Der KI-Entwickler Anthropic hat am gestrigen 26. Oktober seinen Börsengang beantragt und strebt für November eine Notierung an der Nasdaq unter dem Kürzel ANT an. Der Börsenprospekt zeigt allerdings eine erhebliche Diskrepanz zwischen Umsatz und Verlust: Im ersten Halbjahr 2026 erwirtschaftete das Unternehmen hinter dem KI-Modell Claude einen Umsatz von 16,3 Milliarden US-Dollar, verbuchte jedoch einen Nettoverlust von 80,7 Milliarden US-Dollar.
Wie viele Aktien Anthropic ausgeben will und zu welchem Preis, ist bislang offen. Laut Financial Times rechnen Investoren mit einer Bewertung zwischen 1,5 und 1,75 Billionen US-Dollar, wobei die Preisfestsetzung für den 19. oder 20. November erwartet wird.
Hohe Infrastrukturkosten belasten Anthropic
Trotz der hohen Verluste verfügt Anthropic über beträchtliche finanzielle Reserven: Zum 30. Juni lagen die liquiden Mittel bei 112,4 Milliarden US-Dollar, hinzu kamen kurzfristige Anlagen im Wert von 19,3 Milliarden US-Dollar. Da das Unternehmen mit deutlich steigenden Investitionen in seine Infrastruktur rechnet, dürften die künftigen Cashflows jedoch unter Druck geraten.
Wie stark das Geschäft mit Unternehmenskunden wächst, zeigen die jüngsten Kundenzahlen. Ende September erzielten mehr als 1.900 Kunden einen annualisierten Umsatzbeitrag von jeweils mindestens einer Million US-Dollar, rund 250 davon sogar mehr als zehn Millionen US-Dollar.
Krypto-Trader warten nicht erst auf den IPO
Auch am Krypto-Markt sorgt der geplante Börsengang bereits für Bewegung. Auf Hyperliquid können Trader über den Kontrakt ANTH auf den erwarteten Aktienkurs spekulieren, obwohl die Aktie noch nicht öffentlich gehandelt wird. Nach der Veröffentlichung der Börsenunterlagen stieg der Kontrakt zunächst auf rund 1.980 US-Dollar, verlor anschließend innerhalb weniger Minuten jedoch etwa sechs Prozent. Das Handelsvolumen belief sich binnen 24 Stunden auf rund zwölf Millionen US-Dollar.
Bei den KI-Coins – etwa Near, Bittensor oder ICP – zeigt sich keine wirkliche Reaktion auf die Nachricht um den Anthropic-IPO. Vor einigen Jahren noch haben derartige Kryptowährungen noch viel stärker auf Ankündigungen von KI-Firmen aus dem traditionellen Finanzmarkt reagiert.
