

Bitcoin ETFs Zu- und Abflüsse
Bitcoin ETFs Zu- und Abflüsse, Quelle: Coinglass

Auch wenn unter den Investoren noch größtenteils Kleinanleger sind, mehren sich die Meldungen von zunehmend institutionellen Investoren. Darunter sogar eine Pensionskasse des US-Bundesstaates Wisconsin, die 160 Millionen US-Dollar in die Bitcoin ETFs investiert hatte. Derartige Meldungen nähren die Hoffnung auf eine zweite größere – und vor allem institutionell getriebene – Welle bei den Bitcoin ETFs. Die Nettozuflüsse seit Mitte Mai, siehe grüne Kerzen im Chart, korrelieren stark mit der Kurserholung von Bitcoin in den vergangenen zwei Wochen.

Top 100: Die 5 erfolgreichsten Coins der Woche

In der Top 100 gemäß Marktkapitalisierung konnten in den vergangenen sieben Tagen folgende fünf Coins herausstechen:

  • Notcoin (NOT) +70 Prozent
  • Dogwifhat (WIF) +43 Prozent
  • Ondo (ONDO) +36 Prozent
  • Bonk (BONK) +28 Prozent
  • JasmyCoin (JASMY) +28 Prozent

Notcoin, das Play-to-earn Game auf Telegram, konnte schnell Popularität und teils über sechs Millionen aktive Nutzer erreichen. Dieser noch frische Hype erklärt den starken Kursanstieg. Darüber hinaus fällt auf, dass in den Top-5 zwei Memecoins, Dogwifhat und Bonk, sind. Nach wie vor scheint das Narrativ der Memecoins zu verfangen.

Mit Ondo Finance schafft es auf Platz drei ein Blockchain-Protokoll, das sich dem Thema Real World Asset Tokenisierung verschrieben hat. Über Ondo erhalten Investoren unter anderem die Möglichkeit, in tokenisierte US-Staatsanleihen zu investieren. Beim fünften Platz handelt es sich mit JasmyCoin um ein älteres japanisches Projekt aus dem Jahr 2016. JasmyCoin verortet sich im IoT-Bereich und konnte zuletzt von einer Partnerschaft mit Panasonic neuen Aufwind erfahren.

Disclaimer: Der Artikel spiegelt lediglich die persönliche Meinung des Autors wider. Es handelt sich nicht um Kauf- oder Verkaufsempfehlungen.

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