Pendle besitzt im Bereich der Tokenisierung von DeFi-Yields weiterhin eine nahezu monopolartige Stellung. Diese sind jedoch aufgrund des stark eingetrübten Sentiments massiv zurückgegangen. Die Rendite von Ethenas sUSDe ist beispielsweise von zeitweise 19 Prozent 2024 auf unter fünf Prozent eingebrochen. Die schwächere Nachfrage nach solchen Rendite-Strategien hat wiederum auch Pendle belastet und den Token auf Talfahrt geschickt. Sollte jedoch wieder spekulative Aktivität in den Krypto-Markt zurückkehren, dürfte sich PENDLE als eines der attraktivsten Investments erweisen.
Während PENDLE weit unter früheren Hochs notiert und auf den ersten Blick wie ein weiterer Altcoin wirkt, der den Anschluss verloren hat, ist die relative Marktstellung des DeFi-Protokolls unangetastet. Pendle gehört zu den wenigen Protokollen, die in einer klar umrissenen Nische über längere Zeit eine nahezu monopolistische Stellung aufgebaut haben. Frühere Wettbewerber wie Element, Sense, Tempus oder APWine konnten sich nicht dauerhaft behaupten und haben den Markt entweder verlassen oder fristen ein Schattendasein. Doch wie funktioniert das Projekt überhaupt?
Was Pendle eigentlich macht
Das Grundprinzip ist erklärungsbedürftig, aber zentral für die Investment-These. Pendle zerlegt renditetragende Krypto-Assets in zwei Bestandteile. Der eine Token steht für den Kapitalanspruch (Principal Token), der andere für die künftige Rendite (Yield Token). Der PT steht für das eingesetzte Kapital und kann am Ende der Laufzeit wieder 1:1 gegen das Basis-Asset eingelöst werden. Der YT verbrieft dagegen die Erträge, die bis dahin anfallen. Beide Token können auf Pendle jederzeit gekauft und verkauft werden.
Für Nutzer eröffnet das mehrere Möglichkeiten. Über den PT lassen sich feste Renditen abbilden, wenn der Token unter dem späteren Rückzahlungswert gekauft wird. Der YT eignet sich dagegen für Wetten auf steigende oder fallende Erträge. Pendle schafft damit im Krypto-Markt etwas, das an die Trennung von Kapital- und Zinsansprüchen aus der klassischen Finanzwelt erinnert.
Boros als neues Zugpferd
Mit Boros will Pendle seine Expansion nun vorantreiben. Funding Rates werden – ähnlich wie Principal und Yield – handelbar gemacht. Funding Rates werden im Krypto-Space benötigt, um die Preise der nicht zuletzt aufgrund von Hyperliquid so gehypten Perpetual Futures an den Spot-Markt anzugleichen. Im Gegensatz zu regulären Futures haben diese nämlich kein Verfallsdatum. Bei einem optimistischen Sentiment auf dem Krypto-Markt, ist die Funding Rate positiv. Die Bullen müssen hier eine Gebühr an Shortseller abtreten.
Für Projekte, die ihr Krypto-Collateral mit Leerverkäufen absichern, stellt dies die Haupteinnahmequelle dar. Um sich vor negativen Funding Rates zu schützen, kommt Boros zum Einsatz. Technisch werden die künftigen Funding-Zahlungen in “Yield Units” (YU) verpackt, die den Funding-Cashflow bis zur Fälligkeit repräsentieren. Diese YUs können über ein vollständig on-chain geführtes Orderbook ge- und verkauft werden.
Boros befindet sich noch in einem sehr frühen Stadium und hat bislang nur rund 416.000 US-Dollar an Gebühren erwirtschaftet, was derzeit kaum ins Gewicht fällt. Entscheidend ist jedoch die Wachstumsdynamik. Das monatliche Handelsvolumen stieg seit dem Start von 387 Millionen US-Dollar auf 2,9 Milliarden US-Dollar im Januar 2026. Das entspricht einem Wachstum von 649 Prozent.
Im traditionellen Finanzsystem stellen Zinsderivate den Löwenanteil des globalen Derivatemarktes. Laut der Bank for International Settlement lag der Wert aller OTC-Derivate Ende 2024 bei rund 700 Billionen US-Dollar. Davon entfielen etwa 548 Billionen US-Dollar auf Zinsderivate – knapp 80 Prozent. Auf das Krypto-Äquivalent dieses Markts zielen Pendle und Boros ab. Der Handel mit Perp-Funding-Sätzen ist der logische erste, krypto-native Schritt in einen riesigen TAM (Total Adressable Market). Die Investment-These der Bullen ist damit wohl klar.
Die triste Gegenwart
So viel zum bullischen Zukunftsszenario. Die aktuelle Lage ist jedoch nicht besonders rosig. TVL und Einnahmen sind zuletzt deutlich zurückgegangen. Zum Vergleich: Im Jahr 2025 verzeichnete Pendle eine durchschnittliche TVL von 5,7 Milliarden US-Dollar und Gesamtgebühren in Höhe von 44,6 Millionen US-Dollar.
Der Monatsumsatz von Pendle fiel von 4,44 Millionen US-Dollar im August 2025 auf nur noch 552.000 US-Dollar im März 2026. Das entspricht einem Rückgang um knapp 88 Prozent. Parallel dazu sank der TVL auf 1,96 Milliarden US-Dollar und damit auf ein Mehrjahrestief.
Entscheidend für die Einordnung ist jedoch die Ursache dieser Entwicklung. Die Schwäche lässt sich eher als Folge der allgemeinen Flaute im DeFi-Sektor lesen und weniger als Folge eines verschärften Wettbewerbs. Der TVL von Pendle ist vor allem deshalb gefallen, weil die Renditen bei Ethena zurückgegangen sind, nicht weil ein Konkurrent dem Protokoll in größerem Stil Nutzer abgenommen hätte. Damit spricht alles für einen zyklischen Rückgang und weniger für eine strukturelle Verschiebung im Markt.
sPENDLE als Tokenomics-Upgrade
Ein wichtiger neuer Baustein ist seit dem im Januar vorgenommen Tokenomics-Upgrade sPENDLE. Dabei handelt es sich um eine liquide Version des gestakten Tokens. Das Ziel ist, Kapital weniger starr zu binden. Während die Vorgänger-Token vePENDLE also gelockt waren, können sPENDLE in DeFi weiterverwendet werden.
Zudem fließen bis zu 80 Prozent der Protokolleinnahmen in Rückkäufe von PENDLE. Ergänzt wird das Modell durch algorithmische Emissionen, die den Ausstoß neuer Token um 20 bis 30 Prozent senken und die Belohnungen gezielter in die profitabelsten Pools lenken sollen.
Auf Basis des aktuellen Trailing Revenue kommt Pendle so auf Rückkäufe von rund 21 Millionen US-Dollar pro Jahr. Gleichzeitig würden neue Token im Gegenwert von nur etwa 3,9 Millionen US-Dollar emittiert, was einer Inflation von 1,9 Prozent entspricht. Dass die Rückkäufe die Emissionen um das 4-Fache übersteigen, ist einer der zentralen Argumente der Bullen. Dazu kommt, dass keine nennenswerten Token Unlocks mehr anstehen.
Fazit
Sollte der Krypto-Markt also wieder in bullischeres Fahrwasser zurückkehren, dürfte die Spekulation im DeFi-Sektor wieder anziehen und Pendle als zentraler Player mit nahezu unüberwindbarem Burggraben und soliden Tokenomics einer der sichersten Altcoin-Gewinner werden. In Zeiten von Claude Mythos sollte man die Gefahr durch KI-Hacks jedoch als zusätzliches Risiko einpreisen. Schließlich sind DeFi-Protokolle besonders von Cyberattacken bedroht.
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