Rache, Mord und Bitcoin Wie diese Frau auf Hitman Scammer reinfiel

Zwölf Bitcoin für einen Mord aus dem Darknet. Dafür soll der Ex-Mann einer Frau aus den USA sterben. Doch der Auftrag geht nach hinten los.

Daniel Hoppmann
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Darknet Mord Pistole Bitcoin

Beitragsbild: Shutterstock

| Bei den meisten Auftragsmorden aus dem Darknet handelt es sich um Betrug

Eine rachsüchtige Frau aus den USA wollte 2016 ihren Ex-Ehemann umbringen lassen. Dafür heuerte sie einen Auftragskiller aus dem Darknet an, für 5.000 US-Dollar in Bitcoin. Doch die vermeintlichen Attentäter entpuppen sich als Betrüger. Nun muss sie für fünf Jahre ins Gefängnis.

Es ist Februar 2016. Kristy Lynn Felkins und ihr Ehemann haben sich gerade scheiden lassen und befinden sich inmitten eines Sorgerechtsstreits um die gemeinsamen zwei Kinder sowie ein weiteres Kind aus Felkins erster Ehe. Sie will sich an ihrem ehemaligen Partner rächen, vor dem sie laut eigenen Angaben geflohen ist. Dieser habe sie immer wieder physisch, mental und sexuell missbraucht, sagt sie.

Über das Darknet macht sich Felkins auf die Suche nach einem Auftragskiller. Im Forum “Besa Mafia” wird sie fündig. Die Betreiber bieten im Austausch für Bitcoin eine Reihe von Dienstleistungen an, von Angriffen über Entführungen bis hin zu Mord. Sie tritt mit einem Admin in Kontakt. Mit ihm tauscht sich die US-Amerikanerin über Monate aus. Zunächst über Beschaffungsmöglichkeiten für Bitcoin, später über den konkreten Ablauf des Attentats.

Aber: die Seite ist ein Scam. Das beweisen Zeugenaussagen eines Ermittlers, der den Fall untersuchte. Und auch Felkins beschleicht zu Beginn ein mulmiges Gefühl. “Ich habe viele Beiträge, unter anderem auf Reddit, gefunden, die alle Auftragskiller-Seiten als Betrug bezeichnen. Manche machen sich insbesondere über diese Seite lustig”, schreibt sie dem Admin Ende Februar. Der antwortet: “Wenn Sie es online nicht machen wollen, dann suchen Sie sich einen Auftragskiller bei einer der Gangs in Ihrer Nähe.”

Am Ende nimmt Felkins die “Dienstleistungen” der Seite dennoch in Anspruch. Anfang März überweist sie insgesamt 12 Bitcoin. Damaliger Gegenwert: Knapp 5.000 US-Dollar. Der Killer soll den Ex-Ehemann auf dem Weg zum Flughafen in Durham, North Carolina, erschießen. “Wäre es möglich, das ganze wie einen missglückten Raubüberfall aussehen zu lassen?”, schreibt sie. Doch es tut sich nichts.

4.000 US-Dollar für einen Scharfschützen

Der Admin bestätigt zwar den Eingang der Bitcoin, findet jedoch immer wieder Ausreden, weshalb das Attentat nicht durchgeführt werden konnte. Mal war die Zielperson “nicht auffindbar”, mal habe es zu viele Zeugen gegeben. Ende März meldet sich der Admin und fordert weitere 4.000 US-Dollar, damit ein Scharfschütze den Auftrag ausführen kann. Felkins habe ihr Schuldenlimit bereits gänzlich ausgereizt, sagt sie. Der Admin schlägt ihr vor, das Geld nach der Auftragsausführung zu überweisen. Felkins stimmt zu und nimmt dabei auch in Kauf, dass die neue Freundin des Ex-Mannes verletzt wird. “Am Ende bekomme ich seine Rente, unser Haus und möglicherweise eine hohe Auszahlung aus seiner Lebensversicherung.”

Doch schon wieder wird Felkins enttäuscht. Langsam wird sie ungeduldig. “Hört auf, meine Zeit zu verschwenden. Gebt mir eine Rückerstattung und ich suche eine andere Lösung”, schreibt sie. Die damals 35-Jährige fordert einen Beweis, dass der Auftragsmörder sich tatsächlich in Durham aufhält. Er solle ein Straßenschild fotografieren und dabei seinen Finger auf der rechten Seite des Fotos platzieren. Der Admin schickt das angeforderte Foto. “Offensichtlich habt ihr ein Bild aus Google Street View mit einem Finger gephotoshoppt”, beschwert sich Felkins. Noch ein paar Mal versucht der Admin seine Kundin vom Gegenteil zu überzeugen, ehe der Kontakt Mitte April gänzlich abbricht.

Bitcoin weg und fünf Jahre Haft

Vier Jahre später wird Felkins in der Kleinstadt Fallon im Bundesstaat Nevada verhaftet. Am vergangenen Donnerstag fiel das Urteil: Die heute 38-Jährige erhält eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren, mit anschließenden drei Jahren auf Bewährung.

Der Fall zeigt eines deutlich: Die Geschichten um Auftragsmorde im Darknet sind in den allermeisten Fällen (zum Glück) nichts weiter als Betrug. Eine Britin verlor Anfang des Jahres auf diese Weise knapp 25.000 US-Dollar. Auch gegen sie wird nun ermittelt.

Für ihren Rachefeldzug bezahlt Felkins am Ende nicht nur mit Geld, sondern auch mit ihrer Freiheit. Zudem dürfte das Urteil nicht unbedingt ihre Chancen im Sorgerechtsstreit mit ihrem Ex-Mann steigern. Übrigens: Hätte Felkins die zwölf Bitcoin gehalten und im Bullenmarkt verkauft, hätte sie 830.000 US-Dollar verdient. Genügend Geld, um ein neues Leben aufzubauen.

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